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PALERMO/Teatro Biondo : LAMPEDUSA WAY von Lina Prosa

05.02.2016 | Theater

PALERMO/Teatro Biondo : LAMPEDUSA WAY von Lina Prosa am 3.2.2016

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Lampedusa Beach. Copyright: Teatro Biondo /Palermo

 Lampedusa, die kleine, schöne Insel zwischen Sizilien und Tunesien, hat es seit der Jahrtausendwende zu trauriger Berühmtheit gebracht – als das erste Ziel der mittlerweile auch auf Zentraleuropa übergeschwappten Flüchtlingswelle.

Das Teatro Biondo in Palermo versucht unter seinem neuen Intendanten Roberto Alejmo sich verstärkt lokalen Sujets und Künstlern zu widmen, und da lag das Thema Lampedusa natürlich nahe.

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Lampedusa Snow. Copyright: Teatro Biondo /Palermo 

Vor drei Jahren hat man damit begonnen, den ersten Teil einer Trilogie des Schiffbruchs der sizilianischen Autorin und Regisseuse Lina Prosa (was für ein wundervoller Name!) aufzuführen: Lampedusa Beach. Darauf folgte Lampedusa Snow. Und mit Lampedusa Way wurde das ambitionierte Unterfangen jetzt erfolgreich abgeschlossen.

In Beach erzählte Prosa – in überhöhter poetischer Form – die Geschichte der Nordafrikanerin Sheuba, die auf der Flucht so wie viele andere vor und nach ihr im Mittelmeer ertrunken ist. In Snow stirbt ihr überlebender Freund Mohamed den Erfrierungstod, weil er in ein Flüchtlingslager in den Dolomiten verfrachtet worden war.

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Lampedusa Way. Teatro Biondo /Palermo 

In Way wiederum machen sich nunmehr deren Eltern auf den Weg nach Lampedusa, um – natürlich vergebens – nach ihren verschollenen Kindern zu suchen. Und bleiben schlussendlich dort…

Das Stück hat starke Momente, leidet aber letztlich fatal an seiner Unentschlossenheit zwischen Realismus und Abstraktion.

Gerettet wird der Abend durch die Bravour der beiden Hauptdarsteller: Maddalena Crippa und Graziano Piazza. Wie es ihnen durch ihr beseeltes und präzises Spiel gelingt, das ab und zu doch sehr laute Papierrascheln des Textes immer leiser werden zu lassen, ist absolut sehenswert(Lampedusa Way wird dieses Jahr auch am Piccolo Teatro di Milano zu sehen sein).

Ansonsten würde man sich wünschen, dass der Grund für derlei Stücke in naher Zukunft nicht mehr gegeben sein möge – wonach es derzeit, wie wir alle wissen, aber leider gar nicht ausschaut.

 Robert Quitta, Palermo

 

 

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