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PLANET OTTAKRING

12.08.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover Planet Ottakring

Ab 14. August 2015 in den österreichischen Kinos
PLANET OTTAKRING
Regie: Michael Riebl
Mit: Michael Steinocher, Cornelia Gröschel, Susi Stach, Erika Deutinger, Sandra Cervik, Lukas Resetarits u.a.

„Planet Ottakring“ klingt durchaus bedrohlich, weiß man doch, dass es sich beim 16. Wiener „Hieb“ keinesfalls um einen der gemütlichen Wiener Bezirke handelt. Wer da nicht wohnt und nicht unbedingt hin muss, lässt es sein. Es ist eine reich schattierte Welt für sich, die sich in den unteren sozialen Bereichen aufhält.

Zu Beginn: Theorie und Praxis, BWL hier, (scheinbare) Realität da. Eine deutsche Wirtschaftsuniversität, ein Professor (ein Drehtag für Burgtheater Johann Adam Oest), der die Studenten in ein freiwilliges Praktikum über den Sommer entlässt. Valerie (sehr blond und sehr „lieb“: Cornelia Gröschel), entschließt sich aus nicht wirklich logischen Gründen – aber das Drehbuch braucht sie -, die Ösis aufzusuchen. Wenn sie in Ottakring ein paar soziologisch-ökonomische Studien „in der Tiefe“  betreiben will, kommt sie in diesem Film von Michael Riebl allerdings ins reinste Märchenland.

Da ist der blonde, edle, nur in Grenzen ruppige Held Sammy (Serien-Gucker werden Michael Steinocher aus den „Cop Stories“ erkennen), der als Erbe des lokalen „Paten“ eigentlich nur eines im Sinn hat: den Leuten Gutes zu tun. Sein Opa (es ist übrigens Lukas Resetarits) haust wie „der weise Alte“ in einer Hütte und gibt Ratschläge, wie der Kommunismus doch noch funktionieren könnte, die rührige Oma (Erika Deutinger, noch immer „Mundl“-bekannt) sorgt für leibliches und seelisches Wohl und Wehe, und sogar die Vermieterin, auf die Valerie trifft, ist ein lebensweiser Schatz (Josefstädterin Sandra Cervik).

Aber in jedem Märchen muss es auch eine Hexe geben, und das ist Frau Jahn, die habgierige, gnadenlose Patin des Bezirks, die Kleinkredite vergibt und gnadenlos wieder eintreibt: Susi Stach hat sich zu einem unentbehrlichen Gesicht des österreichischen Films entwickelt, zumindest wenn es gilt, die nicht ganz freundlichen Figuren zu besetzen. Aber auch wenn ihre fiesen Handlanger mit den Klappmessern durch Ottakring cruisen und ganz bedrohlich wirken sollen – sie sind ja doch nur lustig: eine „romantische Sozialkomödie“ nennt der Regisseur seinen Film. Und verwendet viel Zeit darauf, das Liebes-Gekrabbel seiner Hauptfiguren zwischen Zuneigung und Missverständnis althergebracht aufzubereiten. Und nebenbei gibt’s noch Gutmenschentum.

Tatsächlich könnte man Ottakring und seine Probleme nicht weicher spülen, als es hier geschieht. Schließlich prunkt das Drehbuch sogar mit einem sozialen Experiment, das es einmal (als „Wunder von Wörgl“ 1932) schon gab – man druckt sein eigenes Geld, wirft eine Wirtschaft im überschaubaren Rahmen eines Biotops an, alle Menschen sind lieb und gut, und die Bösen verjagt man.

So kann’s gehen im Kino. Aber „Planet Ottakring“ sollte man dergleichen nicht nennen – denn genau das ist es nicht.

Renate Wagner

 

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