Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

RAVENNA/Teatro Alighieri: IL TAMERLANO von Antonio Vivaldi

18.01.2023 | Oper international

RAVENNA/ Teatro Alighieri: IL TAMERLANO von Antonio Vivaldi

am 15.1.2023 (zweite Vorstellung)

ta
Foto: Teatro Alighieri/ Zani Casadio

Im November gastierten Ottavio Dantone und seine Accademia Bizantina im Rahmen ihrer Europatournee mit Antonio Vivaldis „IL TAMERLANO“ im Ausweichquartier des Theaters an der Wien.

Der Tamerlano-Stoff ist zig Male vertont worden, auch unter dem Titel „Bajazet“. Vivaldis Fassung ist insofern speziell, als sie nicht nur ein Pasticcio ist, sondern auch wegen der originellen Idee, dass die „Guten“ seine eigenen Arien singen, während sich die „Bösen“ mit Kompositionen seiner Konkurrenten wie Johann Adolf Hasse, Riccardo Broschi und Geminiano Giacomelli begnügen müssen.

Um es kurz zu machen: man war von Konzept und Umsetzung hingerissen. Man bedauerte allerdings, dass es nur eine konzertante Aufführung war und man sich – weil es in der Halle E keinen Vorhang gibt – den ganzen musikalisch schönen Abend lang das abscheuliche, total zugemüllte Bühnenbild der „Gazza Ladra“ Produktion anschauen musste.

Als man dann erfuhr, dass in Ravenna eine szenische Version des Tamerlano Premiere haben würde (die dann auf Italien-Tournee geht) setzte man sich voll freudiger Erwartung in den Zug.

Aber man soll ja bekanntlich vorsichtig sein mit seinen Wünschen ans Universum, und sobald sich der Vorhang im zauberhaften Teatro Dante Alighieri hob, biss man sich auf die Lippen.Doch da war es schon zu spät…

Ottavio Dantone und seine Accademia Bizantina waren zwar brillant wie immer, und auch das Ensemble (Filippo Mineccia, Gianluca Margheri, Federico Florio, Marie Lys, Giuseppina Bridelli etc. glänzte wieder durch Virtuosität und Intensität. Aber die Inszenierung…Gott steh mir bei !

Stefano Monti ist einer jener Regisseure, die der Barockoper nicht über den Weg trauen und deren angeblicher Handlungsarmut mit allerlei Firlefanz aufzupeppen versuchen. In diesem Fall durch das Engagement der DaCru Dance Company. Diese armen Teufeln waren dazu angehalten, die Protagonisten zu „doublen“ und sie spielten sich diesbezüglich, ihr Geld wert, wirklich einen wahren Wolf ab. Aussehen taten sie aber wie eine enfesselte Fußgängerzonentruppe – sie wissen schon jene geschminkten Mimen, die hinter dir unabschüttelbar einhergehen und dich nachzuahmen, um nicht zu sagen nachzuäffen versuchen. Und das Ganze, während die Sänger, von Bewegungszwängen befreit, sich an der Rampe „parkten“ und ihre Töne – noch unerschütterlicher als sonst – frontal direkt ins Publikum emittierten…

Überflüssig, ablenkend und kontraproduktiv.

Als ob er mit diesem „Einfall“ nicht schon genug Schaden angerichtet hätte, schuf Stefano Monti auch noch die Kostüme. Bei diesen wiederum fühlte man sich wie in eine Latexfetischparty in einem Sadomasclub versetzt. Alle waren mehr oder minder gleich angezogen, alle in Schwarz, teilweise mit helmähnlichen Gebilden, die auch noch die Augen bedeckten. Einfach schauerlich.

Man sehnte sich inbrünstig in die Halle E zurück. Liebes Universum, bitte höre nächstes Mal nicht auf meine Wünsche…

Robert Quitta, Ravenna

 

Diese Seite drucken