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MÜNCHEN/ Cuvilliestheater: DIE ENGLISCHE KATZE von Hans Werner Henze

01.02.2026 | Oper international

München /Cuvilliestheater: Die Englische Katze, von Hans Werner Henze, 30.1.2026

eng

Das ist nicht die erste Aufführung von Henzes Englischer Katze in München,sie wurde schon einmal vom Staatstheater am Gärtnerplatz herausgebracht.Auch wenn es seit dem Ableben vor über 10 Jahren um den deutschen Wahlitaliener Henze, einem fast alle Genres bedienenden Komponisten, ruhiger geworden ist, wird er weiterhin gespielt, besonders die Opern The Bassarids, wie The English Cat auch mit dem Librettisten Edward Bond, sowie auch Opern mit Ingeborg Bachmann zusammen, besonders Der Prinz von Homburg, weniger Der Junge Lord. Seine ’szenischen Aktionen‘ „Wir erreichen den Fluss“ und das ‚Oratorium‘ „Floss der Medusa“ lösten auch politische Demonstrationen aus.Nun wird sein 100.Geburtstag im Juli gefeiert, und die Bayrische Staatsoper legte schon mal mit der Englischen Katze vor, von Henze auch als Opera buffa bezeichnet wenn sie auch einigermassen sarkastisch-tragisch endet.Henze war ja  auch ein internationaler Künstler, indem er seit den 50er Jahren In Italien lebte, dort ein bis heute bestehendes Festival gründete  und eine erkleckliche Anzahl Opern auf Englisch komponierte.

Die Englische Katze,  Auftragswerk der Schwetzinger Feststspiele und der Württembergischen Staatstheater Stuttgart, wurde im Schosstheater Schwetzingen in den 80er Jahren uraufgeführt. Seit Karajan an der Wiener Staatsoper in den 50er Jahren Direktor war, setzte sich allgemein durch, dass  Opern in ihrer Originalsprache aufgeführt wurden. Das war aber in Schwetzingen und jetzt im Cuvilliestheater nicht der Fall,sondern es wurde auf deutsch in der Fassung von Ken Bartlett gesungen. Wohl nach dem Motto: Die Oper eines Deutschen geben wir jedenfalls in der deutschen Übersetzung. In Schwetzingen musste sich Henze wohl den Wünschen seiner Auftraggeber beugen. Dass sich die Oper im deutschsprachigen Raum auch besser durchsetzt, ist damit aber sicher nicht gesagt.Immerhin druckt die Bayrische Staatsoper die Libretti deutsch und englisch im Programmheft ab.

Der 1.Akt wird gleich von einer Emsembleszene beherrscht, die, von Edward Bond,Zeitgenossen Henzes nach der Novelle Balzacs „Die Herzenspein einer englischen Katze“, ins viktorianische England verlegt wurde. Es trifft sich die KGSR, königliche Gesellschaft zum Schutz der Ratten, vegetarisch ausgerichtet, und die sogar die junge Waisenmaus Louise als Kassenwartin aufgenommen hat. Es geht um die Verheiratung der jungen Landkatze Minette mit dem Londoner Kater Lord Puff, der Präsident der Gesellschaft werden will. Hintertrieben aber von seinem Neffen Arnold, der in Geldnöten und violettem Bratenrockkostüm (Kost.: Dorothee Jolsten) an das Erbe seines Lordonkels kommen möchte.In neoklassischer Weise komponiert Henze verschiedene aneindergesetzte französische Suitensätze,versteht es aber auch, die Musik in Atonalität und Reihenkomposition zu ziehen, so dass  auch im Verein mit ausgepichter Perkussion sich oftmals der Eindruck von chaotischen Soundblöcken, abgefedert von Bambusrascheln, einstellt.

