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NEUBRANDENBURG/ Konzertkirche: Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit

04.10.2026 | Konzert/Liederabende

Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in Neubrandenburg am 3.10.2026

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Copyright: Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, Foto: Reiko Zunk, Festkonzert

Das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Konzertkirche Neubrandenburg verbindet in diesem Jahr Richard Wagner und Richard Strauss mit dem Orchesterliederzyklus „Sommerliebe“ von Oliver Gruhn. Mit der Sopranistin Diana Schnürpel und der Neubrandenburger Philharmonie unter ihrem Generalmusikdirektor Daniel Geiss steht dabei ein Programm im Mittelpunkt, das in ganz unterschiedlicher Weise von orchestraler Farbe, Klangentfaltung und poetischer Vorstellungskraft lebt.

Bereits die Nationalhymne eröffnet den Nachmittag in einem geschmackvollen Arrangement. Auf ihrem Höhepunkt erhebt sich die Solotrompete leuchtend aus dem Orchesterklang und verleiht der vertrauten Melodie festlichen Glanz, ohne sie ins Pathetische zu steigern.

Dem musikalischen Programm voraus ging eine Festrede des Neubrandenburger Oberbürgermeisters Nico Klose. Dabei griff er das Bild des Orchesters auf, in dem unterschiedliche Stimmen und Klangfarben erst im Zusammenwirken ein Ganzes ergeben – ein für den Tag der Deutschen Einheit ebenso naheliegender wie treffender Gedanke. Gerade an diesem Nachmittag sollte sich dieses Bild auch musikalisch auf besondere Weise erfüllen.

Mit dem Vorspiel zum ersten Akt von Richard Wagners „Lohengrin“ öffnet sich anschließend eine vollkommen andere Klangwelt. Wagner selbst beschrieb darin die wunderwirkende Niederkunft des Heiligen Grals im Geleit der Engelschar. Unter Daniel Geiss wird diese Vorstellung beinahe körperlich erfahrbar. Aus dem schwebenden Beginn wächst der Klang in immer neuen Schichten empor, verdichtet sich und gewinnt zunehmend an Leuchtkraft, bis sich das Orchester in der großen Steigerung vollständig öffnet.

Gerade hier überrascht die Akustik der Konzertkirche. Angesichts des mächtigen gotischen Raumes könnte man einen langen, die Konturen verwischenden Nachhall erwarten. Stattdessen verbindet sich eine beträchtliche räumliche Wirkung mit bemerkenswerter Transparenz. Einzelne Instrumente bleiben auch im großen Orchesterklang klar wahrnehmbar, ohne sich aus dem Gesamtbild zu lösen. Selbst das Becken besitzt auf dem Höhepunkt des „Lohengrin“-Vorspiels keinen harten metallischen Klang, sondern scheint beinahe silbern aufzuleuchten.

Den vokalen Mittelpunkt des Konzerts bildet Oliver Gruhns Orchesterliederzyklus „Sommerliebe“ nach Gedichten von Hermann Hesse und Ricarda Huch.

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Copyright: Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, Foto: Reiko Zunk, Festkonzert 2026 Solistin Diana Schnürpel +GMD Daniel Geiss

Die Neubrandenburger Philharmonie erweist sich hier als ein Ensemble von hoher klanglicher Sensibilität. Unter Daniel Geiss entfaltet sich Gruhns farbenreiche Partitur mit großer Sorgfalt und erstaunlicher Durchhörbarkeit. Die Musiker behandeln die Orchestrierung nicht als bloße Begleitung der Singstimme, sondern als eigenständige poetische Ebene. Immer wieder treten einzelne Instrumente mit der Stimme in einen feinen Dialog. Besonders eindrucksvoll sind zunächst die Linien des ersten Horns und später die warmen Farben des Violoncellos.

Diana Schnürpel besitzt für diese Musik nahezu ideale Voraussetzungen. Ihr Sopran verbindet einen vollen, klaren Klang mit großer Leuchtkraft in der Höhe. Zugleich verfügt sie über jene Beweglichkeit und dynamische Spannweite, die es ihr erlauben, die Stimme bis in feinste Abstufungen zurückzunehmen. So entstehen keine bloß schön gesungenen Lieder, sondern aus dem Text heraus entwickelte musikalische Szenen.

Bemerkenswert ist dabei die Farbigkeit ihrer Stimme. Neben der strahlenden, metallisch grundierten Höhe stehen warme und weichere Töne, die sich mühelos in das Orchester einfügen. An anderen Stellen tritt die Stimme mit großer Präsenz aus dem Klangkörper hervor. Gerade dieser ständige Wechsel zwischen Verschmelzen und Hervortreten macht einen besonderen Reiz der Aufführung aus.

Auch die Diktion bleibt bei aller vokalen Fülle klar. Schnürpel formt die Texte mit großer Aufmerksamkeit für Wort und Sprachrhythmus, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen. Ihre Stimme besitzt dabei jene Mischung aus Kraft und Geschmeidigkeit, die gerade in der spätromantisch geprägten Klangsprache von „Sommerliebe“ besonders wirkungsvoll ist.

Oliver Gruhn hat die Gedichte mit ausgeprägtem Gespür für instrumentale Farben vertont. Seine Orchestrierung kann üppig aufblühen, zieht sich aber ebenso selbstverständlich auf kammermusikalische Feinheit zurück. Dadurch erhält die Singstimme immer wieder neuen Raum. Gerade in diesen Übergängen zeigt sich, wie eng Text, Stimme und Instrumentation miteinander verbunden sind.

Die besondere Akustik der Konzertkirche kommt dieser Musik entgegen. Sie trägt die Stimme, ohne sie künstlich zu vergrößern, und bewahrt zugleich die vielen feinen instrumentalen Details. Dadurch entsteht ein ausgesprochen plastisches Klangbild, in dem sich Stimme und Orchester gegenseitig ergänzen, ohne einander zu verdecken.

Nach der Pause bleibt die Neubrandenburger Philharmonie in der Welt der spätromantischen Klangfarben. In der Suite aus „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss zeigt das Orchester erneut seine Qualitäten. Fein gezeichnete kammermusikalische Passagen wechseln mit weit ausschwingenden orchestralen Bögen und den charakteristischen Walzerfiguren. Daniel Geiss hält die großen Entwicklungen sicher zusammen und gibt zugleich den zahlreichen instrumentalen Einzelheiten Raum.

So gewinnt das Programm eine bemerkenswerte innere Geschlossenheit. Wagner, Gruhn und Strauss stehen zwar für unterschiedliche musikalische Welten, doch verbindet sie an diesem Abend die besondere Aufmerksamkeit für Klangfarbe, Atmosphäre und orchestrale Leuchtkraft.

Die Konzertkirche Neubrandenburg erweist sich dafür als außergewöhnlicher Aufführungsort: Sie gibt dem Klang Größe und Raum, ohne seine Konturen zu verwischen – und lässt gerade jene feinen Farben hörbar werden, von denen dieses Festkonzert lebt.

Der große, lang anhaltende Schlussapplaus zeigte schließlich, wie unmittelbar dieser Abend sein Publikum erreicht hatte. Er galt Daniel Geiss, der Neubrandenburger Philharmonie und der Solistin Diana Schnürpel gleichermaßen und beschloss ein Festkonzert, das seinen offiziellen Anlass nicht durch äußeres Pathos, sondern durch musikalische Qualität und innere Geschlossenheit erfüllte.

 Carl Osch

 

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