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Neue CD: Klavierduo Herbert Schuch & Gülru Ensari bei Avi-Produktion (SWR2) erschienen/

20.02.2022 | cd

Neue CD: Klavierduo Herbert Schuch & Gülru Ensari bei Avi-Produktion (SWR2) erschienen/

Erfrischende melodische Einfälle

Herbert Schuch & Gülru Ensari mit neuem Album -
Foto: Felix Broede

 

Herbert Schuch und Gülru Ensari sind ein durchaus gegensätzliches Duo. Das Rumänien der 80er Jahre war Herbert Schuchs Heimat. Gülru Ensari wurde dagegen in Istanbul geboren. Vor zehn Jahren wurden Gülru Ensari und Herbert Schuch ein Paar. Die beiden Pianisten wurden in Köln und Salzburg ausgebildet. Jetzt erst entdeckten sie für sich das Repertoire für Klavierduo und begannen, gemeinsam Konzerte zu geben. „Wir wollen auch unsere Zuhörer einladen, sich auf eine Reise in die Kindheit zu begeben“, sagt die Pianistin. Peter Tschaikowskys „Nussknacker“-Ballett hat das Interesse des Duos geweckt. Sie hätten festgestellt, dass sie dieses Ballett live gehört hätten, als sie klein waren. Auch die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms wecken ungarische Elemente, die in Herbert Schuchs Familie stets präsent waren. Die melodischen Einfälle sprudeln bei dieser erfrischenden Wiedergabe nur so hervor. Leichtigkeit und Unbeschwertheit beherrscht schon die „Ouvertüre miniature“. Auch der reizvolle kleine Marsch besitzt graziöse Züge. In vielen Wiederholungen wird der Achttakter variiert. Einen silbrigen Klang besitzt der „Tanz der Fee Dragee“, während der russische Tanz „Trepak“ feurig und derb erscheint. Melancholisch wirkt dann der „Arabische Tanz“ – und auch die schrillen hohen Lagen des „Chinesischen Tanzes“ kommen nicht zu kurz. Die Schleifer und Vorschläge des „Tanzes der Mirlitons“ stechen reizvoll hervor. Der Zauber böhmischer Tänze sowie gemessene und ländlerartige Weisen wechseln sich bei Antonin Dvoraks „Slawischen Tänzen“ op. 72 in facettenreicher Weise ab. Polka und Furiant entfesseln hier ungeahnte rhythmische Kräfte. Auch die „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms zeigen leidenschaftliche Emphase und stürmisches Temperament. Herausragend ist auf dieser CD das Auftragswerk „Sarmal“ des türkischen Komponisten Oguzhan Balci für Klavier zu vier Händen. Es ist eine Weltpremiere. Hier gibt es deutliche Assoziationen zu Dimitri Schostakowitsch. Musikalische Gedankengänge werden dabei wie in einer rasanten Dauerschleife präsentiert. Meditativ zwischen Schlaf und Bewusstsein erscheint schließlich der ausdrucksvolle Mittelteil, dessen magische Klänge bei dieser im Funkstudio des SWR Stuttgart 2021 aufgezeichneten Aufnahme gleichsam nachhallen.

Alexander Walther

 

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