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Neue CD „Bridges“ beim Label BIS erschienen. Danae Papamattheou-Matschke/ Uwe Matschke (Werke für Violine und Klavier)

08.06.2023 | cd

Neue CD „Bridges“ beim Label BIS erschienen

Ein breites Spektrum

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Neue CD „Bridges“ beim Label BIS erschienen/

Die Violinistin Danae Papamattheou-Matschke wurde in Griechenlands Hauptstadt Athen geboren und beendete ihre Studien mit dem Konzertexamen an der Hochschule in Hamburg. Ihr Vater Uwe Matschke wurde 2001 zum Klavierprofessor an die Makedonische Universität von Thessaloniki berufen. Beide haben nun beim schwedischen Label BIS eine Aufnahme unter dem Titel „Bridges“ vorgelegt. Sie vereint Werke für Violine und Klavier von vier griechischen  und griechisch-stämmigen Komponisten. Ausgelöst sei dieses Konzept durch ihre Dissertation geworden, die sich mit der Sonate für Violine und Klavier griechischer Komponisten der Diaspora nach 1950 befasste, erklärt Danae Papamattheou-Matschke. Zentrale Fragen seien dabei gewesen: „Was passiert mit Menschen, die aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat wechseln? In welcher Weise formt es die Person? Entsteht Neues?“ Diese Zusammenstellung sei für die beiden Musiker zur Entdeckungsreise geworden. Ihr Vater würde sich im Bereich des zeitgenössischen griechischen Musikschaffens zwar besser auskennen, doch auch ihr sei bei der Vorbereitung für Wettbewerbe aufgefallen, dass es eine große Bandbreite an Werken und Komponisten gebe, bei denen es sich lohnen würde, sie einem dafür offenen Publikum vorzustellen und nahezubringen. Der griechisch-stämmige Komponist  Boris  Papandopulo wurde in Honnef am Rhein geboren und wuchs in Zagreb auf. Seine beiden auf dieser CD zu hörenden Werke „Meditation“ und die Sonate für Violine und Klavier sind sehr stark durch die Volkstradition des westlichen Balkans beeinflusst. Die erweiterte Tonalität steht hier im Zentrum. Thematisches Material der viersätzigen Sonate für Violine und Klavier bildet das bosnische Volkslied „Grana od bora“. Das zeigt auch das tänzerisch inspirierte Scherzo im balkanischen Takt bei der Violinsonate, die beide Solisten sehr erfrischend interpretieren. Das Largo ist dann ein expressiver Satz mit absteigenden Melismen und atmosphärischer Harmonik. Bei der „Meditation“ geben variierende Strophen dem Geigenton einen wunderbaren Raum zur Entfaltung. Dinos Constantinides ist ein typischer Komponist der Diaspora, der sich selbst als Neuromantiker bezeichnet. Seine Sonate für Violine und Klavier besticht durch die bei dieser Aufnahme überzeugend interpretierten ausschwingenden melodischen Linien und eine ausgeprägte Zwölftontechnik.  Dimitri Terzakis stammt aus Athen. Seine „Sonate infernale“ und die „Sprüche im Wind“ als zehn Miniaturen wurzeln in der Tradition des östlichen Mittelmeers. Zu der „Sonate infernale“ wurde Terzakis durch die Lektüre der „Göttlichen Komödie“ von Dante inspiriert. Rhythmisch lineare Strenge ist hier auffallend. Insbesondere das in raffinierten Mikrointervallen komponierte Violinsolo des zweiten Satzes ragt aufgrund der elektrisierenden Interpretation von Danae Papamattheou-Matschke heraus. Die „Sprüche im Wind“ für Violine und Klavier sind der „Sonate infernale“ stark verwandt. Der vierte Komponist auf diesem interessanten Album ist Yannis Constantinidis. Der Grieche studierte unter anderem in Berlin. Er arbeitete als Pianist im Kabarett und in Stummfilmkinos. Er benutze authentische griechische Volksmelodien und Tänze, baue und harmonisiere aber mitteleuropäisch, erklärt die Geigerin. Seine „Suite sur des melodies populaires grecques du Dodecanese“ besticht aufgrund ihrer klangfarbenreichen Harmonisierung und impressionistischen Sensibilität.  Diese CD ist in jedem Fall eine Bereicherung des Repertoires.

 

Alexander Walther

 

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