Im 2.Akt sehen wir Minette in einem weissen Nachtkleid auf dem klein geratenem Dach des Hauses (Bühne: Christian A.Tabakoff). Als Katze kann man sie sich ja so schon vorstellen. Aber in der Inszenierung von Christiane Lutz gibt es weder Katzen noch sonstige Tiere. Sie räkelt sich aber wie eine selbige, um sich zu erholen von der ganzen  Verlobungsprozedur. Da kommt ein streunender Kater Tom vorbei , und in der Musik klingt es  jetzt unüberhörbar von Liebe, der mediterrane Henze kommt zum Zug. Minette will Tom aber erstmal nur zum KGSR-Mitglied machen, als Hochzeitgeschenk für Lord Puff. Arnold versucht die Hochzeit mit makabren Einfällen erfolglos zu torpedieren.In der vollzogenen Ehe ist sie aber nicht glücklich, obwohl sie sogar Cello spielen lernt/Idee der Regisseurin. Der verschwundene Tom singt dann unverhoffter Weise ein Ständchen für sie. Er wollte aus Kummer zur Marine, desertierte dann aber aus Sehnsucht nach seiner ‚Katze‘. Minette will aber ihr happy end aufschieben bis er seine Strafe abgesessen hat, weil Lord Puff dann auch sicher verstorben sei. Das alles zu herzhaften Küssen auf dem grossen Ehebett, bis sie von der KGSR überrascht werden. Jetzt Scheidungsprozess in gut englischer Manier. Tom, dem Tod durch Prügelstrafe entkommen, hat sich als Verteidiger installiert, wird aber später enttarnt. Köstliche Verhandlung mit Locken-Toupees wieder auf dem Dach. Der Staatsanwalt erkennt in ihm den Sohn von Lord Fairport, der auf See umkam. Damit ist Tom plötzlich reichster Mann Englands.Die Rettung der unwürdig geschiedenen Minette, die mit KGSR-Spruch ertränkt werden soll, seitens Toms und Babettes scheitert. Letztere aber kommen sich mit dem Segen Minettes jetzt näher. Nun muss nur noch Tom sterben, da er der KGSR sein Geld nicht hergeben will. Louise kann aber als Kassenwartin mit dem verbleibendem Geld entkommen, das ist folgerichtig von der Regisseurin in Szene gesetzt. Minette erscheint wie in grosses Fell eingenäht nochmal dem sterbenden Tom.

Diese krassen Schlusswendungen im kongenial von Henze vertonten Plot seines zeitweise Lieblings-Librettisten Bond lässt sich auch die junge Dirigentin Katharina Wincor nicht entgehen,die die Mitglieder der Bayrischen Staatsoper zu einer intensiven Höchstleistung,und in den Liebesszenen zu prägnant orchestrierten schwärmerischen Hymnen  bewegt.

Die Produktion ist vom Opernstudio der Staatsoper und damit die ‚Geschichte für Sängerinnen und Instrumentalisten‘, so Henze, mit jungen Gesangskräften aus dem Opernstudio besetzt. Betty,eine Geschworene,übernimmt Mezzosopranistin Lucy Altus. Die Genossinnen und Genossen der KGSR sind Bruno Kouri als Mr.Plunkett,  Bassbariton, auch Staatsanwalt;  Jess Dandy als Lady Toodle, Altistin;  Nontobeko Bhengu, Sopran, als Mrs Gomfit; Elene Gvitishvili, Sopran, als Miss Crisp; Iana Aivazian, armenischer Sopran als Louise; Samuel Stopford, Tenor als Peter; Zhe Liu, Bariton als Mr.Jones, auch Richter und Mr. Fawn. 

Weiters der Bass Daniel Wening als Arnold,der sich auch als Intrigant bewährt und seinen Bass mit reichen Abschattierungen zu Gehör bringt. Schliesslich der zum Oberhaupt der KGSR aufsteigende  Lord Puff, der lyrische Tenor Michael Butler. Babette,die Schwester Minettes ist der Mezzo Meg Brilleslyper und füllt den Part kurzzeitig an Toms Seite einfühlsam aus.

Dieser  wird von Bariton Armand Rabot  mit schönfärbigem volumigen Bariton,auch was Körpersprache angeht, herausragend gesungen und gespielt.

Getoppt nur noch von der eigentlich unscheinbaren Minette der Seonwoo Lee, südkoreanischer Sopran, die die Rolle völlig durchdringen kann. Als schriebe ihr Henze diesen zwar leicht resignierten, aber doch ausdrucksreichen, kaum zu extensivem Vibrato neigenden Sopran in die Kehle.

Friedeon Rosen

 

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