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Neue CD: „Northern Colours“ mit Felix Klieser (Horn) bei Berlin Classics erschienen /

02.04.2025 | cd

Schwedische Impressionen

Neue CD „Northern Colours“ mit Felix Klieser (Horn) bei Berlin Classics erschienen /

kies

Im Zentrum des neuen Albums von Felix Klieser (Horn) steht das inspirierende Werk „Soundscape – A Walk in Colours“ op. 118 von Rolf Martinsson, der 1956 in Schweden geboren wurde. Der Komponist hat bereits zwei Solokonzerte für Blechblasinstrumente geschrieben, darunter das „Concert Fantastique“. Die Begegnung mit Felix Klieser und ein Konzertbesuch  in der Elbphilharmonie Hamburg inspirierten Rolf Martinsson dazu, ein Hornkonzert für diesen Ausnahme-Hornisten zu schreiben. Die Begegnung mit Felix Klieser habe ihn maßgeblich beeindruckt, so Martinsson. „In unserem Gespräch  erhielt ich nicht nur Ideen für den Charakter und den Titel des Werks, sondern auch für die musikalischen Soundscapes, die ich schaffen wollte.“ Er beschreibt dieses harmonisch vielschichtige Werk als ein einsätziges Konzert, das sich in fünf klar unterscheidbare Teile gliedert. Es beginnt mit einer dramatischen Eröffnung, die in einen langsamen Teil übergeht. Das thematische Wechselspiel dominiert, mündet aber auch in ein temperamentvolles Furioso. Dann geht die Musik in eine betont ruhige Klanglandschaft über. Im vierten Teil sticht eine lange und kantable Arie für Horn und Orchester hervor. Im fünften Teil brechen wieder die überaus dramatischen Eröffnungssequenzen über den Hörer herein. Insbesondere das kurze rhythmische Motiv des Horns interpretiert Felix Klieser sehr prägnant. Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken unter Jamie Phillips begleitet ihn mit durchsichtigem Klangbild. „Solveigs Lied“ aus der „Peer Gynt Suite“ Nr. 2 op. 55 von Edvard Grieg in einem Arrangement von Wolfgang Renz erfährt hier eine alle Tiefen auslotende, bewegende Wiedergabe durch den fein ausbalancierenden Horn-Solisten Felix Klieser. So entstehen leidenschaftliche Bilder von farbiger Anschaulichkeit. Das spätromantische Konzert in a-Moll von Kurt Atterberg (1887 bis 1974) ist ein weiterer Höhepunkt auf dieser bemerkenswerten CD, dessen Virtuosität und bravouröse Passagen Felix Klieser sehr überzeugend herausarbeitet. Die hohen Lagen meistert Klieser ebenfalls überaus souverän. Atterberg wurde auch in Schweden geboren und studierte bei Schillings. Farbe und Kraft des heimischen Volkslieds sticht bei dieser Audnahme in erfrischender Weise hervor. So faszinieren vor allem poetisch-gefühlvolle Naturbilder. Die endlosen Phrasen und Melodien im Adagio besitzen eine unendlich strömende Emphase. Atterberg habe an manchen Solopassagen „Violoncello ad libitum“ notiert, sagt Klieser. „Hier könnten wir Hornisten verschnaufen. Aber das war für mich irgendwie nichts, ich habe den Part einfach durchgespielt“. Den Abschluss bildet die wunderbare Tondichtung  „Der Schwan von Tuonela“ von Jean Sibelius. Felix Klieser überträgt hier geschickt das markante Englischhorn-Solo auf das Horn. Dieser „Schwan von Tuonela“ opus 22,3 singt von dem Schwan, der nach der finnischen Sage auf dem breiten Strom rings um das Totenreich Tuonela sphärenhaft dahinzieht. Fahle Klänge deuten auf das schweigsame Reich, an dessen Grenzen der Schwan über die Wasser hin immer wieder den „Ruf der hilfesuchenden Seele“ anstimmt.  Dieses Seelengemälde vermag Felix Klieser zusammen mit der einfühlsam begleitenden Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken unter der inspirierenden Leitung von Jamie Phillips in beeindruckender Weise klanglich auszumalen. Einmal scheint es sogar, als ob die Sehnsucht nach Erlösung zum Leben erfüllt werde. Aber unerbittlich hält die Unterwelt fest, was ihr verfallen ist – und in gnadenloser Weite verklingt das Lied des Schwans als schwermütig klagender Abgesang.  

Alexander Walther

 

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