REICHENAU / Festspiele
„VIERUNDZWANZIG STUNDEN AUS DEM LEBEN EINER FRAU“
Novelle von Stefan Zweig
Dramatisierung von Gordon Greenberg & Thomas Kahry
Bericht über die Premiere am 5. Juli 2026 (Dauer: 1 Stunde 50 Minuten inkl. Pause)
20 Vorstellungen bis 2. August (Restkarten verfügbar!)
Alle Infos auf www.festspiele.reichenau.at
Die 5. Premiere innerhalb einer Woche und ein großer Publikumserfolg!
Ein Stück als Aufruf zur Emanzipation von gesellschaftlichen Zwängen!
Das Publikum der Festspiele Reichenau liebt Stücke über die Welt von Gestern und es liebt das Schauspielertheater! Beides wird in „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ geboten“. Die Aufführung wird vom Premierenpublikum bejubelt: Riesenapplaus, Bravi und Standing Ovations!!! Allen voran werden Julia Stemberger als Charlotte und Nils Arztmann als Teo gefeiert, aber ebenso Sona MacDonald als Agnes und Sängerin, Alex Kapl als Lobby Boy, George und Croupier und Roman Frankl als älterer Gentleman und Bandleader.

© LaloJodlbauer
Dramatisierungen sind heikel, denn es müssen Entscheidungen über Veränderungen des Originals getroffen werden. Statt des neutralen Ich-Erzählers in der Novelle wird Agnes, Charlottes Schwester, ihre Zuhörerin. In der Ausstattung von Alena Hoffmann bewegen sich die Figuren zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Reflexion, Kommentar, Erinnerung und Erleben. Stefan Zweigs Spezialität ist die Psychologie der Ausnahmesituation, seine Charaktere schwanken zwischen Verstand und Gefühl. Diese Ambivalenz wird durch die beiden unterschiedlichen Schwestern besonders deutlich. Obwohl Agnes die Lebensbeichte ihrer Schwester anfangs gar nicht hören möchte, signalisiert sie zuletzt ein gewisses Verständnis.
Stefan Zweig vermag Emotionen so zu beschreiben, als würde man sie selbst erleben. Das Publikum wird Teil der Handlung, wenn Charlotte einen jungen Mann vor dem Selbstmord retten will. Das gelingt ihr für 24 Stunden! Bis zu dem Zusammentreffen mit Teo hat Charlotte ihr Leben lang brav funktioniert und ihre Sehnsüchte unterdrückt. Ihr Wunsch zu helfen und Teos Dynamik, das Leben zu feiern, kulminieren in einer Liebesnacht.

© LaloJodlbauer
Charlotte gibt Teo ihre ganzen Ersparnisse, damit er seine Schulden begleichen und in Wien wieder ins bürgerliche Leben einzusteigen kann. Er schwört vor Gott in einer Kirche, nicht mehr zu spielen. Alles vergebens – Teo geht wieder ins Casino von Monte-Carlo , verspielt alles, trifft noch einmal Charlotte und begeht anschließend Selbstmord. Die Freude und Selbstbefreiung, die er in Charlottes Leben gebracht hat, aber bleibt.

© LaloJodlbauer
Die Musiknummern der Inszenierung sind Hilfsmittel, um die vielen Schichten der Erzählung emotional besser zugänglich zu machen. Glücklicherweise funktioniert die Musikregie: die Musik – ob vokal oder instrumental – ist diskret, die Dialoge der Protagonisten bleiben verständlich!
Charlotte und Teo sind Opfer von Erwartungen. Charlotte wurde nie gefragt, was sie will. Teos Familie erwartet einen Diplomaten, ein Onkel nimmt ihn ins Spielcasino mit, für Teo der Anfang der Sucht. Die Sucht des Spielens wird zu einem Sehnen nach einem Gefühlszustand, der im wahren Leben nicht erreicht werden kann. Die Sucht erlaubt Glücksmomente, die dem „normalen“ Leben fehlen.
Von Nils Arztmann wird man noch viel hören und sehen. Im Herbst 2026 startet der Kinofilm „Bruno – der junge Kreisky“, in dem er die Hauptrolle verkörpert. Die Intendantin Maria Happel hat wieder einmal ihr Gespür für besondere Talente bewiesen.
Elisabeth Dietrich-Schulz

