PALMA DE MALLORCA: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Premiere am 18. Februar 2026
Seemannsstory auf der Touristeninsel

Foto: Dr. Klaus Billand
Im Februar legte das Teatre Principal in Palma de Mallorca, wo in der Regel kein Wagner gegeben wird, in seiner 40. Temporada der Oper eine Stagione-Serie des „Fliegenden Holländer“ in der Regie des Argentiniers Marcelo Lombardero auf. Er war selbst einmal Sänger, brachte diese schöne Inszenierung Ende 2024 am Teatro Municipal von Santiago de Chile zur Premiere und ist nun Generaldirektor des Teatro de Bellas Artes in Mexiko City. Etwas kurioserweise konnte er an diesem Premierenabend nicht in Palma sein, da gleichzeitig eine Zweitversion der Inszenierung in Bogotá herauskam.
Die Inszenierung dieses „Fliegenden Holländer“ von Lombardero ist ein Seemannsstück im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Guss. Es führt unmittelbar in die harte Welt dieser wettergeplagten Menschen ein. Kurz sieht man im Vorspiel, wie Daland sich brutal seiner Frau gegenüber verhält, was die noch kleine Senta erschrocken mitbekommt. So fasst sie offenbar den Entschluss, so bald wie möglich aus diesem Milieu der männlichen Dominanz und Frauenfeindlichkeit zu entkommen. Sie sieht bei ihrer Mutter das Bild des fliegenden Holländer und klammert sich fortan an die Vorstellung, den traurigen Mann von seinem Schicksal zu befreien – eine persönliche Sendung, geboren auch aus ihrer speziellen Situation. So steht Senta im Zentrum der Inszenierung. Für die zur Seemanns-Ästhetik bestens passenden Kostüme zeichneten Luciana Gutman und für das ebenfalls stimmungsvoll abgestimmte und meist in Dunkeltönen changierende Licht José Luis Fioruccio verantwortlich.
Das Bühnenbild und die Videos von Noelia González Svoboda stellt die Unbilden der stürmischen See in den Mittelpunkt, auf der schemenhaft der übergroße Bug des Holländerschiffes vor dem kleinen Boot Dalands erscheint und sich eine intensive Verhandlung zwischen beiden um ihre jeweiligen Interessen ergibt. Im 2. Akt sehen wir eine klassische Spinnerinnenstube mit einer aufsichtsbesessenen Mary und im 3. Akt ein mitreißendes Finale, in dem sich Senta in die Fluten stürzt. Man kann die finale Verbindung zwischen beiden nachvollziehen, die sich symbolisch in den Tiefen des Meeres noch einmal kurz berühren. Das war in der Tat berührend, von allem bei der dazu erklingenden Musik Richard Wagners!
George Gagnidze war ein durchschlagskräftiger Holländer mit einem sehr schönen Bassbariton, charaktervoll, wenn auch nicht ganz so groß, wie er für diese Rolle sein könnte. Er brachte auch darstellerisch, etwas zurückgenommen, eine gute Leistung. Vazgen Gazaryan war wie in Santiago de Chile wieder ein sehr guter bodenständiger Daland, akzentuiert und wortdeutlich. Iwona Sobotka gab eine kraftvolle Senta mit guten Spitzentönen, schöner Linie in der Mittellage und einem etwas abgedunkelten Sopran. Der Erik von Alejandro Roy blieb stimmlich enttäuschend und nahm zu einsilbiger übersteigerter Lautentwicklung Zuflucht, bei ebenfalls bemühter Darstellung. Anna María Ibarra gab eine sehr gute prägnante Mary. Joan Laínez sang den Steuermann mit einigen schönen tenoralen Klängen. Zoé Fischer spielte die stumme Rolle der kleinen Senta.

Foio: Dr. Klaus Billand
Das Publikum hat es sehr genossen. Es war eine runde Sache, völlig problemlos von vorn bis hinten durchgespielt, also ohne Pause. Es gelang ein überzeugender musikalischer Wurf auch des Gast-Dirigenten Guillermo García-Calvo mit dem sehr gut eingestellten Orquestra Simfònica Illes Balears (Symphonisches Orchester der Balearen) und einem etwas plastischen Klangbild. Der von Francesc Bonnin einstudierte Cor del Teatre Principal war eine der musikalischen Säulen des Abends.
Insgesamt ein erfreulicher Wagner-Abend auf den schönen Balearen, die auch auf diese Weise belegten, dass es noch etwas anderes gibt als das bekannte Klischee aus dem deutschen Touristen-Milieu.
Klaus Billand

