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OPERATION: 12 STRONG

07.03.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 9. März 2018
OPERATION: 12 STRONG
12 Strong (bzw. Horse Soldiers) / USA / 2018
Regie: Nicolai Fuglsig
Mit: Chris Hemsworth, Michael Shannon, Michael Peña u.a.

Die eigene Geschichte muss verarbeitet werden, also fange man besser früh damit an. Außerdem ist vielleicht nicht halb Amerika mehr Trump-Amerika, aber Präsident ist er noch immer, Anhänger hat er noch immer – und offenbar werden auch für diese Filme gemacht. Von heldenhaften amerikanischen Soldaten, die im bergigen, staubigen Afghanistan nach 9/11 auf Pferde steigen müssen, um dort einen Kriegseinsatz mit sozusagen „diplomatischer Mission“ zu leisten.

Immerhin: Das Drehbuch kann sich darauf berufen, dass es die 12 harten Männer wirklich gegeben hat, dass es eine wahre Geschichte ist, wenn man auch bezweifelt, dass der Anführer so gut ausgesehen hat wie Chris Hemsworth. Der kann ja nun auch nicht immer nur „Thor“ spielen, also kommt ihm ein Kriegsfilm, wo man auf dem Rücken eines Pferdes gute Figur machen kann, vielleicht ganz recht. Und seinen männlichen Fans wohl auch.

Dass es nach 9/11 Krieg geben würde, war den Amerikanern  klar, aber irgendwie musste man das ja auch in die Wege leiten – die Warlords in Afghanistan warteten ja nicht per Skype darauf, kontaktiert und gefragt zu werden, ob sie mitmachen wollten. Das musste schon mit lebenden Menschen unternommen werden, in diesem Fall einer Freiwilligen-Einheit von zwölf Soldaten, die Ersten, die ausgeschickt werden, um nach dem Anschlag auf Amerika „zurückzuschlagen“. Dafür verlassen sie auch ohne Sentimentalität ihre Familien. Man nennt das Patriotismus.

In einer Welt wie dem Hindukusch ist man am Boden trotz Hochtechnologie nicht unbedingt der stärkere: Die Afghanen waren mit ihrer Kenntnis des Terrains und durch die Beweglichkeit ihrer Reiter allemale noch die Überlegenen. Übrigens hat die sperrige Landschaft durchaus ihren Reiz – bloß wurde (no na) nicht in Afghanistan gedreht, sondern man fand im Süden der USA die glaubhafte Natur für den Hintergrund des Films.

Dass das letztendlich eine Heldenstory wird, verrät schon der Titel des Buches von Doug Stanton, nach dem der Film gedreht wurde: „Horse Soldiers: The Extraordinary Story of a Band of US Soldiers Who Rode to Victory in Afghanistan“. Chris Hemsworth ist (schon ein kleines bisschen auf den Spuren von John Wayne) jener Captain Mitch Nelsen, der die Männer tatsächlich durch die „Wildnis“ der Berge führte, auf der Suche nach Verbündeten bei der afghanischen Nordallianz, die als Taliban-Feinde galten. Logisch, dass die Amerikaner, die sich in Cowboy-Tradition (aber doch nicht ganz so elegant) auf die Pferde schwangen, weil ihre Autos in diesem Gelände nicht viel wert sind (nur dass sie statt einfachen Pistolen nun Maschinengewehre schwenken), auch feindlichen Taliban begegneten – Kriegsfilme wollen Kampfszenen, wenn nur Drohnen aus der Luft Ziele abschießen wie im Computerspiel, fehlt gewissermaßen der menschliche Faktor. Der ist hier gegeben, brutale Kampf-Action entspricht der Erwartung eines Kriegsfilm-Publikums.

Wobei der wahrscheinlich interessanteste Teil des Films doch darin besteht, wie – misstrauisch natürlich – die Amerikaner und die „verbündeten“ Einheimischen miteinander umgehen, ein Clash of Cultures, der keinesfalls locker zu überwinden ist, schon wegen der Sprache und einfach durch die verschiedenen Mentalitäten. Im Grunde wäre es interessant gewesen, mehr von dem afghanischen General (Navid Negahban) und seinen Leuten zu sehen – und vor allem mehr aus ihrem Lager zu erfahren.

Aber dem Dänen Nicolai Fuglsig, dem man die Regie anvertraute, war völlig klar war, dass er eine amerikanische Heldengeschichte zu erzählen hat – mit dem ewigen dramaturgischen Problem, dass man bei 12 Männern (im Grunde alle prachtvolle Kerle, wie auch anders) nur wenige wirklich in den Vordergrund stellen kann. Wahrscheinlich nimmt man Michael Shannon (dessen Rolle nicht übergroß ist) und Michael Peña vor allem deshalb wahr, weil man ihre Gesichter aus anderen Filmen kennt…Wackere Verteidiger einer verletzten amerikanischen Ehre sind sie jedenfalls alle – Trump wird den Film mögen. Auch dass für mögliche Reflexionen über die Situation, in der man sich befindet, nicht so furchtbar viel Platz bleibt, versteht sich angesichts des Publikums, das man anpeilt. Aber immerhin – es war ja alles so, wie es hier geschildert wird, oder?

Renate Wagner

 

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