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NÖ / Schlosshof: LE CINESI

20.09.2014 | Oper

schlosshof_original

NÖ / Schlosshof:  
LE CINESI von Christoph Willibald Gluck
Premiere: 19. September 2014,
besucht wurde die Vorstellung am 20. September 2014 

Wenn Maria Theresia eine gute Oper hören wollte, musste sie nach eigener Aussage nach Esterhaza fahren. Wenn wir im Gluck-Jahr (es ist immerhin der 300. Geburtstag!!!) hierzulande eine Aufführung des über die Maßen bedeutenden Komponisten erleben wollten, muss man sich auf Maria Theresias Spuren nach Schlosshof begeben. Das Schloß, das einst Prinz Eugen gehört hatte, war von dessen Erbin ihrem Gatten, dem Prinzen Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, geschenkt worden. Als er sich von der reichen Dame scheiden ließ, konnte er das prachtvolle Anwesen nicht mehr erhalten. Als Käuferin hatte er Maria Theresia anvisiert – und um sie dazu zu verlocken, veranstaltete er am 24. September 1754 ein Fest ohnegleichen.

Cinesi 2 Maria Theresia im Publikum~1  schlosshof_Festsaal
Fotos: Heiner Wesemann

Wie einst die Esterhazy ihren Haydn, so beschäftige der Prinz von Sachsen-Hildburghausen seinerseits einen bedeutenden Musiker: Christoph Willibald Gluck war nach Wien gezogen und von ihm als Kapellmeister und Komponist engagiert worden. Für das Fest für Maria Theresia (sie war so begeistert, dass die das Schloß tatsächlich kaufte) wurde die einstündige Azione teatrale „Le Cinesi“ nach einem Libretto von Pietro Metastasio gegeben. Und wenn dieser denkwürdige Abend nun, 260 Jahre danach, im großen Festsaal von Schlosshof revitalisiert wird, hat man sich auch eine besonders Pointe ausgedacht – Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen erschienen persönlich, wenn auch nur als Pappfiguren…

„Le Cinesi“ sind keine richtige, vollgültige Oper, es ist weit eher ein amüsantes Fest mit Musik, das vieles befriedigte – die Schaulust durch die Chinoiserie, die man entfesselte, die Ohren durch das Spiel mit den musiktheatralischen Formen, das Gluck hier durch exerzierte. Als Zentrum des Werks gibt es vier Arien in verschiedenen Stilen und schließlich am Ende ein  Quartett mit Tanz.

Cinesi 1 drei Frauen 2 x~1

Drei junge Damen kommen auf die Bühne, angeblich Chinesinnen, was für das Geschehen aber keine Rolle spielt. Sie langweilen sich und werden vom hinzukommenden jungen Mann (er ist der Bruder von einer von ihnen und flirtet mit den beiden anderen) dazu animiert, Theater zu spielen. Das endet darin, dass jede der drei eine Arie in einem anderen Stil singt – als Tragödin der Seria, als Schäferin der Pastorale, als Satire der Buffa. Der Tenor darf in seiner Arie die Schäferin ansingen – und Gluck hatte die Möglichkeit, in seiner Musik zu zeigen, wie souverän er die verschiedenen Ausdrucksmittel der Oper beherrschte. Besonders beeindruckend, wie er die virtuosen Vorgaben seines Zeitalters bediente (ohne allerdings je so pompös zu verfahren wie Händel) und dabei immer einen wunderbaren „Menschenton“ findet, eine Gefühlsdichte, die ihn besonders auszeichnet und das Publikum immer fesseln wird.

Und tatsächlich, die Musik selbst ist die Siegerin des Abends (bzw. in diesem Fall Nachmittags), wobei Gerhard Lessky am Pult des vorzüglichen Kammerorchesters aus Bratislava, der „Capella Istropolitana“, temperamentvoll viel Wunderbares beschwört. Zu Beginn und am Ende hat Gluck mit reizvollen „Schellenklängen“ auch ein Tambourin eingesetzt, dazu kommen die besonders schönen, pastosen Töne der dunklen Streicher: Der große Saal hat einigen Nachhall, was den Klang aber nicht schwammig, sondern noch fülliger macht – ein reizvolles Erlebnis.

Gut, dass die Musik alles „trägt“, denn szenisch ist das Ganze logischerweise etwas spartanisch ausgefallen –  von einem „chinesischen Kabinett in kunstvoller, hierzulande noch nie gesehener theatralischer Erfindung mit zierlichen Säulen und dazwischen angebrachten chinesischen Figuren“, wie von der Uraufführung berichtet wurde, oder das, was der Dekoration einen besonderen Glanz gab: „prismatische gläserne Stäbe, die in böhmischen Glashütten geschliffen und genau ineinander gepasst, in die freien Stellen gesetzt worden waren“, ist diesmal keine Rede: Ein Podest, eine Truhe, aus der die Damen ein paar chinesische Gewänder und Masken hervorholen, um sie bald wieder wegzugeben und im Barockkostüm ganz „unchinesisch“ zu agieren, ist alles, was die Ausstattung von Alexandra Burgstaller bietet, und die Regisseurin Lenka Horinkova konnte nichts weiter tun, als das Geschehen in Bewegung zu halten.

Cinesi 3 Tanzszene~1

Aber die jungen Leute waren mit Verve am Werk – die griechische Mezzosopranistin Elsa Giannoulidou durfte die tragische Arie singen und war in Technik und Stimmschönheit die Königin des Abends, während der entzückenden Marelize Gerber für die hellen Koloraturen der Schäferin etwas Leichtigkeit fehlte (dafür gab’s ein Zuviel an Schärfe), während am Ende Anna Manske, der zweite Mezzo, gleichfalls reüssierte. Und der Tenor Gernot Heinrich war ganz ausgezeichnet, sein Timbre stellte eine hörenswerte Begegnung dar.

Das Publikum nahm das Fest mit Freuden auf.

Renate Wagner 

Noch zwei Vorstellungen: Am Sonntag, dem 28. September,  jeweils 10 und 15 Uhr.
Bustransfer und Arrangement bei Elite Tours
Informationen und Ticketreservierung unter:
+43(0)1 513 22 25-0 oder +43 (0)2285 20 000
travel@elitetours.at oder office@schlosshof.at

 

 

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