NEW YORK – WIEN / Die Met im Kino / Cineplexx Cinemas
COSI FAN TUTTE von W.A.Mozert
- Oktober 2026
„Cosi fan tutte“ im Vergnügungspark

Foto: Metopera
Phelim McDermotts turbulente Inszenierung der vielleicht am schwierigsten auf die Bühne zu bringenden Mozart / Da Ponte- Opern wurde an der English National Opera 2014 aus der Taufe gehoben, 2018 wurde sie erstmal an der Met gezeigt. Sie verlegt die Handlung in einen Vergnügungspark auf Coney Island in den Fünfzigern, um das Verwirrspiel, das dem Libretto folgt, einigermaßen glaubhaft zu machen.
Auf der Bühne – und während der Ouvertüre vor dem Vorhang – tummeln sich Schwertschlucker, ein Schlangenbeschwörer, eine bärtige Frau, kleinwüchsige Menschen,….Sie alle klettern aus einer Truhe, und unter der „Regie“ von Don Alfonso stemmen sie Plakate, die den Inhalt andeuten und kommentieren. Einziger Haken, der für die ganze Vorstellung gilt: Vor lauter Schauen kommt man nicht zum Zuhören, was die musikalische Seite der Aufführung wahrlich nicht verdient.
An der Spitze der sechs Protagonisten muss man wohl das Schwesternpaar nennen, an erster Stelle die Fiordiligi von Federica Lombardi. Ihr wunderschöner, leuchtender, beweglicher Sopran meistert die enormen Sprünge in „Come scoglio“, singt wunderbares Legato und betont in ihrer Arie mehr die Liebeserklärung als den dramatischen Ausbruch. Für „Per pietà“ muss sie einen Ballon besteigen und aus luftiger Höhe ihren Gewissensqualen Ausdruck verleihen. Sie tut das wunderschön und mit emotionaler Tiefe.
Ihre leichtlebigere Schwester Forabella wird von Samantha Hankey überzeugend interpretiert. Die Künstlerin, der wir in Wien als sehr burschikosem Rosenkavalier begegnet sind und die in Glyndebourne einen ausgezeichneten Komponisten auf die Bühne stellte, ist hier das bildhübsche Gegenstück zu Federica Lombardis auch optisch einen Superlativ verdienenden Fiordiligi. Die beiden Stimmen harmonieren wunderbar, und so ist das Terzett „Soave sia il vento“ mit Gerald Finley ein wahres Highlight. In ihrer Arie „Smanie implacabili“ verleiht sie ihrem Schmerz über die vermeintliche Tatsache von Ferrandos Feldzug überzeugend , aber auch melodramatisch Ausdruck mit ihrem klaren, flexiblen Mezzo, während sie im 2.Akt in ihrer Arie ebenso überzeugend ihre Flirtlust ausdrückt.
Da macht sich der Einfluss von Despina bemerkbar, deren Überzeugungskraft und Leichtlebigkeit in Stimme und Gestalt von Ana Maria Martinez man nicht entkommen kann. Abgesehen von ihrer gesanglichen Leistung zündete sie ein schauspielerisches Feuerwerk.
Ein wenig mussten die Herren den Damen den Vortritt lassen, obwohl auch an ihnen nichts auszusetzen war: Duke Kim als Ferrando ist Besitzer einer wunderschön timbrierten, belastbaren Mozartstimme, die auch, wie in „Un aura amoroso“ demonstriert, leisere Töne wunderbar beherrscht. Die beiden jungen Männer treten zunächst in schnittigen Marine-Uniformen auf und verkleiden sich dann James Dean-mäßig mit Elvis-Tolle.
Als Draufgänger ist Guglielmo Andrey Zhilikhovsky charakterisiert, den er überzeugend spielt und singt. Ein Höhepunkt ist sein Urteil über die Frauen in „Donne mie, la fate a tanti“.
Gerald Finley als Drahtzieher Don Alfonso ist weniger ein Zyniker als jemand, der sich gern auf Kosten anderer blendend unterhält. Er ist ein zurückhaltender Manipulator und erfreut mit seinem schönen Bassbariton. Für ihn und Despina gibt es ein Happyend – wehe, wenn dieses Paar losgelassen!
Der junge israelisch-amerikanische Dirigent Nimrod David Pfeffer leitete das Orchester der Met zu elegantem, spritzigem Spiel an und betonte die Absicht der Produktion, vor allem zu unterhalten. Diesem Anspruch wurde sie gerecht – mit der anfänglichen Einschränkung.
Traude Steinhauser

