Neue CD: Klavier-Recital mit Benjamin Grosvenor bei DECCA erschienen
Leidenschaftlich und stürmisch
Neue CD „Schumann & Brahms“ mit dem Pianisten Benjamin Grosvenor bei DECCA erschienen/

Der gefeierte 30jährige britische Pianist Benjamin Grosvenor legt hier eine interessante Werkkombination mit Arbeiten von Clara und Robert Schumann sowie von Johannes Brahms vor. Gleich zu Beginn überzeugt seine mit raschen Tempi aufwartende Wiedergabe von Robert Schumanns „Kreisleriana“ op. 16. Das achtsätzige Werk porträtiert die exzentrische Persönlichkeit des von E.T.A. Hoffmann erfundenen Kapellmeisters Johannes Kreisler. Seine Höhen und Tiefen spiegeln Robert Schumanns eigene manisch-depressive Tendenzen wider. Und bei dem einfühlsamen Pianisten Benjamin Grosvenor entfaltet sich die leidenschaftliche Erregung des ersten und dritten Stücks wie von selbst. Aber auch die Klänge seligen Glückes kommen hier nicht zu kurz. Im fünften Stück blitzen dämonische Assoziationen auf – und im siebten ergreift den Protagonisten das Schicksal mit all seiner glutvollen Macht. Das innige Hauptthema des zweiten Stücks gelingt Benjamin Grosvenor mit nie nachlassender Intensität und formaler Klarheit. Lichtes Fis-Dur beschreibt dabei den besinnlichen Zauber dieser eindrucksvollen musikalischen Poesie. In gebrochenen Oktaven tritt im sechsten Stück bei dieser Wiedergabe ein Dur-Motiv in geheimnisvoller Weise hervor. Und die Sequenzen der von Robert Schumann komponierten Romanze Nr. 2 op. 28/2 in Fis-Dur zeichnet Benjamin Grosvenor bei seiner sensiblen Wiedergabe mit weichen Konturen nach. Sehr reizvoll gelingt ihm auch Robert Schumanns Blumenstück op. 19 nach Jean Paul. Die unscharfen dynamischen Kontraste besitzen dabei eine magische Wirkungskraft – und die geheimnisvolle Verbindung der einzelnen Abschnitte untereinander kommt eindringlich zum Ausdruck. Aus Robert Schumanns dritter Klaviersonate in f-Moll erklingt bei dieser Einspielung der dritte Satz „Quasi Variazioni, Andantino de Clara Wieck“. Die Variationen des marschartigen Themas in 16 Takten interpretiert Benjamin Grosvenor hier sehr energisch und fast atemlos. Selbst Anklänge an Chopin sind versteckt herauszuhören. Das von Benjamin Grosvenor bearbeitete „Abendlied“ von Robert Schumann zeigt ebenfalls einen erstaunlichen Klangfarbenreichtum, dessen Intensität nicht nachlässt. Eine aufregende Entdeckung sind ferner die „Variationen über ein Thema von Robert Schumann“ op. 20 von Clara Schumann, die sich auf das Thema des ersten Albumblattes von Robert Schumanns „Bunten Blättern“ op. 99 beziehen. Der Klaviersatz ist hier höchst virtuos gehalten – viel figurativer und brillanter als bei Robert Schumann. Es folgt ein Zitat aus Clara Schumanns eigener „Romance variee“ op. 3, das in die Coda in die linke Hand eingeflochten ist. Für Grosvenor ist diese Komposition Clara Schumanns „ein außergewöhnliches Werk, erfüllt von strukturellem Einfallsreichtum und bemerkenswerter harmonischer Erfindungsgabe.“ Zuletzt folgen noch die keineswegs übermäßig melancholisch gestalteten drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms, wo Benjamin Grosvenor besonderen Wert auf die Tiefe des Ausdrucks legt. Die thematische Gestalt des Es-Dur-Intermezzos tritt dabei leuchtkräftig hervor, wobei die kanonische Stimmenfolge eindringlich hervorblitzt. Die schattenhaften Figuren des b-Moll-Intermezzos fesseln den Zuhörer ebenso. Und die Gesangsphrase in Des-Dur besitzt hier etwas sehr Bewegendes. Sphärenhaft gelingt dem Pianisten der von Des- nach B-Dur modulierte Gesang. Beim cis-Moll-Intermezzo überrascht dann der überwältigend gestaltete leidenschaftliche Ausbruch. Das Motiv wird harmonisch wechselhaft beleuchtet und vom Pianisten sehr schön modelliert.
Alexander Walther

