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MÜNSTER/ Theater: TRISTAN UND ISOLDE. Premiere

04.11.2025 | Oper international

Münster / Theater: „TRISTAN UND ISOLDE“ – Premiere 02.11.2025

muens
Foto: Thilo Beu

 Erneut lockte „Tristan und Isolde“ meine Lieblingsoper von Richard Wagner und ich folgte willig dem Ruf zur Premiere am Theater Münster. Nach div. Besuchen in dieser schönen westfälischen Stadt mit ihrem qualitativen niveauvollen  Theater unternahm ich gerne diese Reise im Bewusstsein der vergangenen Jahre, dass vortreffliches Musiktheater zum größten Teil nicht nur an Staatsopern sondern an kleineren und mittleren Opernhäuser stattfindet. Nach Besuchen in Lübeck und Meiningen bestätigte sich diese These erneut. Leider konnte ich nicht Parsifal zitieren: nie sah ich, was ich jetzt erschau´ – sondern eher deutlich erkenn´ ich ihn, auch diesen… denn was ich ersah kam mir aus diversen Tristan-Produktionen der letzten Jahre sehr bekannt vor.  Clara  Kalus führte die Figuren der Handlung, bis auf wenige Ausrutscher, ohne darstellerische Mätzchen durch die Textur, Katharina Weissenborn creierte die insbesondere für Isolde schönen Kostüme, Soldatenlook mit Springerstiefeln für die männlichen Nebenrollen, Brangäne im Biedermeierstil, Tristan und Marke im Militärdress. Die Bühnendeko der drei Aufzüge entwarf Dieter Richter: Neonröhren, seitliche Luken im diagonal zulaufendem Raum, ein Wintergarten mit riesigem begehbarem Konterfei „Das Floß der Medusa“ dazu seitliche Glaswände zum Gewächshaus von Ingo Jooß perfekt beleuchtet, ein Metalllbett inmitten einer Tiefgarage (?). Fazit: eine sehenswerte Inszenierung mit meist optischen Lichtblicken.

Fein ziseliert, transparent webte GMD Golo Berg die ersten Takte des Vorspiels, steigerte sich allmählich mit dem bestens disponierten und vortrefflich musizierenden Sinfonieorchester Münster in die farbenreichen dynamischen Motive, wählte langsame in meinen Ohren zu langsame Tempi, sodass die hymnische überbordende Liebesekstase nicht vernehmlich wurde. Gewiss steigerte der sensible, erfahrene Dirigent wohldosiert in jene narkotischen, berauschenden, klangmagischen Themen dieser überwätigenden Partitur welche uns schier den Atem nimmt und in einen sphärischen Kosmos entführt. Blieben zuweilen leidenschaftliche Aspekte orchestral unterbelichtet ist es dem versierten Dirigenten hoch anzurechnen, wie liebevoll und sensibel er die weniger voluminösen Stimmen des Liebespaares begleitend untermalte und umso mehr die atmosphärische Vielschichtigkeit der fulminanten Steigerungen instrumental mit seinem klangschön aufspielenden Orchester kontrastierte.

Dereinst formulierte es eine großartige Hochdramatische so: die Isolde kann durchaus von einem lyrischen jugendlich-dramatischen Sopran gesungen werden, sofern die Dame die stimmliche Kraft hat, die Partie durchzustehen! Ja und heute hatten wir es erlebt.

KS. Kristiane Kaiser sang zunächst Mozart, das ital. Jugendliche sowie deutsche Sopranfach, eroberte sich Wagner mit Senta, Elisabeth und nun die Isolde. Während meiner bisher 64 Live-Isolden fand sich hin und wieder ein weniger heroischer Sopran quasi denselben Attributen der heutigen Isolde. Klangen im ersten Aufzug manche Höhenbereiche forciert in gefährlicher Solinger Nähe, verstand es die attraktive Sängerin ihren Obertönen mehr Couleurs zu schenken, glich so in kluger Technik die weniger klangvolle  Mittellage aus, verstand es jedoch mit wunderbaren Piani, bestens disponiert im Duett, der Klage im dritten Bild sowie dem überwältigenden finalen Mild und leise zu begeistern. Ich würde Frau Kaiser gerne nochmals als Isolde erleben, schaun wir mal ob es sich zeitlich realisieren lässt.

Mit hellem Mezzosopran gab Wioletta Hebrowska der Brangäne farbenreiche Konturen. Zunächst umflorte die schöne Stimme ein Vibrato, auf wundersame Weise war es im zweiten Bild entschwunden, die Dame sang weitausschwingend traumhaft schön den strömenden Wachgesang und punktete zudem mit raffinierter Vokalise im letzten Aufzug.

Aber au wei bei den  Herren war es teils weniger gut bestellt. Als Tristan versuchte sich ein Tenor zwar mit schöner jedoch zu kleiner Stimme. Brad Cooper erschien zwar darstellerisch imposant, sang wie er konnte akkurat nach Noten, teilte die Kräfte gut ein und überzeugte mit schönem Timbre, wenn auch weniger voluminösen Fieberträumen.

Ein mächtiger dunkler Bariton ist Johan Hyunbong Choi zu eigen, doch verstand es der engagierte Kurwenal  sein Material wenig kultiviert einzusetzen. KS Wilfried Staber verfügt zwar über ein sehr großes Bass-Volumen, war ein vokal larmoyanter König Marke und schleuderte seine Töne trompetenhaft in den Saal. Melots Stimme (Ramon Karolan) klang grob und rau.

Schönstimmig bereicherten dagegen Yoogeon Hyeon (Steuermann), Youn-Seong Shim (Hirt/Seemann) sowie die  agilen und sehr differenziert singenden Herren vom Opernchor und Extrachor (Anton Tremmel) das Ensemble.

Spontan Standing Ovation sowie 12 Minuten lautstarke Begeisterung für alle Beteiligten incl. Produktionsteam.

Gerhard Hoffmann

 

 

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