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MÜNCHEN/ Gärtnerplatztheater im Cuvilliestheater: COSÌ FAN TUTTE. Premiere

14.06.2015 | Oper

München (Gärtnerplatztheater im Cuvilliestheater) – COSI FAN TUTTE (Premiere am 13.Juni)

 Es gibt seit einigen Jahren einen regen künstlerischen Austausch zwischen dem Gärtnerplatztheater in München und der Volksoper in Wien. Und während Josef E. Köpplinger, Intendant am Gärtnerplatz, für die erste Premiere der kommenden Saison an der Volksoper in Wien probt, inszeniert Olivier Tambosi, Regisseur der darauf folgenden Volksopernpremiere, in München. Dass „Cosi fan tutte“ an beiden Häusern im Abstand von nur wenigen Wochen in einer Neuinszenierung Premiere hatten, ist ein beachtenswerter Zufall. Im Gegensatz zu Wien singt man in München allerdings in Italienisch.

Als „Dramma giocoso“, komisches Singspiel, kündigt der Theaterzettel der Uraufführung das Werk an. Und an diese vom Komponisten wie vom Textdichter zweifellos autorisierte Bezeichnung hält sich der Regisseur der gestrigen Premiere im historischen Cuvilliestheater wörtlich. Olivier Tambosi widersteht der Versuchung, das Stück psychologisch zu hinterfragen oder den Text neu zu interpretieren. Für ihn, den ausgebildeten Sänger, steht die Musik im Mittelpunkt. Aus ihr leitet er die Handlung ab. Und was einst eine Selbstverständlichkeit war, muss heute und an dieser Stelle lobend erwähnt werden: die Musiker spielen die Ouvertüre vor geschlossenem Vorhang! Ein einfaches, beinahe steriles Bühnenbild (Bühne: Bengt Gomér) verhindert, dass die Optik vom Geschehen ablenkt; der an einen Anatomiesaal erinnernde Bühnenraum unterstreicht das Sezieren der Gefühlswelt der beiden Paare. Das Bühnenbild ergänzt ein immer wieder vom Schnürboden abgesenkter Zwischenvorhang mit den Bildern von Fiordiligi und Dorabella. Den Kontrast zur beinahe kalten Bühne bilden die ebenso stimmigen wie farbenprächtigen Kostüme von Carla Caminati.

Vor den überlebensgroßen Bildern der beiden Schwestern beginnt auch die erste Szene. Ferrando und Guilelmo kommen aus der Fechtstunde und besingen die Schönheit und Treue ihrer Geliebten. Allein der lebenserfahrene Alfonso bestreitet diese Sichtweise und bietet eine Wette an. Das Spiel beginnt und nimmt seinen Lauf. Wie die beiden Freunde sind auch die Schwestern vom Typ ähnlich besetzt; der Partnertausch wird dadurch plausibler. Auch deshalb, weil in den durchwegs roten Kostüme die Mädchen einander wie ein Ei dem andere gleichen und auch die unbekannten Fremden – wie vorher schon die geliebten Soldaten – gleich gewandet sind. Einen zusätzlichen Farbtupfen bildet die als Doktor und Notar kanarienvogelgelb kostümierte Despina ab. Das böse Spiel geht nicht lange gut. Es nutzt auch nichts, dass die beiden Schwestern immer wieder sehnsüchtig die Fotos ihrer Geliebten betrachten und zuletzt die Köpfe ausschneiden und in ein Medaillon stecken.

Die musikalische Umsetzung reißt das Publikum nach kurzweiligen dreieinviertel Stunden zu Jubelstürmen hin. Andrè Schuen  ist dem Besucher aus Wien noch vom da-Ponte-Zyklus unter Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien als Guilelmo  in bester Erinnerung. In dieser Rolle brilliert er auch an diesem Abend spielfreudig und stimmsicher. Für mich ist er derzeit die Idealbesetzung für diese Partie. Als Fiordiligi feierte Jennifer O´Loughlin ein fulminantes Rollendebut. Beinahe schwerelos singt sie die langen Phrasen in „Come scoglio“ und meistert die Notensprünge dieser Arie mit Bravour. Die Opernfreunde in München dürfen sich freuen, dass diese hervorragende Sängerin demnächst dem Gärtnerplatzensemble angehören wird. Ihre Schwester Dorabella singt mit warmen Mezzo die junge Russin Lena Belkina, die auch schon in Wien zu hören war. Man sollte sich den Namen dieser Sängerin merken. Ralf Lukas ist ein würdiger und gleichzeitig subtil hinterhältiger Don Alfonso. Man muss dem Besetzungsbüro dankbar sein, dass mit ihm ein Sänger engagiert wurde, dessen dunkles Timbre sich deutlich von der Stimme Guilelmos unterscheidet.
Die Despina des Abends, Maria Celeng, war Mitglied im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und hat in anderen Häusern auch schon die Fiordiligi gesungen. Der Rolle der Kammerzofe, so ist jedenfalls mein Eindruck, dürfte sie also bereits entwachsen sein, was ihre Leistung aber objektiv nicht mindert. Nicht wirklich glücklich werden konnte ich mit dem Ferrando des Dean Power, der bei seinem Rollendebut hörbar mit Stimmproblemen zu kämpfen hatte. Inoffiziell konnte man allerdings erfahren, dass der am Nationaltheater engagierte Sänger während der Probenzeit regelmäßig an seinem Stammhaus angesetzt war und sich auf die Rolle nur unzureichend vorbereiten konnte.

Gewohnt gut bei Stimme und überaus spielfreudig agiert der Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Umsichtig und sängerfreundlich leitete Michael Brandstätter die nicht nur musikalisch erfolgreiche Premiere.  

 Michael Koling

 

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