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NEW YORK/ Die Met im Kino: FEDORA

14.01.2023 | Oper international

2023   MET/Kino   „Fedora“ am 14.1.2023

Lange hat es gedauert, bis man sich wieder einmal an ein verlässliches Repertoirestück des Verismo erinnert hat. Die Staatsoper verzichtet bereits fast zwei Jahrzehnte auf dieses Werk, die MET hat es nach einem Vierteljahrhundert wieder auf dem Spielplan. Verglichen mit dem Dauerbrenner „Andre Chenier“ muss man schon einen gewissen Qualitätsunterschied feststellen. Aber es lohnt allemal, auch diese Oper gut in Szene zu setzen.

Das Werk, nach einem Libretto von Arturo Colautti, basierend auf einem Theaterstück von Victorien Sardou, wäre ohne die packende Musik von Umberto Giordano kaum geeignet, das Publikum zu fesseln. Zu klischeehaft läuft die Handlung ab. Begonnen in Sankt Petersburg mit einem Mord, der gerächt werden soll, danach Paris bei einem Ball, der das Paar zueinanderführt, bis zum letalen Ende in der Schweizer Bergwelt, wo man der Idylle mittels tragischer Ereignisse ein jähes Ende bereitet. In einem Pauseninterview beantwortete Piotr Beczala, der einen eindrucksvollen Loris Ipanow sang, die Frage, wie es mit Loris wohl weitergehen würde, mit „vielleicht wird er Seemann“. Die Frage stellt sich natürlich bei fast jeder Oper, in der am Ende nicht alle Protagonisten dahingeschieden sind.

Aber nun zur aktuellen Inszenierung. David McVicar ist ein Spezialist für autentische Inszenierungen – im positivem Sinne. Er künstelt nicht an Zeiten, Orten und Rollenbildern herum, sondern lässt die Kirche im Dorf. Mit dem Bühnenbild von Charles Edwards zeigt er den Ernst und die Tristesse im ersten Akt, der Tod des treulosen Vladimir. Da hat man auch optisch den Eindruck, den fast jedes Werk, das in Russland angesiedelt ist, hinterlässt – tiefe Depression. Der zweite Akt, ein Ball in Paris, bietet farbenfrohes Spektakel und gute Laune der gehobenen Gesellschaft. Auch der dritte Akt lässt kaum Wünsche offen, hier ist der Ort der Handlung aber doch deutlich den dramatischen Ereignissen untergeordnet.

Musikalisch war nur Hochklassiges zu hören. Das Orchester spielte unter dem kundigen Tausendsassa der italienischen Oper, Marco Armiliato, wie Verismo zu klingen hat. Stets aufmerksame Unterstützung der Sänger, die nie durch einen übermächtigen Klangkörper zum Forcieren gezwungen waren. Sonya Yoncheva war eine überragende Fedora. Ihr kräftiger und höhensicherer Sopran ließ keinen Wunsch offen. Sie spielte die zuerst rachsüchtige, dann leidenschaftkich liebende und zuletzt reumütige Frau mit Bravour. Piotr Beczala ist wohl (immer noch) in der Form seines Lebens. So wie er den Loris sang und spielte, hat er derzeit wohl keine Konkurrenz. Man merkte, wie gut ihm diese Rolle liegt – man merkt auch, wenn dem nicht so ist -, da kam jeder Ton perfekt, da passte jede Geste, jede Gefühlsregung wirkte glaubhaft. Rosa Feola sang die Olga, ihr schöner Sopran war ein Glücksfall für diese kleine Rolle. Auch Lucas Meacham, hierzulande kaum bekannt, konnte als De Siriex gut gefallen. Mit kräftigem und wohlklingendem Bariton war auch er eine Stütze des Abends. Es ist schön, wenn man den Opernfreunden auch weniger populäre Werke mit großem Einsatz so erfolgreich präsentiert.

Johannes Marksteiner

 

 

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