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Neue CD: Rahel Rilling und Johannes Roloff interpretieren Bachs Violinsonaten bei hänssler classic/

25.12.2021 | cd

Johann Sebastian Bach – sechs Violinsonaten bei hänssler classic

Eine ständige Veränderung

Neue CD: Rahel Rilling und Johannes Roloff interpretieren Bachs Violinsonaten bei hänssler classic/

Gramola Vienna: Pure Bach - Six Violin Sonatas : JOHANN SEBASTIAN BACH : Rahel  Rilling / Johannes Roloff

Die Geigerin Rahel Rilling entstammt einer sehr musikalischen Familie. Ihr Urgroßvater mütterlicherseits ist der jüdische Komponist Robert Kahn, und durch ihren Vater, den Dirgienten und Bach-Spezialisten Helmuth Rilling, kam sie schon früh mit den Werken Bachs in Kontakt. Sie habe Bach quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Später habe sie in seinem Orchester sämtliche Kantaten samt Gesprächskonzerten in verschiedenen Sprachen aufgeführt. Als junger Mann habe ihr Vater das theologische Seminar besucht und sei später Kantor an der Gedächtniskirche in Stuttgart gewesen. Durch diesen theologischen Background habe er Bachs Musik sehr gut verstanden. Der Text sei ihm das Allerwichtigste gewesen. Die Ideen und Vorstellungen seien hier immer natürlich und logisch aufgebaut gewesen. Und die Musik spiegle den Text wieder. Das richtige Tempo, die Dynamik und das Klangempfinden hätten so viele Sternstunden ergeben. Nun hat sich Rahel Rilling entschlossen, Johann Sebastian Bachs sämtliche  Violinsonaten mit dem Berliner Pianisten Johannes Roloff einzuspielen. Sie selbst tritt ja auch immer wieder mit den Berliner Philharmonikern auf.

Als sie ihn mit den Goldberg-Variationen gehört habe, sei sie entschlossen gewesen: „Mit ihm will ich Bach spielen!“ Auch Roloff schätze die Violinsonaten von Bach sehr. Es seien  magische Stücke. Jede einzelne Sonate sei ein Juwel. Bach selbst setzte sich sehr lange mit den Violinsonaten auseinander und veränderte sie immer wieder. Dieser Werkzyklus war bis zu Bachs Tod nicht beendet und stets „in Bearbeitung“. Und man muss sagen, dass sich Rahel Rilling und Johannes Roloff bei der Wiedergabe dieser Werke sehr gut ergänzen. Schon beim eröffnenden Adagio der ersten Sonate in h-Moll BWV 1014 kann Rahel Rilling den Sechzehntel-Arabesken besonderen Glanz verleihen. Kontrapunktische Klarheit und die kunstvolle Verarbeitung der thematischen Bestandteile überzeugen in besonderer Weise. Im dreistimmigen Andante gewinnt das Zusammenspiel sogar noch an Intensität. Da leuchten die Kaskaden und Girlanden bei einander teils imitierenden Sechzehntel-Linien hell auf. Und beim rasant musizierten  Schluss-Allegro ragt die markante Wiederholung des Kopfthemas  deutlich hervor. Sehr konzentriert wird hier auch die Sonate Nr. 2 in A-Dur BWV 1015 dargeboten, wo die Arpeggio-Improvisationen der  Violine glanzvoll hervorblitzen. Beim Andante „un poco“ gewinnt die Sechzehntel-Bewegung rasant an Fahrt – und der Kanon-Abschluss in Cis-Dur zeigt klare Konturen. Das Schluss-Presto fesselt dann aufgrund seines spielfreudig musizierten Hauptthemas. Der energische Aufstieg durch den E-Dur- Dreiklang bei der Sonate Nr. 3 in F-Dur BWV 1016 ist bei Rahel Rilling ein wahrhaft weitgespanntes Figurenwerk mit reizvollen Gegensätzen. Dynamische Kontraste beherrschen das anschließende Allegro, dessen große motivische Dichte beide Künstler perfekt betonen. Im dritten Satz fällt der chaconneartige Bass auf, der auf die harmonischen Ebenen magisch ausstrahlt. Virtuos und motorisch spielen Rahel Rilling und Johannes Roloff den letzten Satz, dessen weiche Triolenbewegung einen ausserordentlichen Kontrast darstellt. Der Sonate Nr. 4 in c-Moll BWV 1017 gewinnt das Duo Rilling/Roloff ebenfalls klangliche Transparenz und klangtechnische Leuchtkraft ab. Dies gilt insbesondere für das Schluss-Allegro mit der reichen kontrapunktischen Entwicklung. Bei der Sonate Nr. 5 in f-Moll BWV 1018 beleuchtet Rahel Rilling das Hauptthema scheinbar von den verschiedensten Seiten. Der Mittelteil mit dem ersten Doppelstrich und dem neuen Motiv in Gestalt eines Seufzervorhalts überzeugt ebenfalls aufgrund des konzentrierten Zusammenspiels. Kontrapunktisch streng wirkt das Schluss-Vivace mit seinen zahlreichen Synkopierungen und chromatischen Veränderungen.

Zuletzt imponiert noch die souveräne Wiedergabe der Sonate Nr. 6 in G-Dur BWV 1019, denn Rahel Rilling und Johannes Roloff leuchten die Reife und Tiefe des h-Moll-Adagios hier voll aus. Chromatische Färbungen und Synkopierungen der Motive gipfeln in einer erhabenen Modulation nach D-Dur. Spielerisch gespielte Sechzehntel-Ketten verbinden sich brillant mit dem Trillermotiv. „Ich würde die Bach-Sonaten am liebsten nächstes Jahr wieder neu interpretieren, um zu schauen, wie ich mich mit ihnen verändere“, sagt Rahel Rilling selbst.

Alexander Walther

 

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