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Neue CDs mit François-Xavier Roth (Schumann, Beethoven)

05.09.2020 | cd

Neue CDs mit François-Xavier Roth

 

Robert Schumann: Symphonien Nr. 1 und 4; Gürzenich Orchester Köln; myrios

 

Beethoven: Symphonie Nr. 5, Gossec: Symphonie à 17 parties – Les Siècles; harmonia mundi

 

 Der im westlichen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geborene Francois-Xavier Roth ist einer der interessantesten und seriösesten Neudeuter klassischen symphonischen Repertoires. Wie sein vom Marketing und Auftritt her schrillerer griechischer Kollege Teodor Currentzis stützt sich Roth mit seinem 2003 gegründeten Orchester Les Siècles auf die Erkenntnisse der Originalklangbewegung, führt den Bogen aber wieder zurück in weniger ideologisch motivierte, dafür umso musikantischere Gefilde der Interpretation. Dynamik und Temporückungen dürfen wieder sinnstiftend wirken, der Takt wird nicht als maschinell zerschnittene Fabriksware verstanden. Flexibilität statt Rigidität.

 

Roth ist seit 2015 Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Chefdirigent des Gürzenich-Orchesters, mit denen er die Schumann-Symphonien neu erarbeitet. Der französische Wundermusiker ist aber auch erster Gastdirigent des London Symphony Orchesters und assoziierter Künstler der Pariser Philharmonie. Ob Oper, Barockes, klassische Symphonie oder zeitgenössisches Repertoire, sein artistischer Stempel hinterlässt die faszinierendsten Spuren. Schönheit und Tiefe, kompromisslose Ehrlichkeit im Ausdruck und das beschreiten neuer Wege sind Roths Markenzeichen.

 

Seine Imaginationskraft ist stupend. Die Gabe, phantastische romantisch-orchestrale Welten zu erschaffen, wird nirgendwo sternumrankter ans Licht treten können als mit den Schumann Symphonien. Die Fünfte Beethovens wiederum erscheint ganz im Licht der französischen Revolution, von deren humanistisch utopischen Idealen Beethoven fasziniert war. Roth stellt Beethovens Musik seinem französischen Zeitgenossen François-Joseph Gossec gegenüber. Die Symphonie á 17 parties ist quasi zeitgleich mit Beethovens 5. Symphonie entstanden. Für Roth ein erstaunlich moderner Komponist, was sich an der Anordnung der verschiedenen Stimmgruppen, im Reichtum des Bläsersatzes und des Einsatzes der Pauke zeigt. „Die französischen Bläser waren damals in der ganzen Welt berühmt für ihre virtuose Artikulation und ihre überragenden technischen Meisterleistungen. Beethoven wurde geprägt von dieser Art des Umgangs mit dem Sinfonieorchester und dieser musikalischen Ausdrucksweise, in der sich der humanistische und politische Schwung der Revolution niedergeschlagen hat.“

 

Empfehlung mal zwei!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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