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POINT BREAK

18.01.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPoster  Point Break~1

Ab 21. Jänner 2016 In den österreichischen Kinos
POINT BREAK
USA, Deutschland  /  2015 
Regie: Ericson Core
Mit: Édgar Ramírez, Luke Bracey, Teresa Palmer, Ray Winstone u.a.

Bei einem Film, der als Markenzeichen nichts als „Action“ auf der Stirn geschrieben hat, tut man einem Leser- und potentiellen Kinopublikum wahrscheinlich den größten Gefallen, wenn man ihnen sagt, was sie erwartet. In 3 D und auf Riesenleinwand natürlich, damit man mitten drin ist, in Wasserfluten untergeht oder Kälte spürt oder mit durch die Lüfte stürmte…

Also, da wird gleich zu Beginn einmal mit Motorrädern durch die Wüste gebrettert. Dass man da auch von einem Felsen zum nächsten springt und eine spektakuläre Landschaft mitspielt, versteht sich. Später wird durch die Luft gesegelt (übrigens: in Mexiko und in Bombay regnet es Geld vom Himmel), und dann wird gesurft – wui, das sind Wellen! Da strampelt man dann auch dramatisch unter Wasser…

In den Bergen wird gewandert und dann frei geklettert, nur so einfach mit Händen und Füßen, das ist nervig anzusehen. Wer von den Felsen springt, macht erst in letzter Sekunde seinen Fallschirm auf. Wo’s Schnee auf hohen Bergen gibt, benützt man keine Skier, sondern setzt zum Snowboarden an, um sich atemberaubend hinunterzustürzen. Autorasen auf Bergstraßen, Unfälle, und dann noch Erd- und Steinrutsch, immer nur auf wenige Meter hinter Fliehenden her. Wenn sie es überstehen, dann wartet auch noch der Wasserfall auf sie. Ach ja, wenn man tatsächlich „Flügel“ ausbreiten kann, hat man wohl ein „Wingsuit“ an. Am Ende ist man wieder am so stürmischen Meer, dass es fraglich ist, wer das überleben soll… Kurz, feig sein darf man nicht. Schon das Zusehen strengt das Nervenkostüm an.

Gibt es zu all dem eine Handlung? „Point Break“ von 2015 gibt sich als Remake des  „Point Break“-Klassikers von 1991, den Kathryn Bigelow einst mit Patrick Swayze (Gang-Häuptling) und Keanu Reeves (FBI-Agent) drehte und der heute als legendär gilt. Dabei ging es damals  „nur“ vor allem ums Surfen und Fallschirmspringen (und Raubüberfälle) und durchaus persönliche Beziehungen. Mit letzteren hat man es jetzt nicht mehr so, und die Extrem-Action wurde, wie geschildert, erheblich ausgeweitet. Die Stunts sind, wie man hört, echt, von den ultimativen Profis in aller Welt durchgeführt. Man hat auch das tatsächlich Gefühl, dass einem der Hauch von „Echtheit“ um die Nase weht, dass da nicht nur (wie so oft) die üblichen Computerkunststücke beschworen werden… Regisseur Ericson Core, der selbst an der Kamera stand, war schwer beschäftigt, die unglaublichsten Perspektiven auszudenken, um das Wahnsinnsgeschehen auf die Leinwand zu bringen.

Worum geht es also? Da ist eine Bande von Extremsportlern, die ohne den höchsten Adrenalinspiegel offenbar nicht leben können: Bodhi und seine Freunde. Nebenbei sind sie hochprofessionell in einem anderen Job unterwegs – Raubüberfälle. Wenn man gleich mit dem Motorrad aus irgendeinem 40. Stock eines Hochhauses sich durch die Glasscheiben rausstürzen kann und einem (selbstverständlich!) nichts passiert, ist man der Polizei um mehr als Nasenlänge voraus. (Keine Frage, dass man nicht aus Gier raubt, sondern die Gaben Robin-Hood-artig verteilt…)

Das FBI ist ziemlich sauer und ziemlich hilflos. Also soll sich Johnny Utah (Luke Bracey, wieder ein gut aussehender Australier mit Hoffnung auf Hollywood-Karriere) bei der Gang einschleichen, offenbar kann er alles, was die auch können (natürlich sind solche Filme mit ihren Vorgaben Kindertheater, aber darüber muss man nicht reden). Boß der Bande ist Bodhi (Édgar Ramírez aus Venezuela, bekannt für seine Darstellung als „Carlos“, wo er allerdings um einiges eindrucksvoller war), und das Love Interest Samsara steht in Gestalt der Australierin Teresa Palmer vor der Kamera, auch ein noch nicht abgenütztes Gesicht. Es fällt auf, dass gerade Filme dieser Art mit No-Names und B-Schauspielern besetzt werden, weil sie ohnedies ihr Geld einspielen. Dass die Spitzenklasse auch entsprechende darstellerische Leistungen liefert, die dann fehlen – ja, das steht auf einem anderen Blatt. Immerhin bietet Ray Winstone, in Nebenrollen eine Klasse für sich, das scharf ziselierte Porträt eines abgebrühten FBI-Führungsoffiziers.

Aber, wie gesagt, der Faktor „Handlung“ rangiert hier ganz weit hinten. Wichtig ist: Man bekommt etwas zu sehen. Und wie man bei allen Suchtmitteln die Dosis immer wieder erhöhen muss, ist auch hier bei der Droge Action-Film noch ein bisschen draufgelegt worden.

Renate Wagner

 

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