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NORDHAUSEN/ Theater: JANE EYRE. Musical von Paul Gordon und Charlotte Brontë. Premiere

02.04.2022 | Operette/Musical

Premiere im Theater Nordhausen des Musicals „Jane Eyre“ am 1. April 2022

Das Musical „Jane Eyre“ lässt die Herzen des Publikums höherschlagen „Jane Eyre“ wird als fiktive Autobiografie, als Liebes- und Gesellschaftsroman und bisweilen auch als Bildungsroman bezeichnet. Die Autorin Charlotte Brontë erzählt darin den verschlungenen Lebensweg einer selbstbewussten Frau, die allen Widrigkeiten trotzt. Das Buch ist unter dem männlich anmutenden Pseudonym Currer Bell erschienen. Dies zeigt schon, dass die Themen damals sehr brisant waren und heute auch noch etwas zeigen, ohne dass das Musical hierdurch schwer wird. Es ist einfach schön unterhaltend. Bisher wurde das Musical in deutscher Sprache nur in Österreich aufgeführt und hatte so in Nordhausen seine deutsche Uraufführung. Wer diese Zeit verstehe möchte, muss nur bei Engels nachlesen und erhält hier den tiefen Hintergrund des Lebens in England. Aber auch die Frage der Emanzipation und der doch rüden Erziehung werde sanft angesprochen. Der Komponist Paul Gordon lässt keinen Zweifel daran, wohin seine Musik zielt. Vor über 20 Jahren hat er die Story in ein Musical-Drama gezaubert und liefert alles, was von ihm erwartet wird. Das Waisenkind Jane Eyre lebt bei ihrer Tante Mrs. Reed. Dort wird sie von ihr und ihrem Sohn John Reed gedemütigt und der Lügerei bezichtigt. Die Tante schickt Jane schließlich in ein Internat, wo viele Kinder an Typhus sterben. Acht Jahre später: Jane Eyre möchte die Schule verlassen, weiterkommen, frei sein. Auf dem Anwesen des wohlhabenden Edward Fairfax Rochester beginnt sie als Gouvernante für die kleine Adele. In einer Nacht streift eine Gestalt mit einer Kerze durch das Haus. Sie setzt Rochesters Bett in Brand. Jane kann das Feuer löschen. Später hat Rochester vornehme Gäste eingeladen. Das Fest wird gestört durch den unerwarteten Auftritt von Richard Mason, den Rochester als einen alten Bekannten vorstellt. Rochester deutet Jane gegenüber an, dass es in seinem Leben etwas für ihn sehr Belastendes gibt. Jane wünscht ihm, dass sein Leid ein Ende hat.

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Jonas Hein (Edward Fairfax Rochester), Eve Rades (Jane Eyre), Opernchor; Foto: Julia Lormis

Rochester lässt Jane glauben, dass er Blanche Ingram heiraten wird. Später gesteht er ihr, dass er Jane zur Frau nehmen möchte und sie mit Blanche lediglich eifersüchtig machen wollte. Auch Jane offenbart ihm ihre Gefühle und willigt in die Hochzeit ein. Die kirchliche Trauung von Rochester und Jane wird durch Richard Mason gestört. Er behauptet, Rochester könne nicht heiraten, da er bereits eine Frau habe. Jane bleibt nichts anderes, als Thornfield zu verlassen. Sie kehrt zur erkrankten Tante Mrs. Reed zurück. Dort lernt sie St. John Rivers kennen, einen jungen Geistlichen. Mrs. Reed ist Jane gegenüber unversöhnlich. Aus Rache hatte sie Jane nie mitgeteilt, dass ihr Onkel, der Bruder ihres Vaters, ihr sein ganzes Vermögen vererbt hat. Jane ist bei der Tante, als sie stirbt. Jane macht sich umgehend auf den Weg nach Thornfield Hall. Dort steht sie vor der Ruine des Hauses. Rochester ist seit dem Brand blind und krank. Aber er ist ein freier Mann. Jane ist durch das Erbe ihres Onkels eine unabhängige Frau und heiratet nun den verwitweten Rochester. Als ihr erster gemeinsamer Sohn geboren wird, findet Rochester sein Augenlicht teilweise zurück.

