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NEW YORK/ Die Met im Kino: DON CARLOS

26.03.2022 | Oper international

 MET/Kino   „Don Carlos“ – am 26.3.2022

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Matthew Polenzani. Foto: Metopera

Der Ausspruch einer älteren Dame vor der Übertragung „Mir gefallen diese Inszenierungen, in die Oper gehe ich nicht mehr“ war ein Qualitätsvergleich, dem man nach der Aufführung überwiegend zustimmen kann. Das sollte heimischen Intendanten ein wenig zu denken geben. In einer neuen Produktion hat die MET die französische Fassung mit dem Fontainebleau-Akt herausgebracht. Der Vergleich mit der Wiener Produktion aus 2004 fiel sehr zu Gunsten der MET aus. Haus-Regisseur David McVicar verließ sich auf Verdis Musik und unterließ die noch immer bekannten Späße Konwitschnis. Das Einheitsbühnenbild von Charles Edwards war nicht umwerfend originell, dass man die Gruft des Klosters St.Juste mit kleinen Veränderungen für alle Szenen verwenden wollte, war zwar sparsam, aber gerade beim Autodafe waren die erforderlichen Menschenmassen nicht unterzubringen – dass der dritte Akt auch musikalisch der schwächste war, lag zum Teil an diesem Manko, auch ein spaßiger Turner trug zum Misslingen bei. Üppig wie immer die Kostüme von Brigitte Reiffenstuel, da ließ sich der spanische Hof nicht lumpen. Nicht unbedingt notwendige Ergänzungen gab es nach Posas Tod, ein Streitgespräch zwischen Philipp und Carlos bereicherten das Geschehen nicht unbedingt. Dass Carlos zum Schluss getötet wurde statt unter die Fittiche des Kaisers Karl genommen zu werden und von Posas Geist aufgefangen wurde, war einmal eine neue Variante.

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Sonya Yoncheva (Elisabeth). Foto: Metopera

Der Schweizer Dirigent Patrick Furrer war lange Zeit ein Sicherer des prächtig spielenden Orchesters, erst bei Posas Todesarie schlichen sich die gefürchteten „Leiermomente“ ein. Der Chor sang großteils sehr ordentlich, außer im erwähnten Autodafe-Akt, hier stimmten die Einsätze selten mit denen des Orchesters und den Solisten überein. Gesanglich war die Welt zweigeteilt: Hier die Herausragenden, wie etwa Sonya Yoncheva als Elisabeth. Mit klarem und kräftigem Sopran war sie bemüht, ihre Rolle nicht als das übliche Opferlamm darzustellen, sondern dem König auch selbstbewusst entgegenzutreten. Etienne Dupuis sang den Posa mit kerniger und wohlklingender Stimme, auch er als ernstzunehmender Widerpart Philipps. Der Stern des Abends war Matthew Polenzani in der Titelrolle. Seine Stimme ist kräftiger geworden, ohne den Schmelz und die sicheren Höhen verloren zu haben. Die Nahaufnahmen zeigten sein glaubwürdiges (Mienen-)Spiel, den Liebenden, den Leidenden, den Aufbegehrenden, den Resignierenden verkörperte er perfekt. Dass ihm immer noch der Schalk im Nacken sitzt, bewies er in den an diesem Abend unterhaltsamen Interviews – ein sehr sympathischer Künstler. Nicht ganz zufriedenstellend war die Rolle der Eboli besetzt. Jamie Barton, von einem feindseligen Maskenbildner besonders schlimm verschandelt, konnte alle Wettkämpfe in Punkto Lautstärke gewinnen, vor allem im Terzett übertrumpfte sie die beiden Herren um Längen. Eric Owens ist bekannt für seine erfolgreichen Einsätze als Charakterbass, vor allem im Wagnerfach. Den Philipp sollte er besser nicht singen, da fehlte es nicht an sicherer Höhe, aber seine Stimmführung mit deutlichem Vibrato trübten seine Leistung erheblich. John Relyea brachte alle Voraussetzungen für einen eindrucksvollen Großinquisitor mit, laut und grimmig.

Ein Abend wie er sein sollte, nicht perfekt aber spannend.    

Johannes Marksteiner

 

 

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