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PARIS/ Théâtre des Champes Élisées : Götterdämmerung- konzertant, 13. September 2026

14.09.2026 | Oper international

Paris: Théâtre des Champes Élisées : Götterdämmerung- konzertant, 13. September 2026

WALTRAUTE ÜBERSTRAHLT ALLES.

champs

KENT NAGANO beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Wagners Ring in einer historisch informierten Version. Man kann nachlesen, was gewollt ist und was anders sein soll. Hören hingegen tut man kaum etwas abseits gängiger Traditionen. Dass die Sänger teilweise mehr sprechen als singen sollen, bekommt nur einigen und manchen Stellen gut. Manchmal wirkt so ein Satz dann extrem manieriert, wenn rund um ihn großflächig gesungen wird. Auch im Orchesterklang hört man nichts neu Klingendes. Alles wird sehr schnell und fast ohne Rubati gespielt- so gerät der Chor der Mannen im ¾ Takt fast zu einem Walzer, ohne Gefährlichkeit auszustrahlen. Der Chor ( Dresdener Festspielchor und Klangverwaltung) macht seine Sache ordentlich, auch wenn starke Opernstimmen darunter Mangel sind.

Überhaupt ist das Dirigat des erfahrenen Dirigenten seltsam beteiligungslos. Nie atmet er mit den Sängern, sucht selten zu ihnen Kontakt. Im Orchester muss und kann er sich auf einen bravourös spielenden Konzertmeister und sehr engagierte Vorspieler verlassen, die Initiative übernehmen. Im zweiten Aufzug kommt dann doch mehr Spannung und Schwung auf, aber man hat nie den Eindruck, dass der Inhalt der Worte, wie im Programmheft so proklamiert, die Musik zu neuen Farben zwingt. Zu abstrakt gerät das Dirigat. Überhaupt muss sich das aus zwei Klangkörpern zusammengestellte Orchester (Dresdner Festspielorchester – die Muggentruppe der Staatskapelle und Concerto Köln) erst finden. Das Blech integriert sich nicht wirklich in den Gesamtklang. Einzelne starke Leistungen gibt es aber auch (Siegfried-Horn, Bassklarinette und die homogenen Streicher).

Überragend in jeder Hinsicht ist ANNIKA SCHLICHT als Waltraute. Sie betritt die Konzertbühne und bannt mit ihrer vollmundig aus der Tiefe entwickelten Stimme und ihrer Ausstrahlung den ganzen Saal. Ihre Interpretation der Brünnhildenschwester ist zwingend und singulär.

Eine freudige und große Überraschung ist der Siegfried von YOUNG WOO KIM. Der Sänger, sonst im italienischen Fach zuhause, hat eine sehr gute Diktion, bildet eine facettenreiche Gestaltung seiner Rolle, und ist dabei stimmlich mit dunklem Tenor absolut integer und unangestrengt.

Die stimmliche Integrität verlässt leider der insgesamt doch enttäuschende Hagen von PATRICK ZIELKE. Zwar formt er den Charakter der zwielichtigen Rolle sehr gut aus, er überzeichnet allerdings, und so findet er fast nie in die Resonanz und vokale Größe, um diese finsterste aller Wagnerrollen auch bedrohlich zu singen.

ASA JÄGER ist eine Brünnhilde, die stimmlich die großen Herausforderungen im Laufe des Abends mehr und mehr souverän bewältigt und der leuchtende hohe Lagen zur Verfügung stehen. Ihre Rollengestaltung könnte zumindest manchmal wechselfarbiger sein. Zu oft ist sie die Leidende, selbst im ersten Duett mit Siegfried will keine Euphorie aufkommen. 

Das Gibichungenpaar ist sehr gut besetzt. SOPHIA BROMMER´s edles Soprantimbre ist tragfähig und sehr gut fokussiert als Gutrune und auch der Gunther von JOHANNES KAMMLER besitzt einen schönen, sicher geführten Bariton, der seine Grenzen nicht übersingt und nobel bleibt. Für DANIEL SCHMUTZHARDs hohen Bariton liegt der Alberich zu tief. Mit stark- getriebener Diktion macht er aber Boden gut.

Die drei Nornen (JASMIN ETMINAN, MARIE LUISE DREßEN und VALENTINA FARKAS) und die drei Rheintöchter ( ANJA VERGRY, IDA ALDRIAN und EVA VOGEL) bewegen sich auf solidem, sicheren Niveau.

Es ist eine vom Publikum dankbar gefeierte Aufführung der Götterdämmerung. Das Magische, oder gar Revolutionäre will allerdings nicht aufkommen. Da fehlt es im Zentrum an Energie.

 

Christian Konz

 

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