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PARIS/ Opéra Bastille: LE BARBIER DE SEVILLE. Premiere der Wiederaufnahme

02.06.2022 | Oper international

 Figaro qua, Figaro là,
Figaro su, Figaro giù.

 LE BARBIER DE SEVILLE

Premiere der Wiederaufnahme am 30.Mai 2022
Opéra   Bastille Paris

Der Barbier von Sevilla - Pariser National Opernhaus (2020) (Produktion -  Paris, frankreich) | Opera Online - Die Website für Opernliebhaber

Diese Woche gehört musikalisch Rossini und seinem  Figaro   ! Gleich zwei Mal steht  Sevilla  auf einer besonders  großen Bühne, 30 Meter breit  in der Opéra Bastille in Paris  und  100 Meter  im Festspielhaus Salzburg;  aber  mit einem gleich  breiten  30 Meter – Bühnenportal, Tiefe jeweils 25 Meter . Dort inszeniert Rolando Villazon unter dem Dirigenten Gianluca Capuano und ringt  Cecilia Bartoli nach ihrem Rollendebüt  mit 20 Jahren wieder als Rosina um den Mann ihrer Träume. Alle drei haben die überaus erfolgreiche Regiearbeit  ihres Kollegen Damiano Michieletto  im Bühnenbild seines langjährigen Kollegen Paolo Fantin sicher schon gesehen oder zumindest von ihr gehört. Diese  Premiere war am 24.Jänner 2018, dann stand sie 2020 wieder auf dem Programm und heuer im  Juni noch sechs  Mal. Rossini-Fans müssen zwar weit reisen , aber  nicht bis Pesaro warten , um vergleichen zu können. In Paris sind alle Vorstellungen gut gebucht,  die beiden Opernabende der diesjährigen Pfingstfestspiele sind fast ausverkauft. Ein GOOD FEELING- Musikevent findet vor allem in Zeiten wie diesen interessiertes und zahlungskräftiges Publikum.

Für den in Deutschland geborenen Alexander Neef, seit September 2020 früher als erwartet Direktor in Paris, ist es nach Parsifal die nächste Wiederaufnahme aus der Intendanz seines Vorgängers Stéphane Lissner . Nach zwei Monaten Streik und dem Ausbruch der Pandemie stand dieser vor einem finanziellen Desaster,  45% der Abonnenten verloren, ein Drittel aller Sponsoren und mit 220/ 240 Euro Eintrittspreise für die  besten Plätze  in dieser Situation zu hoch . Heute scheint die Lage ruhig, die Tickets  kosten höchstens  190 bis maximal 209 Euro, die billigsten 15 Euro. Täglich sollten 2.745 Plätze verkauft werden.

Das Salzburger Festspielhaus fasst mit 2179 hoffentlich zahlenden Gäste 600 weniger, die teuersten Opernkarten kosten kommendes Wochenende unglaubliche 596 Euro, die preiswerten immer noch 138 Euro.

Was  viel Geld ist, da dem Publikum dafür das noch junge Orchester Les Musiciens du Prince geboten wird, das in der Oper Monte- Carlo auf den teuersten Plätzen um 170 Euro zu hören ist. Die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele Cecilia Bartoli  ist dort ab Jänner 2023 die neue Intendantin.  Die „Hofkapelle“ des Fürsten startet in Salzburg zugleich  eine Reise  durch die Schweiz bis an die Wiener Staatsoper mit La Cenerentola , Il Turco in Italia und einer Rossini- Gala . Die ist ausverkauft.

 

Salzburgs neue Produktion  wird mit Spannung erwartet . Die Latte liegt   hoch,  dem Venezianer Michielleletto ist eine fulminante Inszenierung gelungen, vor allem mit Unterstützung seines   kongenialen Gestalters Fantin. Er baute  eine südspanische Straße mit einem  mehrstöckigen  Bürgerhaus , dessen Fronten dank Drehbühne ohne Knarren  rasch wechseln und  die Zuschauer mit  intimen und amüsanten Einblicken in die Zimmerfluchten , vom Geschäftslokal bis zum Badezimmer erfreuen und dazu das private Treiben der Bewohnerinnen. Nicht durchs Schlüsselloch müssen die Intrigen, Verwirrungen, Täuschungen verfolgt werden, mit denen Andrzej Filonczyk als Figaro die Handlung vorantreibt, alles liegt bzw. steht  ihm offen . Auch seine  internationale Karriere in La Bohéme, Don Pasquale, Le comte Ory und L’Elisir d’amore diesen Sommer  in Orange, , wo er als Belcore wieder mit  René Barbera , hier ein stimmschöner aber nicht vorteilhaft kostümierter  Conte d’Almaviva zusammentrifft . Bei seiner berühmten Auftrittsarie turnt er durch Türen, Gänge, Zimmer, über Treppen fast bis unters Dach und in den Keller. Da das Publikum hier zum ersten Mal die Geheimnisse hinter der Hausfront entdeckt und aus dem Staunen nicht herauskommt, verliert die Gesangsdarbietung unter dem routiniertem Dirigat von Roberto Abbado  etwas an Wirkung.

Aber sonst erfüllen alle großen Melodien die Erwartungen. Dafür sorgt auch der weibliche Star des Abend aus Ufa / Baschkortostan –  die junge Russin Aigul Akhmetshina mit ihrem Parisdebüt als Rosina, von Daily Mail schon als neue Netrebko bezeichnet ! Ihr bleibt als Zentrum für ihre betörenden Stimme meist  der Salon, dessen Balkon  der besorgte Vormund Bartolo , Renato Girolami, gleich zumauern läßt . Dazu als bunter Trost  ihr Refugium für das Liebesduett mit allen Attraktionen, die ein junges Mädchen aus der  Zeit knapp  vor der Verbreitung des Mobiltelefons erfreuen:  Ein breites Bett zum Chillen, Kosmetikkoffer , Spitzenunterwäsche, Wandposters  .  Eine den altersstarren und geldgierigen Vormund verwirrende und den vermeintlichen Studenten, Soldaten und Musiklehrer Lindoro immer mehr bezaubernde Figur, die erst zum Finale  aus dem Gebäude flüchten kann. Dann aber gleich auf den Rücksitz eines chromblitzenden Motorrades, mit dem das Liebespaar buchstäblich  davon braust.

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Schlussapplaus. Foto: Erwin Messer

Zum lautstarken  und für Pariser Verhältnisse sehr  langen Applaus sind sie wieder alle auf der Bühne.

Ulrike Messer-Krol

 

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