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Neue CD bei hänssler classic mit Mikhail Pochekin erschienen (Violinkonzerte von Mendelssohn/ Bruch)

03.05.2022 | cd

Violinkonzerte von Mendelssohn und Bruch bei hänssler classic erschienen

Eine besondere Rarität

Romantic Violin Concertos, Mendelssohn • Bruch

Neue CD bei hänssler classic mit Mikhail Pochekin erschienen/

Mikhail Pochekin präsentiert Violinkonzerte von Bruch und Mendelssohn bei hänssler classic/ Das zweite und das dritte Violinkonzert von Max Bruch stehen im Schatten seines ersten Violinkonzerts. Für den Geiger Mikhail Pochekin ist das zweite Bruch-Konzert in d-Moll op. 44 ein nicht weniger herrliches Stück als das erste. Es wurde bereits von großen Violinisten wie Jascha Heifetz, Mischa Elman und Itzhak Perlman gespielt. Das Werk ist in der Tat hochromantisch und besitzt auch eine gewisse Nähe zum ersten Bruch-Konzert in g-Moll. Dieses zweite Bruch-Konzert ist ohne Pablo de Sarasate nicht denkbar, denn für ihn wurde es geschrieben. Es wurde im Jahre 1877 im Londoner Crystal Palace mit Sarasate als Solisten und Bruch am Dirigentenpult uraufgeführt. Die Themen haben hier immer wieder „Vorspiel-Charakter“ und werden von Mikhail Pochekin voll ausgekostet. Als Meister der Instrumentation und Satzkunst findet Bruch dabei mehrfach Gelegenheit zu eindrucksvollen Steigerungen – und den abwechslungsreichen Solopart gestaltet der russische Geiger Mikhail Pochekin sehr wirkungssicher. Die Melodienfülle des ersten Satzes Adagio  ma non troppo nimmt den Zuhörer bei dieser Aufnahme mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der einfühlsamen Leitung von Sebastian Tewinkel sofort gefangen. Im Finale wird das Thema sehr mitreissend interpretiert und besitzt eine geradezu leidenschaftliche spieltechnische Fülle. Auch der tänzerische Schwung und die vorwärtsdrängende Kraft kommen nicht zu kurz. Die Assoziationen zu Johannes Brahms sind unüberhörbar. Mikhail Pochekin nutzt blendend die solistischen Möglichkeiten aus. Und auch der prunkvolle Abschluss offenbart kontrapunktische Meisterschaft. Das Violinkonzert in e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy ist ungleich bekannter als das zweite Violinkonzert von Max Bruch. Auch hier gelingt es Mikhail Pochekin, das Themengeflecht zusammen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Sebastian Tewinkel offenzulegen. Und der nahtlose Übergang der drei Sätze gelingt bei dieser opulenten Aufnahme überzeugend. Im ersten Satz besticht die Sangbarkeit des ersten Themas, dessen lyrischer Grundzug hervorragt. Es kommt zu einer großzügigen Fortspinnung – und auch der Seitengedanke ist von leidenschaftlicher Unruhe geprägt, die Mikhail Pochekin ausgezeichnet herausarbeitet. Gelegentlich könnte die dynamische Balance zwischen Solist und Orchester allerdings noch genauer sein. Der Aufruhr wird immer wieder von der Solovioline besänftigt. Die Holzbläser stimmen dezent das zweite Thema an. Fast ungezügelt beschließt eine feurige Coda den Satz, an den sich das Finale anschließt. Es erinnert an ein „Lied ohne Worte“. Aus Sonaten- und Rondoform besteht dieses Finale, dessen glitzernde Emphase Mikhail Pochekin mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen temperamentvoll beschwört. Beseelte neue Melodien treten unter den funkelnden Eskapaden der Solovioline hervor – und ein visionärer „Sommernachtstraum“ beendet diesen sprühenden letzten Satz.

Alexander Walther

 

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