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MÜNCHEN/ Herz Jesu-Kirche/Neuhausen: TOBIAS AND THE ANGEL von Jonathan Dove. Deutsche Erstaufführung

16.01.2016 | Oper

Stimmungsvolle Kirchenoper in München: „Tobias and the Angel“ von Jonathan Dove (Deutsche Erstaufführung: 15. 1. 2016)

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Der Komponist Jonathan Dove, geb.1959. Copyright: BR Klassik

In ihrer Konzertreihe brachte der BR-Klassik am 15. Jänner 2016 in der Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen die Kirchenoper „Tobias and the Angel“ des britischen Komponisten Jonathan Dove zur deutschen Erstaufführung. Obwohl ursprünglich als konzertante Aufführung angekündigt, wurde sie in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese München und Freising in englischer Sprache szenisch dargebracht. Ihre Uraufführung hatte die Kirchenoper im Jahr 1999 in London.

In der Geschichte von Tobias and the Angel geht es um einen alttestamentarischen Stoff, der von Blindheit und Besessenheit handelt. Tobias begibt sich auf Wanderschaft und wird von einer geheimnisvollen Gestalt durch die Berge geleitet. Der Begleiter erweist sich als Engel Raphael, der Heilung und Erleuchtung bringt. Tobias kann seinen Vater von der Blindheit erlösen und seine frischvermählte Frau von bösen Geistern befreien.

Jonathan Dove (geb. 1959) schrieb sein Werk in der Tradition der britischen Kirchenopern von Benjamin Britten, wobei ihm eine farbenprächtige Partitur gelang, die von acht Musikern des Münchner Rundfunkorchesters unter der engagierten Leitung von Ulf Schirmer in allen Nuancen wiedergegeben wurde.

Der Regisseurin Barbara Schöne gelang mit wenigen Requisiten, aber symbolhaften Bildern eine passable Inszenierung. Im Programmheft, in dem auch das Libretto von David Lan in englischer und deutscher Sprache abgedruckt wurde, sind ihre Gedanken zum Werk veröffentlicht. Daraus ein Zitat: „Eine Oper rundfunktauglich zu inszenieren, bedeutet selbstverständlich einige kleine Einschränkungen. … Mit kleinen Bühnen- bzw. Requisitenteilen werden wir die Geschichte bebildern und verständlich machen. Je reduzierter hier gearbeitet wird, umso deutlicher wird die Erzählung – und der Zuschauer kann sich voll und ganz auf das Hörerlebnis einlassen.“

 Genau das gelang der Regisseurin u. a. mit ein paar kahlen Baumstämmen, einem Fisch und Täfelchen mit der Skizze eines Gebirges, die vom Chor hochgehalten wurden. Wenig ist oft mehr – ein Leitspruch, den so mancher Regisseur beherzigen sollte! Sehr eloquent auch ihre Personenführung des erstklassig besetzten Sängerensembles. Köstlich die Szene mit den Spatzen, die von Kindern dargestellt wurden.

Mit starker leuchtender Stimme faszinierte der dänische Tenor David Danholt in der Titelrolle. Seine Wanderschaft über die Berge, von Raphael begleitet, imitierte er zwischen Chor und den Musikern mit Ruhe ausstrahlender Selbstsicherheit. Den Engel Raphael sang der englische Countertenor Nicholas Hariades mit hoher, klarer Stimme. Eindrucksvoll auch sein Tanz auf einem Stuhl, als hätte er tatsächlich Flügel.

Tobias Mutter Anne wurde von der deutsch-äthiopischen Mezzosopranistin Sarah Ferede mit ausdrucksstarker und wandlungsfähiger Stimme gesungen. Tobit, den Vater von Tobias, stellte der österreichische Bariton Paul Armin Edelmann dar. Stimmlich stark, recht bald erinnerte man sich an seinen Vater Otto (der Apfel fiel nicht weit vom Stamm!), agierte er auch schauspielerisch in der Szene am Schluss, als er von seiner Blindheit geheilt wird, sehr eindrucksvoll.

Tobias Braut Sara gab die in München geborene Mezzosopranistin Susan Zarrabi. Auch sie überzeugte durch ihr ausdrucksstarkes Spiel und ihre wandlungsfähige Stimme. Ihrem Vater Raguel lieh der deutsche Tenor Simon Bode, dem Rezensenten bereits bei der Uraufführung der Eötvös-Oper Der goldene Drache in Frankfurt angenehm positiv aufgefallen, seine kräftige, lyrisch klingende Stimme. Die Rolle der Edna, der Mutter von Sara, spielte und sang die junge australische Sopranistin Alexandra Flood sehr ambitioniert. Sie war Preisträgerin beim Meistersinger-Wettbewerb in Graz und gab bereits 2014 ihr Operndebüt bei den Salzburger Festspielen.

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Der Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater München (Foto: BR-Klassik)

Den Dämon Ashmodeus spielte der Berliner Bariton Peter Schöne, der in seine Stimme Verzweiflung und Leid zu legen verstand. Besonders kraftvoll sang der etwa 60köpfige Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater München (Einstudierung: Martin Steidler, Assistenz: Johanna Soller), der als Volk auf dem Marktplatz auch mimisch blendend agierte. Prächtig auch der vor der Orgel in luftiger Höhe sitzende Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, dessen Stimmen wie Himmelschöre klangen (Einstudierung: Verena Sarré).

Das begeisterte Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche feierte am Schluss alle Mitwirkenden mit nicht enden wollendem Beifall und vielen Jubelrufen. Verdientermaßen!

Udo Pacolt

 PS: Der Mitschnitt der Kirchenopern-Aufführung wird am Sonntag, dem 24. Jänner 2016, um 19 Uhr 05 auf BR-Klassik gesendet.

 

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