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Neue CD der Pianistin Violetta Khachikyan bei gwk records erschienen

12.03.2020 | cd

Neue CD der Pianistin Violetta Khachikyan bei gwk records erschienen/

Präzision des Anschlags

Bildergebnis für fugenpassionen violeta khachikian

Die Pianistin Violetta Khachikyan erhielt zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben – unter anderem beim George-Enescu-Musikwettbewerb Bukarest (2. Preis) und beim Mai Lind Wettbewerb Helsinki (3. Preis). Ihr Spiel zeichnet sich immer wieder durch besonderen Klangfarbenreichtum aus. Dies demonstriert auch diese CD bei gwk records, wo insbesondere die strukturelle Nachzeichnung der beiden Fugen bei Ludwig van Beethovens Sonate op. 110 sowie bei Cesar Francks Prelude, Choral et Fugue sehr präzis deutlich wird. Tiefe und Klarheit kennzeichnet hier das einfühlsame Spiel dieser Pianistin, die auf die thematischen Zusammenhänge großen Wert legt. Insbesondere die schwärmerische Atmosphäre dieser Beethoven-Sonate sticht facettenreich heraus. So kommt das voll harmonisierte Gebilde des ersten Satzes geradezu kristallklar zum Vorschein. Auch der rauschende Harfenklang der gebrochenen Akkorde geht unter die Haut. Besonders schön gelingen Violetta Khachikyan die beiden Fugen cis-Moll und Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, wo statt romantischer Exaltiertheit strukturelle Präzision im Vordergrund steht. Der Meister der brillanten Passage und eines graziös-eleganten Staccatos dominiert hier immer deutlicher. Einflüsse von Clementi und Hummel sind ständig spürbar. Auch die vier Fugen von Robert Schumann  op. 72 beeindrucken bei dieser Einspielung durch eine ausgesprochen akribische Interpretation, die viele Details nuanciert berücksichtigt. In der zweiten Fuge mit ihrer Transposition nach d-Moll macht sich eine gewisse Nähe zu Johann Sebastian Bach bemerkbar. Assoziation zu Chopins f-Moll-Etüde zeigen sich dann bei der dritten Fuge sehr deutlich. Bach- und Händel-Reminiszenzen beherrschen die vierte Fuge mit ihrem mitreissenden Elan. Pathetisch und erhaben zugleich erscheinen Cesar Francks Prelude, Choral et Fugue, wo Violetta Khachikyan ganz aus sich herausgeht. Das geistige Leitmotiv und das chorale Melos erhalten eine großartige Aura, die sich über das gesamte Spiel dieser in Südrussland geborenen Pianistin wölbt. Vor allem die Harfenklänge des Präludiums rauschen mit einem leidenschaftlichen Motiv auf. Mystische Ekstase macht sich breit. Die enharmonische Modulationstechnik feiert dann beim Fugenthema Triumphe. Das chromatische Hauptmotiv wird mit Akribie herausgemeisselt. Und das mystische Rauschen schwillt so zum gewaltigen Glockenmotiv an. Feinnervig musiziert Violetta Khachikyan zudem Präludium und Fuge in cis-Moll von Karol Szymanowski, wo der Einfluss Alexander Skrjabins deutlich wird. Transzendente Kühnheiten, harte Dissonanzen und krasse Dynamik beherrschen  das Spiel der Pianistin. Auffallend sind auch die weiträumigen Intervallspannungen, wobei die Klangqualität der Aufnahme manchmal etwas nachlässt. Sehr lyrisch und  einfühlsam musiziert Violetta Khachikyan dann zuletzt Sergei I. Tanejews Präludium und Fuge gis-Moll op. 29, wo sie die thematischen Zusammenhänge wiederum ausgezeichnet betont. Wie geschickt gerade Tanejew das russische Liedgut mit den traditionellen Techniken des Kontrapunktes verbunden hat, arbeitet die Pianistin mustergültig heraus.

Alexander Walther

 

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