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PICKNICK MIT BÄREN

14.10.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPoster Picknick mit Bären~1

Ab 16. Oktober 2015 in den österreichischen Kinos
PICKNICK MIT BÄREN
Walk in the Woods / USA / 2015
Regie: Ken Kwapis
Mit: Robert Redford, Nick Nolte, Emma Thompson, Mary Steenburgen u.a.

Der Appalachian Trail: Man erfährt die Details – 2118 Meilen durch 14 US-Bundesstaaten, Wegzeit der Durchquerung etwa fünf Monate, sicher fünf Millionen Schritte. Die meisten scheitern schon nach den ersten Tagen.

Der amerikanische Reisejournalist Bill Bryson hat diesen “Walk in the Woods: Rediscovering America on the Appalachian Trail“ unternommen und 1997 in Buchform geschildert. Er war damals allerdings mit Sicherheit jünger als Robert Redford, der sich nun den 80 nähert und die Verfilmung mit sich in der Rolle von Bryson unternahm. Es muss ein besonderes Buch sein, denn es ist ein besonderer Film geworden. Natürlich auch einer übers Altsein (und was man dagegen tut) – Redford und Partner Nick Nolte (zwar ein paar Jahre jünger, aber in der Physiognomie weit zerstörter) führen es vor.

Wunderbarer Humor durchzieht diesen Film, von Anfang an, wenn Redford den Autor gibt, der nach Jahrzehnten im Ausland mit seiner englischen Frau (kann man sie herrlicher besetzen als mit Emma Thompson?) nun wieder in Amerika lebt. Das dumme und präpotente Interview, das man im Fernsehen mit ihm führt, macht ihm nur eines klar: Die Welt hat er gesehen, von der Heimat weiß er zu wenig. Der Appalachian Trail, dieser legendäre Wanderweg, liegt quasi vor seiner Nase. Ihn im doch schon hohen Alter bewältigen zu wollen, grenzt an Selbstmord. Aber, wie das schon so ist (und wie nur Menschen begreifen, die selbst so fühlen) – es gibt Dinge, die man einfach tun muss.

Detailreich wird es ausgemalt: die verbalen Kämpfe mit seiner Frau, die Internet-Recherchen, die Horrormeldungen über die am Trail erlittenen Unfälle und Todesfälle, die Suche nach einem Partner, bis der unerwünschteste von allen – ein alter Säufer, den er seit 40 Jahren nicht gesehen hat und den er damals nicht mochte – sich als einziger anbietet, der Kauf der Ausrüstung, schließlich der Aufbruch.

Die Anstrengung des Wanderns, die Schönheit der Natur, die Wettereinbrüche, die manchmal seltsamen Figuren, die sich einem da an die Fersen heften (und vor denen man drollig fliehen muss), die Stationen in den Raststätten und Hütten, die Gespräche der Männer, die sich besser kennen lernen (von Redford mit herrlicher Zurückhaltung, von Nolte mit einiger Suada gespielt).

Schließlich kommt der im deutsche Titel präsente Braunbär, dem man eigentlich lieber nicht begegnen würde, der eines Tages doch nächtlich kommt, die Unfälle (ob im Wasser, ob im Schlamm), die Fast-Katastrophe eines Absturzes – man landet auf einem Plateau, tief unten das Wasser, hoch oben die Straße, beides nicht erreichbar. Glücklicherweise wandern sehr viele auf dem Trail, Rettung naht…

Dass die beiden Männer dann nach drei Monaten doch aufgeben, ohne den ganzen Trail geschafft zu haben, ist keine Niederlage. Auch das wirkt wie ein Sieg. Aber ein stiller.

Die Geschichte ist weltweise, aber nicht pathetisch, humorvoll, ohne das Lachen primitiv einzusetzen, und einfach schön, nicht nur, wenn es um die Landschaft geht. Liebevoll, aber nicht romantisierend und nicht beschönigend erzählt von Regisseur Ken Kwapis, herrlich gespielt. So etwas sieht man nicht alle Tage.

Renate Wagner

 

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