Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

PERCHTOLDSDORF/Neuer Burgsaal: / „Teatro Barocco“: LA CORONA von Chr. Willibald Gluck und PHILON UND THEONE von Anton Benda. Premiere

13.08.2021 | Oper in Österreich

Teatro Barocco in Perchtoldsdorf: „La Corona“ von Christoph Willibald Gluck und “Philon und Theone” von Georg Anton Benda (Premiere: 12. 8. 2021)

download (1)
Göttin Diana als Jägerin mit Elena Sverdiolaité in der Rolle des Meleagro (Foto: Barbara Pálffy)

Das Teatro Barocco feierte am 12. August 2021 seine zehnte Saison mit einem sehr außergewöhnlichen Opernabend in Perchtoldsdorf.  Auf dem Programm standen wieder zwei Meisterwerke der Operngeschichte: die Opernrarität „La Corona“ von Christoph Willibald Gluck sowie die Uraufführung des Melodrams „Philon und Theone“ von Georg Anton Benda. Bei der Begrüßung des Publikums im Neuen Burgsaal von Perchtoldsdorf wies Bernd Roger Bienert, der Gründer und Intendant von Teatro Barocco, auf die „verblüffende Koinzidenz beider Werke zur heutigen Corona-Pandemie“ hin.

56bie
Intendant Bernd Roger Bienert (Foto: Teatro Barocco)

Vor der Premiere begrüßte der Intendant Bernd Roger Bienert Marlene Zeidler-Beck als Stellvertreterin von Landeshauptfrau Mag.a Johanna Mikl-Leitner und die Kulturreferentin der Stadt Johanna Mayerhofer. Beide Damen wünschten in ihren Antworten den Opernabenden in Perchtoldsdorf viel Erfolg und dem Publikum ein musikalisches Vergnügen. Ehe die Vorstellung ihren Anfang nahm, begrüßte der Intendant noch einige Ehrengäste.

Die im August 1765 komponierte Oper „La Corona“ war von Kaiserin Maria Theresia bei Gluck als Geschenk zum Namenstag des Kaisers Franz Stephan von Lothringen in Auftrag gegeben worden, doch musste die Uraufführung wegen des plötzlichen Ablebens des Kaisers am 18. August 1765 in Innsbruck abgesagt werden.

Die Oper „La Corona“ von Christoph Willibald Gluck, deren Libretto Pietro Metastasio verfasste, handelt von der Jagd auf ein extrem gefährliches Wildschwein, das in den Wäldern Kalydoniens große Verwüstungen verursachte und deshalb in einer von Meleagro veranstalteten Jagd getötet werden soll. Atalanta will an dieser Jagd teilnehmen, wird aber von ihrer Schwester Climene zurückgehalten. Auch Asteria, der Schwester Meleagros, wird  von der Jagd abgeraten, da sie noch zu jung ist. Obwohl Meleagro die Frauen bittet, nicht an der Jagd teilzunehmen, bestehen sie darauf. Nach etlichen Streitigkeiten begeben sich Asteria und Atalanta in den Wald. Der Eber wird getötet, Atalanta aber lehnt den Siegeslorbeer ab, neuer Streit entsteht. Schließlich nimmt Atalanta den Lorbeerkranz von Meleagro entgegen, um ihn dem Kaiser, ihrem Vater, zu Füßen zu legen.

Brillant sang das Sängerquartett, das nach jeder Arie vom begeisterten Publikum mit langem Szenenapplaus bedacht wurde. Voran die argentinische Sopranistin Ayelén Paula Mose in der Rolle der Atalanta. Sie begeisterte durch ihre dramatische und höhensichere Stimme, die alle Schwierigkeiten ihrer Arien bravourös meisterte. Auch schauspielerisch konnte sie überzeugen. Ihr ebenbürtig war die junge litauische Sopranistin Elena Sverdiolaité in der Rolle des Meleagro.

