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NEUES von BRAHMS

01.11.2019 | cd

NEUES von BRAHMS

 

CD BRAHMS: EIN DEUTSCHES REQUIEM – Karg, Goerne, Swedish Radio Symphony Orchestra und Choir unter DANIEL HARDING, harmonia mundi

 

Behäbig und schwerfällig geht Daniel Harding “Selig sind, die da Leid tragen” des Requiems von Johannes Brahms an. Obwohl er die ersten orchestralen und chorischen Kräfte Schwedens zur verfügung hat, gelingt insgesamt nicht mehr als eine professionelle, doch leider über weite Strecken uninspiriert exekutierte Wiedergabe dieser nach Bibeltexten aus Luthers Übersetzung vertonten Totenmesse. Auch die Solisten Christiane Karg und der hier sehr unruhig klingende Matthias Goerne bieten nicht mehr als gepflegtes Mittelmaß. Dass hier dynamisch, spirituell und von den Spannungsbögen unendlich viel mehr drin ist, haben u.a. in den sechziger Jahren Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern, Gundula Janowitz und Eberhard Wächter unter Beweis gestellt. Daher bleiben Sie ruhig bei ihren alten Aufnahmen, diese Neuerscheinung hält nichts vor, was eine Empfehlung rechtfertigen würde. Schade, denn manches Detail in der Auffächerung des Orchesterklangs etwa im zweiten Satz lassen erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn hier mehr elementare Gestaltungskraft, Drive und Binnenspannung die Säulen der Interpretation gewesen wären. 

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

CD BRAHMS: KLAVIERQUINTETT Op. 34, STREICHQUARTETT Op. 67, HAGEN QUARTETT, KIRILL GERSTEIN, myrios classics

 

Spannend und inspirierend, wenn sich ein auf seine sangliche Schönheit des Klangs, eine perfekte Balance der Stimmen sowie eine feinst abschattierte Detailarbeit konditioniertes Ensemble wie das österreichische Hagen Quartett auf ihren edlen Stradivaris mit dem hochenergetischen und wilder artikulierenden russischen Pianisten Kirill Gerstein für ein kammermusikalisches Stelldichein zusammentrifft. Das Klavierquintett in f-Moll, Op. 34 ist ein Hochamt hochromantischer Schwärmerei mit dem rechten Schuss effektvoller Theatralik. Ein “Stück von tiefster Bedeutung, voll männlicher Kraft und schwungvoller Gestaltung, alle Sätze bedeutend, sich ergänzend“ meinte Joseph Joachim. Auf jeden Fall ein Meisterwerk mit einer schwierigen Entstehungsgeschichte. Kirill Gerstein auf dem Steinway und das Hagen Quartett mixen uns einen höchst berauschenden Cocktail aus sehnsüchtiger Erwartung, weben die Themen in ein fantastisch osmotisches Ineinander zwischen Streichen und Klavier. Die Temperamente der Musiker ergänzen sich aufs Beste.

 

Das Album startet mit dem dritten Streichquartett in B-Dur Op. 67 aus dem Jahr 1875. Das Hagen Quartett pflegt den maßgeschneidert schwebend-intimen Ton, um dieses luftig heitere Werk in die Klarheit eines farbvollen Sommermorgens zu hieven.  Anklänge an Mozart “Jagdquartett” finden sich zu Beginn, eine ariose Kantilene für die Geige bietet der zweite Satz. Veronika Hagen kann im dritten Satz alle klangliche Finessen der Viola brillieren lassen, die drei anderen begleiten con sordino. Das Variationenfinale darf als Reminiszenz an Joseph Haydn gesehen werden. Kaum eine andere Streichquartettformation wird diese Musik authentischer und wienerischer singen lassen. Ich erinnere mich mit Freuden an die wunderbaren Streichquartettabende im Wiener Konzerthaus, als ich neben dem Abo des Alban Berg Quartetts auch eines des damals noch sehr jungen Hagen Quartetts hatte. Unglaublich, dass dieses famose Quartett nach so vielen Jahren noch so frisch, kultiviert enthusiastisch und begeisternd klingt wie am ersten Tag.

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

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