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RAPPERSWIL/ Schweiz/Schloss Rapperswil: DAS RÖSLI VOM SÄNTIS von Franz Curti. Eine Schweizeroper in drei Aufzügen

02.05.2022 | Oper international

Franz Curti: Das Rösli vom Säntis • Franz Curti Festival im Schloss Rapperswil • 30.04.2022
Eine Schweizeroper in drei Aufzügen

curti

Nach zwei Verschiebungen bringt das Franz Curti Festival dieses Jahr nun die Gelegenheit das Schaffen eines der wichtigsten Schweizer Komponisten seiner Zeit kennenzulernen. Anlässlich des zweiten Franz Curti Festival vom 29. April bis 1. Mai 2022 in Rapperswil ist das Buch der Edition Opéra‐Studio Genève über Franz Curti (https://onlinemerker.com/jean‐marie‐curti‐gisela‐dahl‐franz‐curti‐erinnerung‐aneinen‐
vergessenen‐schweizer‐komponisten/)  wieder erhältlich.

Am zweiten Abend wurde im Rittersaal von Schloss Rapperswil Franz Curtis letzte Oper «Das Rösli vomSäntis» aufgeführt.
Das nach wechselhaften Erfahrungen mit den Textbüchern zu seinen Opern vom Komponisten selbst gedichtete Libretto zu «Das Rösli vom Säntis» erschien bereits vor der Uraufführung im Commissionsverlag von W. Bock in Dresden. Die Uraufführung der Oper am 11. Februar 1898 im Stadttheater Zürich erlebte der Komponist nicht mehr: er war fünf Tage zuvor in seinem Haus in Dresden gestorben. «In andächtiger Stille lauschte die Zuhörerschaft, als die Vorstellung durch eine kurze Trauerfeier für den verstorbenen Tondichter eingeleitet wurde. Ein kurzer von Kapellmeister Kempter komponierter Orchestersatz versetzte die Versammlung in feierliche Stimmung. Dann trat Frl. Brandes an eine mit Lorbeekränzen geschmückte Urne und sprach den von Dr. F. Rohrer gedichteten schwungvollen Prolog, dem warmer Beifall gespendet wurde.» berichtet die Neue Zürcher Zeitung (Ausgabe 1 vom 12.02.1898) über die Uraufführung.

Die Oper spielt gegen 1500 im Dorf Schwendi, auf der Meglisalp und am St. Michaelstag (Kirchweih, 20. September) beim Wildkirchli im Kanton Appenzell in der Schweiz. Curti bemerkt dazu im Libretto:«Die Handlung spielt Ende des 15. Jahrh., als die tapfern Appenzeller von den strengen Amtsleuten des herrschsüchtigen Abtes von St. Gallen unerträglich bedrückt wurden und das Bestreben hatten, sich frei zu machen. ‐ Als Symbol der Zusammengehörigkeit wurden am St. Michaelstag die Häuser mit Guirlanden verbunden. Der St. Michaelstag ist gleichzeitig als Kirchweih gedacht.» (Libretto, Commissionsverlag W. Bock, Dresden, 1907).

Franz, ein junger verwaister Bauernsohn, wird vonseinem eifersüchtigen Nebenbuhler Jörg, Sohn der Besitzerin des Gasthofs, in dem Rösli arbeitet, des Diebstahls angeklagt. Da niemand dem unschuldigen Franz glaubt. nimmt Rösli, die Tochter von Hanna und Waldram, die Schuld auf sich und wird wegen des vermeintlichen Diebstahls aus dem Dorf verbannt. Tief beeindruckt von so viel Tapferkeit und Hingabe hält Franz bei Röslis Eitern um ihre Hand an. Die Eitern glauben jedoch ebenfalls Jörgs Lügen und lehnen Franz‘ Heiratsantrag vehement ab. Untröstlich macht sich dieser auf den Weg, um sich dem Freiheitskampf der Appenzeller gegen die St. Galler anzuschliessen. Im Glauben, Franz für immer verloren zu haben, flüchtet das verzweifelte Rösli hinauf zum gefährlich gelegenen Wildkirchli. Derweil entdeckt Franz auf seinem Weg den schwerverunfallten Jörg und rettet ihn aus seiner misslichen Lage. Zurück im Dorf gesteht dieser seine Lügen.

Auch Rösli wird in letzter Minute gerettet und mit ihrem Geliebten vereint. Jörg jedoch bezahlt seine Hinterlist dennoch mit dem Tod. «Die Erstaufführung von Franz Curtis Oper «Das Rösli vom Säntis»hatte einen sehr starken Erfolg. Das Theater», so die Neue Zürcher Zeitung im Bericht zur Uraufführung, «war ausverkauft. Franz Curtis Oper «Das Rösli vom Säntis» wird nach dem durchschlagenden Erfolg der ersten Aufführung in der nächsten Zeil öfter auf dem Spielplan wiederkehren».

Im Vorfeld der Uraufführung berichtet die Neue Zürcher Zeitung (Ausgabe 1 vom 10.02.1898): «In einem Vorspiel giebt er uns die Anklange an die wichtigsten Motive, welche in seiner Oper verwendetwerden, wobei wir bemerken dürfen, daß er eine ungemein stark ausgeprägte Fähigkeit bekundet, seine Motive zu modulieren und mit mannigfaltiger Flexion für den musikalischen Ausdruck verschiedener Situationen und Stimmungen zu verwerten». Da die Rapperswiler Aufführung nur von einem Klavier (Dirigat und Piano: Patrick Froesch) begleitet wird, benötigt der Zuhörer viel Phantasie, um sich die spätromantische Musik mit teilweise kräftigen volksmusikalischen Einschüben vorstellen zu können.

Yanis Benabdallah gibt mit metallischem Tenor und viel Leidenschaft den Franz und Anne‐Cécile Laurent mit leuchtendem Sopran das Rösli, die Tochter von Hanna und Waldram. Mit kernigem Bariton ist Marcos Garcia Gutiérrez ein eindrücklicher Jürg. Sarah Gos singt mit herrlich jugendlichem Sopran einen quicklebendigen Hansel, den jüngere Bruder von Rösli. Anne Schlick als Frau Agnes und Sennin, Thomas Epstein als Vater Waldram und Annouk Jobic als Mutter Hanna und Aurélien Pernay als Anführer der Söldnertruppe ergänzen das Ensemble. Catherine Bernardini, Seraina Perrenoud, Olivia Peccoud, Philippe Jacquiard und Thierry Rosburger bilden den Chor.

Eine verdienstvolle Aufführung und lohnenswerte Begegnung!

12.5. Jan Krobot

 

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