Genauso überzeugend agierten die britische Mezzosopranistin Rosamond Thomas als Meleagros Schwester Asteria und die litauische Sopranistin Indré Pelakauskaité in der Rolle der Climene. Auch sie waren stimmlich wie darstellerisch Sonderklasse. Eine kleine Statistenrolle hatte der Wiener Tänzer Andreas Pernt.

TEATRO BAROCCO
Günther Strahlegger als  Philon (Foto: Bienert)

Nach der Pause kam es zur Welturaufführung des Melodrams „Philon und Theone“ von Georg Anton Benda, die im Jahr 1779 in Wien komponiert, aber nie aufgeführt wurde. Das Schicksal dieses Werks hat also Parallelen zur Gegenwart. Die Partitur des Melodrams aus der Feder des von Wolfgang Amadeus Mozart hochgeschätzten böhmischen Komponisten Jiři Antonin Benda hat in der Österreichischen Nationalbibliothek die Zeiten überdauert. Es ist ein Verdienst von Bernd R. Bienert, des Intendanten vom Teatro Barocco, dass es nun aus der Taufe gehoben wurde.

Die Vorgeschichte zur Handlung der Oper: Theone, die Geliebte Philons, verliert ihr Leben auf einer gemeinsamen Bootsfahrt in den Wellen eines von den Göttern entfesselten Unwetters. Philon überlebt und kann sich retten.

Im Melodram dringt Philon zu den Unfern des Flusses Lethe vor. Vor dem Eingang zum Elysium, dem Reich der Schatten, trauert er um seine Geliebte und bittet die Götter, ihr ins Reich der Schatten folgen zu dürfen. In einem höchst emotionalen Monolog beklagt er den Tod seiner geliebten Weggefährtin. Seine Klagen werden von geisterhaften Chören untermalt, die aus dem Reich der Toten herüberschallen. Als ihm plötzlich seine Geliebte erscheint, fragt  er die Götter, warum sie ihm mit diesem harten Schicksalsschlag bestraft hätten. – Er verfällt in Wahnvorstellungen, die ihm seine Geliebte in Visionen erscheinen lassen. Er wähnt Theone im Elysium und will ihren Rufen dorthin folgen. Als er stirbt, besingt der Chor die beiden Liebenden, die nun miteinander im Schattenreich wieder vereint sind.

Der Tiroler Bariton Günther Strahlegger, altbewährtes Mitglied vom Teatro Barocco, sang  die Rolle des Philon sehr innig und packend. Auch schauspierlisch überzeugte er voll. Die Sopranrolle der Theone gab die in München geborene Kira von Zierotin, gleichfalls eine „Altbekannte“ vom Teatro Barocco. Der Chor bestand aus den vier Sängerinnen der Gluck-Oper, die himmlische Gestalt wurde vom Tänzer Andreas Pernt dargestellt.

Beide Opern wurden von Bernd Roger Bienert inszeniert, der auch das Bühnenbild entwarf und für die Kostüme verantwortlich zeichnete. Man muss ihm zu seiner Leistung gratulieren!

Auch dem Orchester „Ensemble TEATRO BAROCCO“ unter der Leitung von Christoph Ulrich Meier, das auf historischen Instrumenten spielte, ist zu gratulieren. In beiden Opern  gelang es den Musikerinnen und Musikern, alle Feinheiten der Partitur exzellent wiederzugeben.

Das Publikum, das in der ersten Oper alle vier Sängerinnen mit Szenenbeifall belohnte und mit „Bravo“ und „Bravi“-Rufen bedachte, applaudierte am Schluss minutenlang. Man darf jetzt schon auf die nächsten Opernausgrabungen vom Teatro Barocco gespannt sein.

Udo Pacolt

PS:

Bemerkenswert ist, dass Intendant Bienert für die Gluck-Oper „La Corona“ deshalb Perchtoldsdorf gewählt hatte, weil dieser Ort die Sommerresidenz des Komponisten war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Seite drucken