REICHENAU / Festspiele: „Die Fledermaus“
Operette von Johann Strauss Sohn, Uraufführung 1874
Spielfassung & Text: Nils Strunk und Lukas Schrenk
Bericht über die Premiere am 1. Juli 2026
26 Vorstellungen bis 2. August, Doppelvorstellung zum Jubiläum am 1. August
Alle Infos auf www.festspiele.reichenau.at
Fulminanter Auftakt der Jubiläumssaison 100 Jahre Theater Reichenau
Sehr unterhaltsam verlegt das Erfolgsduo Nils Strunk und Lukas Schrenk „Die Fledermaus“ von Johann Strauss und Richard Genée in die „Roaring Twenties“.
Swing, Blues und Charleston treffen auf die unvergänglichen Melodien des Walzerkönigs. Die exzellente Live-Band – im hinteren Teil der Bühne, erhöht und immer gut sichtbar – versteht zu Grooven, den die Musiker harmonieren perfekt. Es entsteht ein mitreißender Rhythmus, der unbewusst zum Mitwippen anregt.
Viele im Publikum buchen nur wegen des Duos Nils Strunk und Lukas Schrenk!
„Die Fledermaus“ ist das 7. Stück einer Erfolgsserie, die seit der Bearbeitung der „Zauberflöte“(Burgtheater), der „Schachnovelle“ (Burgtheater), „Killing Carmen“ (Volksoper), Pinocchio (Dschungel Wien), „Marie Antoinette“ (Salzburger Landestheater) und „Gullivers Reisen (Burgtheater) läuft und läuft. Die umsichtige Intendantin der Festspiele Reichenau Maria Happel hat das Erfolsduo Nils Strunk und Lukas Schrenk bereits vor 3 Jahren gebucht. Danke Maria!

© Lalojodlbauer
Worum geht es in dem Stück?
Nichts ist, wie es scheint!
Der reiche Privatier Gabriel von Eisenstein muss wegen Beamtenbeleidigung eine Arreststrafe antreten. In seiner Abwesenheit empfängt seine Gattin Rosalinde ihren früheren Liebhaber Alfred. Eisenstein geht statt in den Arrest zu einem Fest im Haus des Prinzen Orlovsky, wo Doktor Falke durch kleine Intrigen alle Beteiligten zusammenführt. Nichts ist, wie es scheint! Der ganze Abend ist eine Blase aus Behauptung und Spekulation, die jederzeit platzen könnte. Die Kammerzofe Adele ist die Gewinnerin des Spiels der Verstellung. Sie wird am Schluss mit der Ausbildung zur Schauspielerin auf Kosten des Prinzen (nicht des Gefängnisdirektors, der sich das als Beamter nicht leisten kann!) belohnt. Alle Protagonisten treffen einander zuletzt im Gefängnis bei Direktor Frank, um in ihre alten Rollen zurückzukehren. Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.
Großer Applaus des Premierenpublikums! Aber Nichts ist, wie es scheint!
Der sogenannte Schlussapplaus ist nicht das Ende des Stücks, denn das Duo Nils Strunk und Lukas Schrenk hat sich den besten Gag für den Epilog aufgehoben. Die Schauspieltruppe mit Band formiert sich zum Eifersuchtstango nach dem Motto „Was machen wir jetzt – wir sind erwacht …“ Danke besonders für diese Szene an Nils Strunk und Lukas Schrenk. Helmut Bohatsch, der Darsteller des Advokaten Dr. Blind, hat dabei zurecht seinen großen Auftritt.

© Lalojodlbauer
Wie hat das Regieduo am Originaltext gedreht?
Alfredo – dargestellt von Gerhard Kasal – wird von einer Randfigur zu einer zentralen Gestalt der Handlung und schafft es schauspielerisch, sängerisch und akrobatisch zu überzeugen. Gabriel von Eisenstein – dargestellt von Raphael von Bargen (geboren in Hamburg, lebt und spielt schon lange in Wien) findet – ob als Regieeinfall oder aus Eigenentscheidung – nicht den Wienerischen Tonfall. Rosalinde – dargestellt von Eva Mayer -und Adele – dargestellt von Julia Edtmeier -sind schlank und rank. Daher ist es glaubhaft, dass eine im Kleid der anderen erscheint! Beide sind in Schauspiel, Musik und Sprache einander ebenbürtig. Die Rolle des Gefängniswärters Frosch – dargestellt von Sebastian Wendelin – wird immer mehr zur zentralen Figur. Sebastian Wendelin steht seit seinem vierten Lebensjahr auf der Bühne und bietet akrobatische Leistungen der Sonderklasse. Das Publikum liebt Slap-stick. Alkohol und zirkusreife Nummern gibt es in Hülle und Fülle! Der Gefängnisdirektor Frank – dargestellt von Jakob Semotan – tritt mit kleinem Hitlerbärtchen auf. Wir sind in den 20-er Jahren, der Zeit des Aufstiegs der NSDAP. Der Mord am Journalisten Hugo Bettauer wird kurz erwähnt, geht aber irgendwie unter, was zur Wahrnehmung der Zeit passt.

© Lalojodlbauer
Der Prinz Orlovsky -dargestellt von Moritz Mausser – erscheint als junger, immens reicher gelangweilter Privatier (? Oligarch), glaubt an Seancen und Weissagungen und ist sehr bemüht, seinen Falco-Faktor vergessen zu lassen.
Die Rache der Fledermaus alternierend besetzt mit Peter Lesiak und Lukas Schrenk – ist gelungen!
Das Fazit: Wir belügen einander! Selten so amüsant wie in dieser FLEDERMAUS!
Elisabeth Dietrich-Schulz

