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NEW YORK/ WIEN/ Die Met im Kino (Cineplexx Wien-Mitte): EUGEN ONEGIN. Von den Höllenqualen der Liebe

23.04.2017 | Oper

Wien / Cineplexx-Opera Wien-Mitte /„Met im Kino“
VON DEN HÖLLENQUALEN DER LIEBE: ANNA NETREBKO UND PETER MATTEI IN „EUGEN ONEGIN“ (23.4.2017)

Bildergebnis für metropolitan opera eugen onegin

Einen Augenblick glaubt der zurück gewiesene Titelheld – an der Met hinreißend verkörpert vom schwedischen Bariton Peter Mattei – an ein „Wunder der Liebe“. Seine zunächst (im 1.Akt) noch verschmähte Tatjana  – im Lincoln Center von Anna Netrebko  geradezu mit Aida-Pathos vorgetragen -gesteht dem bindungsunwilligen Eugen Onegin, dass sie ihn noch immer liebt. Doch im nächsten Augenblick entscheidet sie sich – wie Senta – für ewige Treue, küsst ihn und eilt zu ihrem reichen Ehemann, in dieser Produktion  der junge Hocharistokrat Gremin, der vom slowakischen Bass Stefan Kocan sehr sympathisch porträtiert wird. Was dann folgt kann man nur als totalen Zusammenbruch, als „psychologischen Burnout“ bezeichnen. Peter Mattei, der den Eugen Onegin bis dahin sehr dandy-haft, sehr „cool“ angelegt hat, erleidet eine regelrechte „Höllenfahrt der Liebe“. Sein verzweifelter Aufschrei geht unter die Haut, man bekommt mit dem Verstoßenen wirklich Mitleid. Und Anna Netrebko kann endlich jene Dramatik einsetzten, mit der sie längst zur Verdi-Primadonna herangereift ist. Vor allem im Schluss-Duett zeigt sie, dass sie nicht nur eine der schönsten Stimmen hat. Die Registerübergänge sind einfach perfekt, das Piano sitzt, die Mittellage ist dunkel, um die Tiefe müsste sie sogar von Mezzo’s beneidet werden. Und dann diese strahlende, funkelnde Höhe. Man kann nur schwelgen! Einzigartig! Jedenfalls trägt sie gemeinsam mit dem Ersatzmann für den ursprünglich geplanten Dmitri Hvorostovsky, Peter Mattei, diesen Abend, der ansonsten beweist, dass auch in New York mit Wasser gekocht wird.

Dennoch: mit der stockkonservativen Inszenierung von Deborah Warner ist man zuletzt bereit, sich zu versöhnen. Zuvor wird viel zu viel gehüpft und auf die Schenkel geklopft… Das Bühnenbild von Tom Pye wäre schon in den 50er Jahren als „altmodisch“ eingestuft worden, ebenso die Kostüme von Chloe Obolensky. Mittelmäßig auch die Leistung des jungen, sympathischen Dirigenten Robin Ticciati mit dem Orchester und Chor der Metropolitan Opera. Man hat die „Lyrischen Szenen“ der 1875 nach der Vorlage von Alexander Puschkin entstandenen Oper von Pjotr Ilitsch Tschaikowski schon viel delikater, raffinierter und doppelbödiger gehört. Immerhin dürften sich die beiden Interpreten von Tatjana und Eugen Onegin bei ihm aber sehr wohl gefühlt haben. Bleiben noch zu erwähnen: die fast überdrehte Olga der Russin Elena Maximova; der eher schwache Lenski des Russen Alexey Dolgov; mit zunächst fast schnarrender Tenorstimme gefiel er wenigsten in der großen „Sterbearie“ „Kuda, kuda?“. Sehr überzeugend hingegen die elegante Larina von Elena Zaremba. Der ungewöhnlich junge Gremin des Stefan Kocan erfreute das Publikum durch eine selten gewordene echte Bass-Tiefe. An der etwas engen Höhe sollte der Sänger, der in Wien studierte und einen seiner ersten Auftritte im Merker-Kunstsalon hatte, noch arbeiten. Nett aber nicht spektakulär: Brian Dowmen als Triquet.

Insgesamt: Große Oper dank zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten. Man darf sich auf Aida und Tosca von Anna Netrebko wahrlich freuen!

Peter Dusek

 

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