AUSSTELLUNG: CEZANNE • Fondation Beyeler, Riehen BS • 25.01.2026 – 25.05.2026
«Ein Plädoyer dafür, sich auf Cezannes Bilder zu konzentrieren und darauf, wie sie gemacht wurden»
In der ersten Ausstellung des Jahres 2026 widmet sich die Fondation Beyeler, eines der renommiertesten Kunstmuseen der Schweiz, in einer überzeugenden Schau mit Paul Cezanne (1839-1906) einem der Grundpfeiler ihrer Sammlung.

Paul Cezanne, Groupe de baigneuses, (Gruppe von Badenden), um 1895 Öl auf Leinwand, 47 x 77 cm, Ordrupgaard, Kopenhagen. Foto © Anders Sune Berg
Die Schau zeigt in sieben Säälen 79 sorgfältig ausgewählte Gemälde und Aquarelle aus dem Spätwerk Cezannes, dem Höhepunkt des Schaffens des Künstlers, mit Themen, mit denen sich der Künstler lebenslang befasst hat: Portraits und Figurenbilder, Stillleben und Landschaften. Damit nimmt die Schau Cezannes erklärtes Ziel auf, den Vorgang des Malens, die Struktur der Bilder sichtbar zu machen («réalisation») und dabei zu zeigen, wie Cezanne die Malerei von den traditionellen Konventionen löste und das Sehen revolutionierte. Damit wird sie zu einem «Plädoyer dafür, sich auf Cezannes Bilder zu konzentrieren und darauf, wie sie gemacht wurden».
Entscheidend für Cezannes Malen, die «réalisation», war, dass er die Natur nicht mehr als unverrückbare Erscheinung sah, die es nachzuahmen galt. Für ihn war das, was der Maler (wie später der Betrachter) sieht, eine Erscheinung eines hören Ganzen: «Die Natur ist immer dieselbe, aber von ihrer sichtbaren Erscheinung bleibt nichts bestehen. Unsere Kunst muss ihr die Spannung der Dauer geben, mit den Elementen und der Erscheinung all ihrer Veränderungen» (Zitat Paul Cezanne). Für Cezanne galt es die farbigen Sinneseindrücke, die vom Motiv ausgehen, die «sensations colorantes» aufzunehmen und zu verarbeiten. Diese über den konkreten Moment hinausgehende Beschäftigung mit dem Motiv, seien es zum Beispiel der Mont Ventoux oder die Gruppen badender Personen, bringt es mit sich, dass das einzelne Bild ohne weiteres im traditionellen Sinn «unvollendet» sein kann und die in den einzelnen Säälen der Ausstellung versammelten Werkgruppen, eben der Mont Ventoux oder die Badenden, als ein Kunstwerk gelesen werden können. Cezanne erfasst als Erster die Natur in ihrer Vielheit: der Mont Ventoux liefert beim winterlichen Sonnenuntergang von Süden ganz andere Eindrücke als beim sommerlichen Sonnenaufgang von Westen und bleibt trotzdem immer der Gleiche. Mit nur einem Sinneseindruck, zum Beispiel dem winterlichen Sonnenuntergang von Süden, würde er dem Motiv nicht gerecht. Und die zahlreichen Sinneseindruck, die die Natur liefert, so zum Beispiel das wogende Schilf bei den Badenden, erfordern es nicht die ganze Leinwand mit Farbe zu füllen. Cezanne lässt dem Betrachter damit Raum die Leinwand mit eigenen, vielleicht gerade von seinen «sensations» angeregten Sinneseindrücken zu ergänzen. Im Rahmen dieses (auf einzelne «Details») konzentrierten und damit fragmentierten Sehens werden die «taches» als Umsetzung der Seheindrücke sichtbar.
Mit der Konzentration auf diese wenigen Motive (Portraits, Figurenbilder, Stillleben und Landschaften) illustriert die Schau ganz hervorragend, was das Neue, das Aufregende an Cezanne ist.
10.02.2026, Jan Krobot/Zürich

