Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

PHANTASTISCHE TIERWESEN 2: GRINDELWALDS VERBRECHEN

14.11.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 16. November 2018
PHANTASTISCHE TIERWESEN 2: GRINDELWALDS VERBRECHEN
GB, USA / 2018
Regie:  David Yates
Mit: Eddie Redmayne, Johnny Depp, Jude Law, Katherine Waterston, Alison Sudol u.a.

Wenn man wie Joanne K. Rowling gut zehn Jahre lang an acht Harry Potter-Romanen geschrieben hat, reicht es offenbar nicht, durch Bücher und Filme Milliardärin geworden zu sein. Schreiben kann auch süchtig machen. Und dass sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith mittlerweile schon vier „Erwachsenen“-Romane um den Detektiv Cormoran Strike geschrieben hat, ist ihr offenbar auch nicht genug.

2016 gab es das erste Kino-Spin-Off der Potter-Welt, nur noch viel mehr Fantasy als im Original, mit „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Das Ganze ist bereits auf fünf Filme angelegt, und nun haben wir den zweiten im Kino: „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“. Nicht alle Darsteller des ersten Teils sind wieder an Bord, Colin Farrell beispielsweise fehlt, und auch der einstige Hauptheld Newt Scamander in Gestalt von Eddie Redmayne steht nicht mehr dermaßen im Mittelpunkt – aber was soll’s: Der Inhalt wirbelt ohnedies ziemlich undurchschaubar gut zweieinviertel Stunden herum, aber die Machart des Films von Regisseur David Yates ist bestrickend genug, dass man immer bei der Sache bleibt…

Und was ist Sache? Sie läuft lange so verwirrend, dass die Autorin am Ende zu dem Agatha-Christie-Effekt greift, alle Figuren an einem Ort zu versammeln und die Geschichte und ihre Hintergründe quasi im Zeitraffer zu erzählen: Wenn man das eine oder andere nicht gleich kapiert hat, dann weiß man es letztendlich… Jedenfalls sieht man  zu Beginn den „bösen“ Gellert Grindelwald (ein weißblonder Johnny Depp mit Bürstenhaarschnitt, als ältlicher Punk fast nicht zu erkennen) dabei zu, wie er aus der Gefangenschaft entflieht (aus der Kutsche, direkt nach Paris…). Jetzt kann das Böse wieder walten. Später taucht dann kurz (eigentlich viel zu kurz), aber eindrucksvoll Jude Law als jener Albus Dumbledore auf, der Grindelwald bekämpfen könnte, es aber aus Sentimentalität für die alte Freundschaft nicht tut… Da ist man übrigens für kurze Zeit wieder in Hogwarts.

Wenn das Geschehen sich einigermaßen auf dem Boden der Realität befindet, spielt es zwischen den USA und Europa in den späten zwanziger Jahren. Und Newt Scamander (Eddie Redmayne mit der rothaarigen Schmolle, die ihm so tief in die Stirne fällt) ist wieder einmal beim Bekämpfen des Bösen und hat possierliche, seltsame Tierchen im Koffer… Er fährt erst einmal nach Paris. Wieder dabei die Freunde des ersten Teils, der arme Muggel (die haben ja bekanntlich gar keine magischen Fähigkeiten!) Jacob Kowalski (der komisch-dicke Dan Folger) und dessen rothaarige Freundin Queenie (Alison Sudol), die diesmal nicht so komisch ist wie im ersten Teil, sondern eher dämonisch.

Sie treffen auf den geheimnisvollen Credence (Ezra Miller), der davon besessen ist, seine Herkunft zu erfahren und immer wichtiger wird… In Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat er eine faszinierend schöne Begleiterin, die sich allerdings gelegentlich in einer Riesenschlange verwandelt. Damit es für Newt ein Love Interest gibt, erscheint wieder Tina Goldstein (Katherine Waterston), und mit diesem Personal muss jetzt eine immer turbulente Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart gesponnen werden. Dazu gibt es Tierwesen von beträchtlicher Phantasie und eine verwirrende Welt der Magie und gegen einander arbeitenden Magier, die wohl nur „Fachleute“ durchschauen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich in Fantasy-Welten einzuarbeiten. Aber muss man das wirklich?

Das Ende übrigens bietet am Pariser Friedhof Père Lachaise einen so faszinierenden „Feuerzauber“, dass jede „Walküre“-Inszenierung nur vor Neid erblassen könnte. Das ist die Krönung jeder Menge von immer wieder  erstaunlichen szenischen Effekten, die so gut gemacht sind, dass man die Schnittstellen zwischen Realität und Computer nicht merkt, sondern sich voll in die Wunderwelt der Fantasy einlässt. Wer braucht da schon Geschichten bis ins Detail zu verstehen? So wichtig ist das Ganze auch wieder nicht.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken