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PRAG/Ständetheater: LE NOZZE DI FIGARO. 3.Vorstellung der Neuinszenierung

05.02.2018 | Oper

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Foto: Patrick Boreczky

PRAG/Ständetheater:  LE NOZZE DI FIGARO. 3.Vorstellung der Neuinszenierung am 4.2.2018

Mozarts Kassenschlager „Le nozze di Figaro“ erlebt man derzeit in Prag in einer Neuinszenierung im historischen Ständetheater. Dort, wo eben jenes Stück seinerzeit so erfolgreich lief, dass Mozart direkt seinen Don Giovanni dort uraufführte, hat seither eine gewisse Tradition mit den Opern des Salzburger Komponisten. Entsprechend hoch liegt die Messlatte, hat doch kürzlich sogar Placido Domingo das schmuckvolle Theater für sich und seine Zwecke entdeckt.

Die Neuinszenierung vom „Figaro“ lag in den Händen von Regisseurin Magdalena Švecová. Viel mehr zu sagen als die Vorgängerinszenierung, die von 2002 bis 2017 noch an selber Stelle zu erleben war, hat sie allerdings nicht. Auch hier gibt‘s barocke Ausstattung in Einheitsbühnenbildern. Manche Szenen und Arrangements wirken gar 1:1 übernommen. Ein paar witzige Neuerungen kommen hinzu, wie zum Beispiel von Statisten übernommene Szenen die zur Überbrückung zwischen den Akten dienen. Überhaupt liefert diese Truppe die szenisch aktivste Leistung und muss mal marschierend in Figaro‘s 2. Arie in den Krieg ziehen oder später durch die Ränge huschen, um „madre“ und „padre“ unter den Zuschauern zu suchen. Wieso Švecová allerdings stellenweise die ohnehin in Travestie verkleidete Sängerin des Cherubino durch einen männlichen Schauspieler doubeln liess, erklärte sich nicht wirklich.

Musikalisch sah die Lage fast noch bedrückender aus. In der Titelrolle sprang František Zahradníček kurzfristig für seinen erkrankten Kollegen Miloš Horák ein. Da er noch am Vorabend in selbiger Rolle zur Premiere der B-Besetzung auf der Bühne stand, entzieht sich seine mässige musikalische und darstellerische Leistung genauerer Kritik. Ihm zur Seite stand Jana Sibera als seine Susanna. Die Darbietung der jungen Koloratursopranistin kann bestenfalls als solide bezeichnet werden. Die eher tief liegende Tessitura der Rolle bringt Siberas stimmliche Vorzüge zu wenig zur Geltung. Zudem fehlt der szenische Esprit, der Susanna üblicherweise zum Zentrum des Geschehens werden lässt. Ein böser Schmiss im Briefduett ging leider auf ihre Kappe. Der Conte von Jirí Hájek war an Langeweile kaum zu überbieten. Er vermochte seinen eigentlich schönen Bariton mit zu wenig stimmlichen Farben auszustatten und so wirkte die Partie etwas heruntergesungen. In der Höhe schien er sich ausserdem sehr zu sparen. Wurde hier eine Indisposition verschwiegen? Als seine Gattin wusste Jana Šrejma Kačírková als Contessa d‘Almaviva einzig um die stilistische Behandlung der mozartschen Musik und Phrasierung. Nach einem etwas getrübtem „Porgi amor“ blitzten schliesslich im „Dove sono“ sämtliche Nuancen ihres samtig-vollmundigen Timbres auf und auch darstellerisch war sie definitiv auf der Haben-Seite des Abends. Zur Persiflage wurde leider Alzbeta Vomáčková in der Rolle des Pagen Cherubino. Ihr harter, zu wenig lieblicher Klang wurde der Rolle in keiner Weise gerecht und zu stimmtechnischen Mängeln kommt dann noch die absolute Nichtbeherrschung der italienischen Sprache. Die slawische Aussprache der Konsonanten machte jegliche Italianità zunichte und wirkte vor allem in den Rezitativen etwas lächerlich. So etwas sollte bei einer Premierenbesetzung nicht der Fall sein, zumal sich Opernhäuser in der Grössenordnung Prags eigentlich um entsprechende Sprachbetreuung bemühen sollten, wenn auch nur bei Neueinstudierungen. Da es dem hauseigenen Ensemble nicht an guten „Cherubini“ mangelt, stellt sich umsomehr die Frage nach dieser Besetzungswahl.

Bei den Nebenrollen gibt es weitaus Positiveres zu berichten. Eine stimmschöne Marcellina mit jugendlicher Erscheinung gab Stanislava Jirku, ihr zur Seite der ebenfalls junge Jan Štáva als ordentlicher Bartolo. Josef Moravec gab einen etwas nasalen, aber sehr wendigen Don Basilio. Bei so einer Besetzung hätte man sich glatt die, wie auch in dem Fall oftmals gestrichenen Arien von Marcellina und Basilio erbeten. Eine erfreuliche Entdeckung war die Barbarina von Kristyna Vylíčilová, die mit schöner Stimme und fein gestalteter Arie aufhorchen liess.

Das Orchester unter Enrico Dovico spielte brav, bekam von seinem Maestro allerdings deutlich zu wenig Inspiration. Prag sollte sich besser schnellstens bemühen, den Anschluss an seine Mozarttradition nicht zu verlieren.

Barbara Rosenrot

 

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