PESARO/Rossini Opera Festival (Teatro Rossini): LA GAZZETTA von Gioacchino Rossini
am 10.8.2022 (Premiere)

Nur Großbuchstaben? Copyright: Rossini-Festival Pesaro
Nach der Eröffungspremiere mit dem „Comte Ory“, der zumindestens dem Unterzeichneten über die Massen gut gefallen hat, stand als zweite Produktion des heurigen Rossini Opera Festivals in Pesaro die opera buffa „LA GAZZETTA“ auf dem Programm – als Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahr 2015. Und von nun an gings- wie sang schon Hildegard Knef ? – b e r g a b…
Zum Einen liegt das an dem Werkchen, selbst, das – obwohl es eine originelle Grundidee aufweist (ein reichgewordener Proll sucht per Zeitungsinserat einen idealen Gatten für seine Tochter) und viele großartige Musiknummern (die teilweise aus „La Pietra del Paragone“, „Il turco in Italia“ und „La Cenerentola“ stammen) – irgendwie nicht richtig abheben will. Denn die ziemlich einfach gestrickte Ausgangsverwechslung wäre eigentlich binnen fünf Minuten zu lösen, wird aber dann durch immer unglaubwürdigere Verkleidungsschmähs (schlimmer noch als im „ Barbier von Sevilla“) unnötigerweise endlos in die Länge gezogen…

Zwei Paare und ein Vater. Copyright: Rossini-Festival Pesaro
Hauptsächlich lag es aber doch an der „Regie“ von Marco Carniti, dass man keinen angenehmen Abend erlebte. In Interviews vor der Premiere behauptete Carniti zwar – in kaum verhüllter Polemik gegen Hugo de Anas „Comte“ – dass e r auf Werktreue, Minimalismus und psychologische Personenführung Wert läge und es ihm nur um die Musik und die Stimmen ginge. Das ist aber natürlich völliger Humbug. Seine Einfälle (die Duellanten trainieren an Balletstangen, ein mit Rüschchenstoff überzogener laaaanger abstrakter Rezeptionstisch, riesige weiße Großbuchstaben als Bühnenbildersatz, ein Chinese statt eines Quäkers, ein sich einen Wolf aboutrierender stummer neapolitanischer Komiker etc.) sind nicht weniger „aufgesetzt“ und werkunimmanenter als die de Anas – nur halt ein Hundertstel oder Tausendsendstel so einfallsreich…Und die Personen in den grässlichen Kostümen von Maria Filippi sind bloße Popanze.
Carlo Rizzi dirigiert zwar brillant, aber die Sänger sind bis auf Giorgio Caoduro (Filippo) nur guter Durchschnitt. Carlo Lepore als Don Pomponio ist etwas zu monoton und selbstherrlich und Maria Grazia Schiavo als Lisetta erfüllt gerade noch ihr Rollenklischee.
Aufgewärmte Suppen schmecken (wie man heuer auch in Salzburg gesehen hat) nicht besser, wenn ihnen von Anfang an die richtigen Zutaten gefehlt haben. Schade…
Robert Quitta, Pesaro

