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MÜNCHEN/ Prinzregententheater: LA SONNAMBULA. Premiere

09.10.2015 | Oper

München: Gärtnerplatztheater: „LA SONNAMBULA“ (Premiere), 08.10.2015

Da das Stammhaus immer noch wegen Renovierung geschlossen ist, fand die erste Saisonpremiere des Ensembles des Gärtnerplatztheaters, „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini, im Münchner Prinzregententheater statt. Zahlreich erschienene Belcanto-Fans erlebten einen sehr gelungenen Opernabend. Das Regieteam um Michael Sturminger hatte den Spagat geschafft, die Inszenierung einerseits historisch und andererseits zeitgemäß modern aussehen zu lassen. Solisten und Chor trugen geschmackvolle Kostüme im Stil des frühen 19. Jahrhunderts. Man sah die bürgerliche und ländliche Gesellschaft eines wohlhabenden Schweizer Dorfes. Dazu wurden Landschaftsbilder mit Bergen und Wald auf den Bühnenhintergrund oder auf bewegliche durchsichtige Wände projiziert, was dem Bühnenbild einen modernen Charakter gab und eine allzu plüschige Optik verhinderte. Sturmingers Personenregie war klar konturiert und fand die richtige Mischung zwischen Leichtigkeit, Witz und Ernsthaftigkeit.

Amina wird von ihrem ersten Auftritt an als etwas sonderbares Wesen gezeigt, dass die Dorfbevölkerung durch ihre Andersartigkeit fasziniert. Jennifer O’Loughlin verkörperte dieses verträumte, immer ein einer etwas anderen Welt lebende Mädchen auf anrührende Art und Weise. Musikalisch gestaltete sie die Partie souverän mit virtuosen Koloraturen, aber auch sehr schönen lyrischen Passagen. Am Ende konnte sie sich über tosenden Applaus des begeisterten Publikums freuen. Der amerikanische Tenor Arthur Espiritu wusste als Elvino ebenfalls voll zu überzeugen. Mit seiner tragenden, hellen, vielleicht etwas glanzlosen Stimme sang er die Partie mühelos und war Jennifer O’Loughlin ein ebenbürtiger Partner. Eine große Freude war es auch, Maria Nazarova als Lisa zuzusehen und zuzuhören, besonders natürlich bei ihrem hinreißenden „Disco-Auftritt“ im 2. Akt, als Lisa sich als Elvinos Braut endlich am Ziel ihrer Träume wähnt. Maxim Kuzmin-Karavaev als Rodolfo und Anna Agathonos als Teresa boten ebenfalls sowohl darstellerisch als auch musikalisch hervorragende Leistungen. Chefdirigent Marco Comin leitete das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz, das die Partitur mit viel Temperament, aber dennoch präzise und mit Sinn für Feinheiten darbot. Am Ende großer Jubel des begeisterten Premierenpublikums.

Gisela Schmöger

 

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