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Richard Lugner und der Wiener  Operball

02.05.2020 | Feuilleton

Richard Lugner und der Wiener  Operball

Wie Herr Lugner auf die Idee mit seinen Gästen kam : Im Frühjahr 1992 hatte der damalige ORF-Fernseh-Programmintendant Ernst Wolfram Marboe eine ziemlich ausufernde Idee. Am Faschingssamstag sollte der gesamte ORF ein Ballsaal mit buntem Programm werden und live darüber berichten. Wie immer war die Idee groß, das Budget aber klein. Also wurde ein Sponsor für den Stargast gesucht und in der Person des Baumeisters , der durch Seitenblicke den Reklame-Effekt von Medienauftritten entdeckt hatte, auch gefunden. Engagiert werden konnte Harry Belafonte. Damit aber auch ein entsprechender Werbewert für das eingesetzte Kapital – vor allem die Spesen (USA-Flüge waren damals noch teuer)- erzielt werden konnte, entstand die Idee, Herr Belafonte besucht als Gast von Herrn Lugner bereits am Donnerstag den Opernball.

Zwei Jahre vorher hatte schon Christa Mayerhofer mit ihrer Verwandten Prinzessin Caroline von Monaco und deren Gatten den Neid der Wiener Gesellschaft erregen wollen , aber der Besuch geriet organisatorisch zu einem Fiasko. 1992 mit dem nicht so hippen aber anerkannten Musikstar Belafonte funktionierte es so gut , dass der findige Geschäftsmann diese Tradition bis heute zum Leidwesen oder zur Freude vieler fortsetzt . Finanziert werden die Spesen und wohl auch das Honorar zum Gutteil aus dem Marketing-Budget der gleichnamigen City , weshalb vor dem Ball auch immer ein Starauftritt dort eingeplant ist, mit Signier- so ein passendes Buch vorhanden – oder zumindest Autogrammstunde.

1993 gelang ihm mit Joan Collins – Denver-Clan- ein großer Medien- und Publikumserfolg.

Bereits im dritten Jahr klappte es leider nicht mit dem ganz großen Star, Baumeister Lugner hatte Ivana Trump gebracht, heute wäre Melania Trump eine Sensation, aber die damalige Ex-Ehefrau galt im hochnäsigen Wien doch eher als Arbeiterin aus der Schuhfabrik Bata im tschechischen Zlin, die als Ersatz-Mitglied des nationalen Skiteams angeblich bei den Winterspielen in Sapporo im Ersatz war, mit einem österreichischen Schilehrer eine Scheinehe eingegangen war, dann nach Kanada zu ihrem Freund ausreiste, als Modell arbeitete und in dieser Funktion in den USA Promotion für die Winter Olympics in Montreal machte und reich geheiratet hat. Das heißt, das Interesse beim Publikum war gering. In den Jahren darauf war es ein stetes Auf und Ab, aber da niemand sonst in Österreich Mühe und Kosten für publikumswirksame Gäste auf sich nehmen wollte, erarbeitete sich Richard Lugner quasi ein Monopol.

Ulrike Messer-Krol

 

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