Liederabend Regula Mühlemann • Opernhaus Zürich • 01.02.2023
Lieder der Heimat
Nach ihrem von Presse und Publikum gefeierten Rollendebüt als Gilda (am Theater Basel) gibt Regula Mühlemann einen Liederabend am Opernhaus Zürich. Sie präsentiert, begleitet am Klavier von Tatiana Korsunskaya, auf der Klarinette von Rita Karin Meier und auf dem Naturhorn Konstantin Timokhine, ihre CD «Klänge der Heimat» (einziger Unterschied zur CD ist die Mitwirkung von Rita Karin Meier von der Philharmonia Zürich).

Foto © Mischa Christen
Die Sängerin moderiert den Abend erfrischenderweise, und vor allem gekonnt, gleich selbst und plaudert auch etwas aus dem Nähkästchen. Mit ihrer mädchenhafte Attitüde hat sie das Publikum natürlich gleich auf ihrer Seite.
Auch unter dem Titel «Lieder der Heimat» stammen einige Titel vom Meister der Liedgattung, Franz Schubert (1797-1828), sind also eher Lieder über die Heimat, zumal im französischen und italienischen Sprachraum nicht so genau zwischen Schweiz und Tirol unterschieden wurde. So wie andernorts heutzutage nicht zwischen der Schweiz und Schweden unterschieden werden kann.
Der erste Teil enthält neben Liedern von Franz Schubert (Im Frühling D 882, Der Knabe D 692; Auf dem Strom D 943), Werke von Wilhelm Baumgartner (1820-1867) (Noch sind die Tage der Rosen („4 Lieder“ op. 24 Nr. 1); Du bist wie eine Blume („Sechs kleine Lieder“ op. 10 Nr. 1); Ein Stündlein wohl vor Tag („Sechs kleine Lieder“ op. 10 Nr. 5), An den Abendstern („Grüsse aus den Bergen“ op. 19 Nr. 2); Wenn die Sonne lieblich schiene („Sechs kleine Lieder“ op. 4 Nr. 5)), Othmar Schoeck (1886-1957) (In der Fremde („Sechs Lieder“ op. 15 Nr. 4)), Richard Flury (1896-1967) (Wandern mit Dir („29 Lieder“ Nr. 4)), Emil Frey (1889-1946) (Junges Mädchen in den Bergen („Vier Lieder“ op. 49 Nr. 1)), Richard Langer (1907-1967) (Edelwyss („Fünf Lieder in Schweizermundart“ op. 31)) und Friedrich Niggli (1875-1959) (Plange („Schwyzer Liedli“ op. 10 Nr. 1)). Tatiana Korsunskaya gibt als Klaviersolo «Au lac de Wallenstadt» (« Années de Pèlerinage: Première année – Suisse » Nr. 2) von Franz Liszt (1811-1886).
Der zweite Teil des Abends beginnt mit der Inszenierung von Das alte Guggisberg-Lied (Anonymus). Aus dem Schwarz des völlig dunklen Zuschauerraums (Liederabende finden in Zürich vor dem Eisernen statt) taucht die Solistin auf, singt und verschwindet wieder darin. Hinter dem Eisernen begleitet sie Konstantin Timokhine auf dem Alphorn. Weiter geht es mit Liedern von Marguerite Roesgen-Champion (1894-1976; Cette étoile perdue und Une jeune fille parle (« Poétique du ciel » Nr. 1)) aus dem französischen Sprachraum. Das Rätoromanische ist mit Prümavaira und Dorma («Duos chanzuns rumantschas » op. 19) von Walther Geiser (1897-1993). Da das Tessin für das 19. Jahrhundert keine eigentliche Kunstlied-Tradition besitzt, müssen Schubert (La pastorella al prato (D 528)) und Rossini aushelfen (La pastorella dell’Alpi (« Soirées musicales » Nr. 6)). Von Rita Karin Meier virtuos auf der Klarinette begleitet, ist Schuberts Der Hirt auf dem Felsen (D 965) der Schlusspunkt des Abends.
Konzept und Moderation des Liederabends sind absolut überzeugend und bestens durchchoreographiert. Die Stimme ist makellos geführt und absolut höhensicher. Das Problem ist das fehlende Fundament. Dadurch wirkt die Stimme immer eine Spur zu leichtgewichtig und der Klang droht eintönig zu werden.
Dergestalt durchdachte Abende sind die Höhepunkte der Saison.
Liederabende der Saison 2022/2023:
Asmik Grigorian; Lukas Geniušas, Klavier; Mo 13 Mär 2O23, 19.OO.
Aleksandra Kurzak und Roberto Alagna; Marek Ruszczynski, Klavier; Mo 15 Mai 2O23, 19.3O.
Sabine Devieilhe; Mathieu Pordoy, Klavier; Mo 12 Jun 2O23, 19.OO.
03.02.2023, Jan Krobot/Zürich

