REICHENAU / Festspiele: „KRIEG UND FRIEDEN“
Roman von Leo Tolstoi
Bühnenfassung von Rita Thiele und Philipp Haus
auf Basis der deutschen Übersetzung von Barbara Conrad
basierend auf einer Dramatisierung von Nicolaus Hagg
Bericht über die Premiere am 3. Juli 2026 (Dauer 3h 15 min, 1 Pause)
28 Vorstellungen bis 2. August (Restkarten verfügbar!)
Achtung: Das Südbahnhotel ist nicht barrierefrei!
Alle Infos auf www.festspiele.reichenau.at
Das Thema KRIEG UND FRIEDEN ist zeitlos, immer interessant und polarisierend
Die Dramatisierung eines Romans für die Bühne ist grundsätzlich schwierig. Nikolaus Hagg ist es allerdings bereits mehrfach gelungen, einen Roman in ein Theaterstück zu verwandeln. Bei Leo Tolstois Jahrhundertroman „Krieg und Frieden“ mit seinen 1600 Seiten bleibt die Dramatisierung weit hinter der Buchvorlage zurück! Vielleicht liegt das aber nicht an Nikolaus Haag, sondern an den vielen an der Bühnenfassung beteiligten Personen.
Der Ort der Aufführung ist für viele Menschen Anziehungspunkt: das legendäre Südbahnhotel, gegründet 1882, lange Treffpunkt der Reichen und Schönen der Donaumonarchie, heute eine verfallene Schönheit, die trotz verschiedenster Investorenkonzepte auf den ultimativen Milliardenkuss wartet.
Der Inhalt
Das Bild der Zeit 1805, Schlacht bei Austerlitz, bis 1812, Brand Moskaus und Niederlage der Napoleonischen Truppen in Russland, wird anhand der Geschichte dreier Familien der russischen Oberschicht gezeichnet. Das Publikum begleitet die Familien Rostow, Bolkonskij und Kuragin durch Krieg und Frieden. Tolstoi entwickelt den Gegensatz des Lebens als Schein, der Welt der Konvention, gegenüber dem natürlichen, unverfälschten Sein. So werden die einzig auf den eigenen Vorteil bedachten Mitglieder der Familie Kuragin den empathischen Mitgliedern der verarmten Familie Rostow gegenübergestellt. Napoleon kommt nicht als Person auf die Bühne, ist aber permanent präsent. Viele seiner Freiheitsideen kommen anfangs bei einigen Jungen gut an. Die Realität der Schlachtfelder lässt sie zu russischen Patrioten werden, die ihr Land verteidigen. Der russische General Kutusow – phänomenal dargestellt von Martin Schwab – erweist sich als gewiefter Taktiker, der den russischen Winter und den Hunger als Waffe einsetzt, um zuletzt mit seiner Taktik des Zurückweichens, der militärischen Nadelstiche und der Partisanenkriegsführung zu siegen.
Die Entheroisierung historische Persönlichkeiten entspricht der Geschichtsphilosophie des Pazifisten Tolstoi. Ähnliches ist Bertha von Suttner mit ihrem Roman „Die Waffen nieder“ gelungen. Sie entheroisiert die Armee. Sie erhoffte sich ein Ende von Kriegen durch Friedensgesellschaften, Konferenzen und Entwicklung des internationalen Rechts. Tolstoi hoffte auf ein Ende der Kriegsapparatur durch die Verweigerung des Tötens von Unten. Die Menschheit wartet noch immer auf permanenten Frieden!

© LaloJodlbauer
Die Ensembleleistung ist hervorragend. Martin Schwab, der Doyen der Festspiele Reichenau, erhält den meisten Applaus, dicht gefolgt von Noah Saavedra in der Rolle des Pierre und allen anderen.
Natascha Rostowa: Johanna Mahaffyr
Pjotr Kirillowitsch Besuchow (Pierre): Noah Saavedra
Natascha Rostowa: Johanna Mahaffy
Nikolai Rostow: Julius Dörner
Petja Rostow: Nils Hausotte
Graf Ilja Rostow, deren Vater: Dirk Nocker
Gräfin Natalja Rostowa, deren Mutter: Emese Fay
Sonja, Nichte der Rostows: Elena Hückel
Helene Kuragina , verheiratete Gräfin Besuchowa: Johanna Arrouas
Anatol Kuragin, Helenes Bruder: Elias Eilinghoff
Fürst Wassile Kuragin, deren Vater: Rafael Schuchter
Fürst Andrei Bolkonski: Tim Werths
Maria Bolkonskaja: Evi Kehrstephan
Fürst Nikolai Bolkonski, deren Vater: Martin Schwab
Fedja Dolochow: Lukas Haas

© LaloJodlbauer

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Fazit
Das Südbahnhotel ist – meiner Meinung nach – am besten mittels Stationentheaters zu bespielen. Als eine Art Guckkastenbühne ist weder der Speisesaal noch der Waldhofsaal geeignet, falls es der Regie wichtig ist, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer gut hören und sehen.
Elisabeth Dietrich-Schulz

