Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

NEW YORK/ WIEN/ Die Met im Kino: CARMEN

02.11.2014 | Oper

01.11.2014   MET/Kino   CARMEN

Carmen_Hartig_Antonenko
Anita Hartig, Aleksandrs Antonenko. Foto: Metopera

Die Kombination „Reißer“ und „MET“ ist doch kein Garant für makellosen Operngenuss. In Richard Eyres Produktion aus dem Jahre 2009 findet sich wenig von der üblichen Pracht Spaniens, die Wirtschaftskrise der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, in die man die Handlung verlegt hat wird uns durch das Bühnenbild Rob Howells drastisch vor Augen geführt – Maschendrahtzaun im ersten Akt, spartanische Einrichtung bei Lillas Pastia und eine Sportstätte des düsteren Ostblocks zum Finale. Die Kostüme sind nur zum Teil passend gewählt, Fabriksarbeiterinnen sind selten derart gewandet.

Die Auswahl der Protagonisten war nicht optimal, eigentlich konnte man nur mit Anita Hartig als Micaela zufrieden sein. Ihr wunderschön lyrischer Sopran bereitete glockenhelle Freude. Sie berührte in der dankbaren Rolle der Verschmähten, wie so oft verstand man nicht, dass Don Jose die falsche Wahl traf. Alexandrs Antonenko sang diesen gescheiterten Soldaten mit sehr viel Kraft, im ersten Akt war das einfach zu viel des Guten. Wie er selbst im Pauseninterview bemerkte, müsste die Rolle von drei Tenören gesungen werden, so unterschiedlich sind die Anforderungen. Er war für den dramatischen Teil gut besetzt, das Lyrische war nicht seine Sache. Mit der Intonation konnte man auch nicht restlos glücklich sein. Anita Rachvelishvili war als Carmen bemüht, alle möglichen Verführungskünste aufzubieten, es waren eigentlich zu wenige. Ihre Stimme war allerdings durchschlagskräftig genug, um ihrem Partner wenigstens vokal nicht zu unterliegen. Enttäuschen war auch Ildar Abdrazakov als Escamillo. Optisch bestens geeignet für die Rolle des Torero, mühte er sich doch einigermaßen in den tiefen Regionen dieser Partie. Hier bestätigte sich wieder die Aussage, dass kaum ein Sänger die Höhen und Tiefen gleichermaßen befriedigend bewältigen kann.
Am Pult stand der junge Spanier Pablo Heras-Casado, der eine Talentprobe ablegte. Mit viel Temperament und Umsicht leitete er das Orchester, das allerdings die Arie Micaelas ziemlich langweilig und verwaschen begleitete. Ein Trost für andere Opernhäuser: Es ist nicht alles Gold…   

Johannes Marksteiner

 

 

Diese Seite drucken