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RETZ / Festival Retz 2026 JUDITH & HOLOFERNES Barockoper von Alessandro Scarlatti (rekonstruierte Urfassung 1697). Premiere

11.07.2026 | Oper in Österreich

RETZ / Festival Retz 2026

JUDITH & HOLOFERNES

Barockoper von Alessandro Scarlatti (rekonstruierte Urfassung 1697)
Text: Antonio Ottoboni
Regie:  Hartmut Schörghofer
Dirigent: Luca De Marchi

Aufführungsort: Stadtpfarrkirche St. Stephan zu Retz

Bericht über die Premiere am 10. Juli 2026 (Dauer: 90 Minuten ohne Pause)
6 Aufführungen bis 26.07.2026
Alle Infos auf www.festivalretz.at

Kirchenoper vom Feinsten im Retzer Land

Österreich beheimatet viele interessante Festivals, aber Retz bietet etwas ganz Besonderes: Kirchenoper vom Feinsten! Seit 21 Jahren widmet sich das Festival Retz erfolgreich der zeitgemäßen szenischen Präsentation dieses Genres.

Mit „Judith & Holofernes“ von Alessandro Scarlatti (1697) rückt das Festival 2026 eine Geschichte des Alten Testaments ins Zentrum.

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Carolina Lippa als Judith und Chiara Brunello als Amme, Kostüme: Corinna Crome
© Wolfgang Hanousek

Der Inhalt

Die Stadt Betulia – an einer Engstelle vor Jerusalem gelegen – wird von den Assyrern unter General Holofernes belagert. Die Verteidiger erwägen bereits die Kapitulation. Die junge Witwe Judith entschließt sich zu handeln und ihr Volk zu retten. Gemeinsam mit ihrer Magd begibt sie sich in das Heerlager des Feindes und bietet sich Holofernes für eine Liebesnacht an. Dieser durchschaut zwar die Absicht der Frauen, lässt sich aber auf das Spiel ein und lädt Judith in sein Zelt. Als Holofernes schläft, misslingt Judiths erster Versuch, ihm mit dem Schwert den Kopf abzuschlagen. Gemeinsam mit der Amme gelingt der Mord. Die Magd bringt das Haupt des Holofernes nach Betulia, während Judith blutbefleckt beim Leichnam zurückbleibt!

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Der Bewegungschor, Chiara Brunello als Amme, Carolina Lippa blutbefleckt als Judith
© Wolfgang Hanousek

Die künstlerische Umsetzung

Es ist bewundernswert, wie es Intendant Christian Baier immer wieder gelingt, für das Festival Retz internationale Spitzenkräfte zu engagieren. Die Sopranistin Carolina Lippo, die Altistin Chiara Brunello und der Bariton Luigi Morassi bilden ein bestens harmonisierendes Sängerteam und werden vom Publikum zu Recht gefeiert. Die drei Protagonisten halten die Spannung über alle sieben Szenen hinweg konstant hoch. Zuerst geht es um die Frage, ob Judith der entscheidende Schritt vom Plan zur Umsetzung gelingt. Die Amme wechselt von Skepsis und Warnung zu Manipulation und Ermunterung: „Wir werden siegen!“. Auch Holofernes wechselt in seinen Gefühlen von Hochmut und Arroganz hin zu Sorglosigkeit, die er mit seinem Leben bezahlt. Luigi Morassi beeindruckt mit seinem weiten Stimmvolumen und meistert sowohl hohe Tenorlagen als auch die dunklen, warmen Töne des Baritons. Alle drei Künstler liefern intensive sängerische und schauspielerische Leistungen mit Gänsehauteffekt!

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Carolina Lippa als Judith, Luigi Morassi als Holofernes und Chiara Brunello als Amme
© Wolfgang Hanousek

Es ist ein besonderes Anliegen des Festival Retz, Kunst und Kultur durch Teilhabeprojekte für alle Bevölkerungsschichten zugänglich und erfahrbar zu machen. In Form des sogenannten Bewegungschors gestalten neun Menschen aus der Region gemeinsam mit dem Regieteam jene Bilder und Szenen, die die besondere Atmosphäre der Inszenierung prägen. Durch Masken entindividualisiert begleitet der Bewegungschor die Protagonisten durch Zeit und Schicksal.

Seit 2024 widmet sich das Festival Retz zusammen mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern der Entwicklung multimedialer Präsentationsformen. Regisseur Hartmut Schörghofer verbindet analoge Darstellung und digitales Bühnendesign und lotet die Möglichkeiten von Live-Kameras und deren Verschränkung mit dem Bühnengeschehen aus. Die stimmige Lichttechnik stammt von Martin Knaupp.

Wir erleben die Handlung zugleich als analoges Frontalereignis und im Altarraum als digitale Spiegelung eines Blicks von oben herab. Gleichsam als würde Gott auf das Geschehen wie auf eine Versuchsanordnung herabblicken.“, beschreibt Schörghofer seinen Ansatz.

Das Ensemble Continuum Wien (Management: Martin Horváth) arbeitet seit 2012 regelmäßig mit dem Festival Retz zusammen und tritt vornehmlich an jenen historischen Orten auf, für welche die Musik ursprünglich geschrieben wurde. Die Stadtpfarrkirche St. Stephan zu Retz mit ihrer besonderen Akustik erweist sich seit Jahren als ideale Spielstätte für die Aufführung von Kirchenopern und Oratorien! Der Star des Originalklangensembles Continuum Wien ist Konzertmeister Valerio Losito mit seiner Viola d‘Amore von Ferdinando Gagliano, Neapel 1775!

Historische Detektivarbeit für eine Rekonstruktion der Originalfassung

Für die Aufführung in Retz hat der Dirigent Luca De Marchi umfangreiche Forschungsarbeit betrieben. Auf Grundlage der einzigen erhaltenen Handschrift des Werkes im King’s College London rekonstruierte er La Giuditta in ihrer ursprünglichen Gestalt von 1697. Dabei zeigen sich insbesondere in Phrasierung und Ornamentik große Unterschiede zu den bislang wenigen bekannten Interpretationen dieses Werkes. Knapp 330 Jahre nach seiner Uraufführung erklingt das Werk in Retz erstmals wieder in seiner originalen Klanggestalt.

Alessandro Scarlatti (1660-1725) ist mit La Giuditta wahrscheinlich die erste Kirchenoper gelungen – eine neue, aus dem Oratorium hervorgegangene Musikform!

Die Botschaft

Das Leitmotiv des Festivals Retz lautet: HANDELN! Judith hat unterstützt von ihrer Magd gehandelt und obsiegt! Ob der Aufruf zum politischen Mord als Antwort auf Machtausübung immer die richtige Antwort ist, bleibt den Zuschauerinnen und Zuschauern überlassen. Widerstand und Zivilcourage sind in vielen Formen möglich!

Elisabeth Dietrich-Schulz

 

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