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NOVARRA/ Teatro Coccia: VALIGIE D‘OCCASIONE von Joe Schittino/ L’OCCASIONE FA IL LADRO von Gioacchino Rossini

01.11.2022 | Oper international

NOVARA/ TEATRO COCCIA : VALIGIE D‘OCCASIONE von Joe Schittino/ L’OCCASIONE FA IL LADRO von Gioacchino Rossini am 30.10.2022

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Kein Mensch fährt nach Novara, der immerhin 100000 Einwohner zählenden „Provinzstadt“ zwischen Milano und Torino. Selbst der Name sagt dem Durchschnittsmitteleuropäer wenig, am meisten vielleicht noch den Wienern, die damit allerdings eine übelbeleumundete Gasse im 2.Bezirk (benannt nach einem der letzten militärischen Siege Österreich-Ungarns von Feldmarschall Radetzky).

Wenn man dann von der Existenz eines Opernhauses erfährt, das immer wieder interessante Produktionen anbietet, denkt man zunächst an ein kleines Theaterchen mit maximal 200 Plätzen.

Die Wirklichkeit vor Ort schaut vollkommen anders aus: das Teatro Coccia ist ein riesiges,monumentales, über die Massen prächtiges Theater, das fast Scala-Ausmasse aufweist.

Die derzeitige Intendantin Corinne Baroni (früher in Mailand, Spoleto, Genua und Bologna tätig) hat mit der Nachwuchschmiede RossiniLab ein Abkommen getroffen, das jedes Jahr die Aufführung eines Rossini-Einakters vorsieht – in Verbindung mit einem einaktigen Auftragswerk.

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Heuer war dies L‘Occasione fa il ladro des Pesareser Meisters – in Verbindung mit „Valigie d‘Occasione“ des sizilianischen Komponisten Joe Schittino.

Für sein dreistes Unterfangen, anno 2022 eine opera buffa zu komponieren, noch dazu in Versform ! (Vicenzo de Vivo) würde er ja in deutschen Landen auf dem Hauptplatz von Donaueschingen bei lebendigem Leib verbrannt werden – gemeinsam mit dem Librettisten.

In Italien (und nicht nur hier) hingegen hat er Erfolg, und das zurecht. Denn seine Musik – mit Zitaten aus dem 18.Jahrhundert, aber auch mit Jazz-Elementen und mit Bezugnahme auf italienisches Cabaret der 50er Jahre – ist nicht nur klug, sondern auch vergnüglich.

Dass ihn dann Rossini mit s e i n e m Einakter im Handumdrehen dennoch übertrumpft, liegt in der Natur der Sache.

Die Inszenierung von Matteo Mazzoni ist eher ziemlich old school, aber das junge (und teilweise stimmlich schon ersaunlich reife) Ensemble ( Chiara Fiorani, Maria Grazia Aschei, Matteo Torcaso, Tianxuefei Sun ) läuft unter der musikalischen Leitung von Marco Alibrando zu grosser Spiel – und Singfreude auf.

Novara, das (entgegen seinem Ruf) eine sehr elegante (mit klassizistischen Kolonnaden versehene ) piemontesische Stadt ist und mit der einzigartigen (eher wie eine Pagode anmutende) San Gaudenzio-Kathedrale des genialischen Architekten Antonelli auch eine großartige Sehenswürdigkeit aufzuweisen hat, ist wirklich einen Besuch wert. Und das Teatro Coccia sowieso. Wir freuen uns schon auf die nächstjährige Rossini + XYZ – Kombination.

Robert Quitta, Novara

 

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