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NEW YORK/ WIEN – "Die Met im Kino": TANNHÄUSER

01.11.2015 | Oper

Cineplexx-Kino Wien Landstraße

GRANDIOSER „TANNHÄUSER“:„MET IM KINO“ BLEIBT AUF ERFOLGSKURS (31.10.2015)

Die Inszenierung mag naiv-romantisierend, die Aufregung um den „Venusberg“ altmodisch und die Besetzung nicht in jedem Fall optimal gewesen sein. Doch Richard Wagners live-Übertragung des „Tannhäuser“ aus der New Yorker Met ging wieder einmal unter die Haut. Die geniale Musik wurde vom MET-Orchester unter James Levine trotz scheinbarer Behinderung des Dirigenten voll Inbrunst und Intensität wiedergegeben, der Chor der Metropolitan Opera war grandios und Johan Botha steigerte sich in der Titelrolle von Akt zu Akt. Zuletzt unterstützte er seine vokalen Leistungen sogar mit mimischer Ausdruckskraft. Und da auch Peter Mattei ein erstklassiger Wolfram und Günther Groissböck ein exzellenter Landgraf Hermann war, lautete das Gesamt-Urteil: hervorragend.

Die Inszenierung von Otto Schenk (Ausstattung Günther Schneider-Siemssen) stammt aus dem Jahr 1977 und hatte damals starke österreichische Assistenz: unter Levine sangen James McCracken, Leonie Rysanek, Bernd Weikl und Grace Bumbry. Jetzt – fast vier Jahrzehnte später – sitzt Otto Schenk im Cineplexx-Kino Wien Landstraße und kann sich überzeugen, dass seine Deutung des Stückes als Beispiel der Volksfrömmigkeit nach wie vor gültig ist. Immerhin: Johan Botha lässt im 1.Akt erkennen, warum gerade der Tannhäuser so gefürchtet ist. Die Hymnen an Venus und das erste Finale mit den Minnesängern bereiten auch diesem Sänger der „Unerschöpflichkeit“ einige Mühe. Da auch Venus – die US-Mezzo-Sopranistin Michelle DeYoung – an ihre Grenzen gerät, kann sich das Aufführungs-Niveau nur steigern. Souverän von Anfang ist jedoch der Schwede Peter Mattei. Er lässt gesangstechnisch keinen Wunsch offen. Seine Schilderung von Elisabeth wird ein erster Höhepunkt. Er singt heldisch, die Stimme sitzt in der Höhe und in der Tiefe, er ist zeitweise „liedhaf“, auch im Sängerkrieg und beim „Abendstern“ dann wieder klingt er wie Amfortas. Allerdings haftet ihm auch eine gewisse Künstlichkeit an, seine Gefühle wirken mitunter aufgesetzt. Fischer-Dieskau lässt grüßen.

Leider ist auch Eva-Maria Westbroek als Elisabeth alles andere als eine Idealbesetzung. Ihr Vibrato stört im Forte ebenso wie im Piano, erst im finalen „Gebet“ überzeugt sie weitgehend. Mir fallen jedenfalls mehrere alternative Soprane ein – von Ricarda Merbeth und Petra Maria Schnitzer bis Adrianne Pieczonka. Bleiben Günther Groissböck als fast zu „jugendlicher“ Landgraf und Ying Fang als lyrisch-instrumentaler Hirtenknabe.

Der Höhepunkt der Met-Übertragung war aber zweifellos der 3.Akt mit einer Romerzählung, wie man sie noch selten gehört hat. Johann Botha übertraf sich selbst,. Und da auch die Venus von Michaella DeYoung erst im Finale uneingeschränkt beeindruckte, da Peter Mattei erst nach dem „Schlager“, dem „holden Abendstern“, auch stimmlich zum Gegenspieler von Tannhäuser heranwächst, kann man zusammenfassen: „Met im Kino“ hat wieder tiefen Eindruck hinterlassen – auch ohne Anna Netrebko!

Peter Dusek

 

 

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