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NEW YORK/ Die Met im Kino/ Wien Cineplexx: ADRIANA LECOUVREUR

12.01.2019 | Oper


Anna Netrebko beim Schlussapplaus. Foto: Instagram

12.01.2019 MET/Kino „Adriana Lecouvreur“

Die auch in Wien bekannte Produktion (Regie David McVicar, Bühnenbild Charles Edwards, Kostüme Brigitte Reiffenstuel) wurde von der MET übertragen. Mit einer prominenten Besetzung kann da wenig schiefgehen. Auch wenn das Libretto, nach einem Stück von Eugene Scribe, nicht gerade vor Klarheit und Logik strotzt. Die in letzter Zeit öfters geführte Klage wegen mäßiger Libretti sei somit prolongiert. Die verzickte Briefgeschichte und die Techtelmechtel in Adelskreisen bildeten das Zentrum dieser tragischen Geschichte. Am Schluss löst sich alles auf, aber nicht in Wohlgefallen, denn die Titelheldin stirbt an Gift.


Piotr Beczala beim Schlussapplaus. Foto: Instagram

Das alles wurde aber musikalisch ausgezeichnet umgesetzt, denn ein fabelhafter Dirigent, Gianandrea Noseda, leitete das ausgezeichnete Orchester mit viel Umsicht und Gefühl. Anna Netrebko war in der Titelrolle hervorragend, ihre prächtige dunkle Mittellage, aber auch die temperamentvolle Duettszene mit ihrer Widersacherin waren vom Besten. Ihre große Arie war allerdings ziemlich zerdehnt, da musste man um ihren langen Atem bangen. Anita Rachvelishvili sang die bitterböse Gräöfin Bouillon mit sehr viel Kraft und Leidenschaft. Ihrer Stimme schienen keine Grenzen gesetzt zu sein. Piotr Beczala war als Maurizio zwar rollenbedingt nicht immer im Bilde, sein strahlender Tenor war aber das Ereignis des Abends. Wie er im Interview sagte, ist er auf dem Weg zu dramatischeren Partien. Mit seiner kräftigen und sicheren Höhe sollte das kein Problem sein. Ambrogio Maestri, der Falstaff vom Dienst, stellte seinen mächtigen Bassbariton imposant in Szene. Seine Rolle als tragischer Komödiant spielte er vorzüglich. Carlo Bosi war ein sehr guter Abbe, Maurizio Muraro ein exzellenter Graf Bouillon, den Ahnungslosen spielte er sehr glaubhaft .

Anstatt einer Kritik an den Pausengesprächen Kritik an der Direktion, die den sonst immer lustigen Matthew Polenzani in ein stocksteifes Fragemonster verwandelte. Einen Tenorkollegen interviewen zu müssen, ist sicher nicht einfach, aber so verkrampft müsste das auch nicht sein. Nur einmal blitzte bei Ambrogio Maestris Befragung der Schelm durch.

Großer Jubel für alle Beteiligten.

Johannes Marksteiner

 

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