Robert Kahn Chamber Music
Spätromantischer Einfluss
Neue CD „Robert Kahn Chamber Music“ bei hänssler classic erschienen/

Mit ihrem neuen Album „Robert Kahn Chamber Music“ stellen Rahel Rilling, Annika Treutler und David Adorjan als Hohenstaufen Ensemble drei bedeutende Kammermusikwerke Robert Kahns vor. Darunter finden sich zwei Ersteinspielungen: Die Serenade in f-Moll op. 73 und das Quintett D-Dur für Klavier und Streichquartett. Es handelt sich hier um eine Weltersteinspielung mit Paul Rivinius am Klavier und Sara Rilling (Viola). Rahel und Sara Rilling sind Urgroßenkelinnen von Robert Kahn und Töchter des Bach-Spezialisten Helmuth Rilling. Robert Kahn wurde 1865 als Sohn einer der wohlhabensten jüdischen Familien Mannheims geboren. Erstmals mit der gemeinsamen Geschichte konfrontiert war Rahel Rilling, die die Aufnahme des Albums angeregt hat. Das war bei einem großen Familientreffen an der Feldberger Seenplatte. Dorthin hatte ihr Onkel, der Cellist Gottfried Greiner, geladen – in das ehemalige Haus Robert Kahns, der von dort aus 1938 nach England emigieren musste. Kahn war unter anderem auch Professor an der Berliner Musikhochschule. Er wurde von den Nationalsozialisten enteignet. Mittlerweile steht sein damals enteignetes Haus leer. Rahel Rilling würde eine Wiederbelebung des Hauses sehr wünschen. Robert Kahn, der von 1865 bis 1951 lebte, wurde von Hans von Bülow, Johannes Brahms und Clara Schumann unterstützt. Er ist auch stark von Brahms und Schumann beeinflusst.
Herausragend ist auf dieser CD die Interpretation des dreisätzigen Quintetts D-Dur für Klavier und Streichquartett mit Gabriel Adorjan (Violine), Rahel Rilling (Violine), Sara Rilling (Violine), David Adorjan (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier). Die Satzbezeichnungen lauten Allegro, Vivace und Andantino con moto. Der erste Satz endet mit einer imponierenden Fuge. Man spürt hier auch deutlich den Einfluss von Johann Sebastian Bach. Auffallend ist nicht nur die kunstvolle thematische Verarbeitung, sondern auch die Klarheit und Präzision der formalen Struktur. Und auch die Serenade für Violine, Violoncello und Klavier f-Moll op. 73 mit Rahel Rilling (Violine), David Adorjan (Violoncello) und Annika Treutler (Klavier) steht stark unter spätromantischem Einfluss. Im ersten Teil des „Andante sostenuto“ dominiert der lebenslustige und tänzerische Charakter mit zahlreichen rhythmischen Finessen. Neben den kunstvollen melodischen Einfällen des zweiten Abschnitts überraschen immer wieder Doppelgriffe und konzertant-virtuose Passagen. Sehr melodisch erscheint außerdem das Klaviertrio Nr 4 in e-Moll op. 72, in dessen erstem Moderato-Satz chromatische Wendungen auffallen. Der ironisch gefärbte zweite Satz besticht mit prägnanter Rhythmik. Neben leichten Jazz-Anklängen dominiert der Einfluss von Johannes Brahms. Im letzten Satz fällt wiederum eine kunstvolle Fuge auf, die das Hohenstaufen Ensemble mit leidenschaftlicher Emphase interpretiert. Bemerkenswert sind bei Kahns Werken außerdem immer wieder charakteristische Staccato-Tupfer und ausdrucksvolle Legato-Bögen, die sich gut ergänzen.
Alexander Walther

