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Neue CD: „Sächsische Weihnacht“ mit Ludwig Güttler bei Berlin Classics erschienen/

03.12.2020 | cd

Blechbläserensemble Ludwig Güttler – neue CD bei Berlin Classics

PRÄZISION DES KLANGBILDES

Neue CD: „Sächsische Weihnacht“ mit Ludwig Güttler bei Berlin Classics erschienen/

Blechbläserensemble Ludwig Güttler - Sächsische Weihnacht (CD) – jpc

Für seine neue CD hat Ludwig Güttler die für ihn schönsten und besinnlichsten Weihnachtslieder zusammengestellt. Weihnachten im Erzgebirge sei etwas ganz Besonderes, so Güttler. Der bergmännischen Tradition geschuldet sei es ein Fest des Lichts. Heute wäre dies kaum nachvollziehbar, wo wir doch mit elektrischem Licht alles um uns herum erhellen würden. Das Weihnachten seiner Kindheit verbinde er mit einer lichtdurchglänzten Wirklichkeit. Die CD „Sächsische Weihnacht“ beinhaltet 36 Tracks und zwei Zugaben, die aus Güttlers Konzertprogramm der letzten Jahre zusammengesammelt wurden. Die Aufnahmen entstanden in der Frauenkirche in Dresden, in der Marienkirche in Pirna sowie der Kirche in Polditz. Die Musik solle den Hörern hier ein heimisches Gefühl vermitteln. Auffallend ist bei den einzelnen Stücken tatsächlich die hohe Strahlkraft der Blechblasinstrumente.  Dies kann man sogleich bei der majestätisch und voluminös musizierten Intrada in Es-Dur von Valerius Otto hören. Reizvoll sind ferner fünf Variationen über „Tochter Zion“ von Ludwig van Beethoven, die aufgrund ihrer harmonischen Vielschichtigkeit verblüffen. Kontrapunktischen Reichtum besitzt die facettenreich gespielte Allemanda von Antonio Vivaldi mit ihren al-fresco-Figurationen, die in zwei Blechbläserchören zum Ausdruck kommt. Der Choral für vierstimmigen Bläserchor „Wie soll ich dich empfangen“ von Johann Crüger besitzt bei dieser transparenten Wiedergabe einen klanglich vielschichtigen Überbau, der gut zur Geltung kommt. Ein besonderes Juwel ist auf dieser CD das Concerto in C-Dur aus BWV 1051/230 von Johann Sebastian Bach, wo neben Cantus-firmus-Strukturen die kontrapunktischen Spitzfindigkeiten herausragen. Die dynamischen Qualitäten sind bei dieser Passage immer wieder beachtlich. Selbst von Ludwig Güttler erklingt hier eine Komposition – nämlich die reizvolle Allemande und Courante für zwei Pauken. Güttler versetzt seine Zuhörer dabei in eine barocke Welt voller rhythmischer Finessen. Interessant ist dann auch die Begegnung mit Ludwig Güttlers subtiler Bearbeitung der berühmten Weise „Kommet ihr Hirten“ für vier Blechbläsergruppen und Pauken, wo das polyphone Geflecht besonders wirkungsvoll hervorsticht. Aber auch die neunstimmige Motette „Jubilate Domino“ für Blechbläser sowie verschiedene Choralbearbeitungen von Michael Praetorius verfehlen ihren Klangzauber nicht. Dies zeigt sich vor allem bei der vom Blechbläserensemble einfühlsam interpretierten Partita „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, die auch von Melchior Vulpius und William Brade facettenreich bearbeitet wurde. „Uns ist geborn“ für fünfstimmigen Bläserchor von Johann Walter steht hier in reizvollem Kontrast zur Komposition „Joseph, lieber Joseph mein“ für drei Trompeten und Basstuba des 1948 geborenen Gisbert Näther, die mit moderner Harmonik aufwartet. Von Walther Hensel und Ludwig Güttler erklingt das chromatisch reizvolle Stück „Postludium“, das wiederum zu Orindio Bartolinis Canzon Nr. 30 für zwei Blechbläsergruppen und Pauken einen interessanten klanglichen Kontrast bietet. Aus „Seven Madrigals on Negro Spirituals op. 58b“ von Adolf Busch überzeugt insbesondere das dritte Stück „I’m troubled in mind“, wo die thematischen Klangflächen nuancenreich miteinander verwoben werden. Nach Bastian Chileses Canzon Nr. 31 für zwei Blechbläserchöre „in Echo“ gerät dann die berühmte Partita „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ in Bearbeitungen von Michael Praetorius, Johann Sebastian Bach sowie Johannes Eccard  zu einem beglückenden klanglichen Höhepunkt bei dieser voluminösen Aufnahme. Sehr beschwingt kommen die Zugaben daher. Zum einen „The Prince of Denmark’s March“ von Jeremiah Clarke sowie Franz Liszts „Christus ist geboren“, wo das Blechbläserensemble durch einen Männerchor wirkungsvoll verstärkt wird. Insbesondere die gewaltige dynamische Steigerung entfaltet dabei eine imponierende Wirkungskraft. Die Verfeinerung der tonalen Harmonik erreicht hier eine geradezu mystische Tiefe. 

Alexander Walther

 

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