Ivan Alboresi ist seit sechs Jahren in Nordhausen und dort vor allem als Ballettchef tätig. Er inszeniert aber auch immer wieder Musicals und dies durchaus beeindruckend. Pascal Seibicke entwickelte eine raffinierte Szene: Hier fahren acht hohe, quadratische Säulen wie von Geisterhand gesteuert hin und her. Sie stehen mal alleine, mal bilden sie im Schulterschluss mit anderen eine Wand. Dadurch schaffen sie sehr rasch individuelle, oft auch intime Räume. In dieser wandelbaren Szene kämpft sich Jane Eyre bis zu ihrem – wie könnte es anders sein – Happy End durch. Zeitgemäß spielen alle in Viktorianischen Kostüme – schöner Kontrast.

Kapellmeister Henning Ehlert führt das Loh-Orchester geschmeidig ohne übermäßige Rührseligkeit. Mit „Jane Eyre“ sogar eine Deutschlandpremiere. Eve Rades hat die Rolle der Jane Eyre im Musical übernommen. Jane Eyre wird gedoppelt mit einem Mädchen, die diese Rolle gut macht. Während den Aufführungen wird man Emmi Krauthöfer/Anne Kobayashi/Hannah-Fee Posselt sehen. Edward Fairfax Rochester wird von Jonas Hein gespielt, der auch fantastisch singt. Mrs. Fairfax, Haushälterin von Thornfield Hall ist Maaike Schuurmans, man nimmt ihr diese Rolle sofort ab.

Auch kleinere Rollen werden hervorragend dargestellt. So spielt z.B. Sarah Alexandra Hudarew Miss Scatcherd, eine Lehrerin und Bertha Mason, Rochesters Ehefrau und der Wahn ist so überzeugend, wie man es sich nicht vorstellen kann. Auch an die strenge Lehrerin wird sich jeder erinnern, der selbst auf eine strenge Schule war. Aber dies ist nur exemplarisch. In den weiteren Rollen überzeugten: Richard Mason Marian Kalus; Mr. Brocklehurst, Besitzer von Lowood School Thomas Kohl; Robert, Butler, St. John Rivers, Pfarrer in Gateshead Andreas Bongard; Mrs. Reed, Janes Tante, Lady Ingram Anja Daniela Wagner; John Reed, Janes Cousin Jakob Köhler/Vincent Gründling; Adele, Mündel von Rochester Anne Kobayashi/Melina Schwarzberg/Miriam Stolze; Helen Burns, Freundin von Jane Charlotte Gotter/Frederike Gäßlein/Martha Schindewolf; Grace Pool, Bedienstete auf Thornfield Hall Katharina Blum; Mary Ingram, Schwester von Blanche Funda Asena Aktop; Colonel Dent Marvin Scott; Mrs. Dent Anett Wernicke; Der Vikar in der Gemeinde von Thornfield Jens Bauer; Opernchor und Kinderchor des Theaters Nordhausen, Loh-Orchester Sondershausen.

Das Publikum war auch großartig. Selten habe ich es so wie in Nordhausen erlebt. Es ist richtig mitgegangen. Die größeren Gesangseinlagen wurden mit Szenenapplaus belohnt, was für die Akteure sehr anerkennend und motivierend ist. Der Schlussapplaus war einzigartig. Standig ovation, was heute wenigen Aufführungen vergönnt ist. Weitere Vorstellungen sind am 30. April, 1., 18., 26., 27., 28. und 29. Mai. Auf der Homepage des Theaters finden Sie vieles zum Musical wie auch eine Einführung.

Weimar, den 5. April 2022 Olaf Schnürpel

 

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