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MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett im Nationaltheater: „JEWELS“

17.10.2021 | Ballett/Tanz

München: Bayerisches Staatsballett: „JEWELS“, 16.10.2021

Wie schön, dass es auch in München wieder „richtiges“ Ballett gibt, d.h. Stücke, deren Teilnehmerzahl nicht aus Hygienegründen ausgedünnt werden muss, vor vollem Zuschauerraum. Einzig die Maskenpflicht für das Publikum auch während der Vorstellung ist noch lästig. Wenn jedoch so mitreißend und inspirierend getanzt wird, wie die Tänzer des Bayerischen Staatsballetts es am 16.10. in George Balanchines „Jewels“ taten, dann vergisst man sogar das.

Bereits im ersten Teil, den vom französischen Impressionismus inspirierten „Emeralds“, begeisterten Solisten (Prisca Zeisel mit Emilio Pavan, Jeanette Kakareka und Vladislav Dolgikh sowie Carolina Bastos, Margarita Fernandes und António Casalinho) und Corps de Ballet das Publikum. Obwohl es tänzerisch den ein oder anderen Wackler gab, was man vom Staatsballett sonst gar nicht gewohnt ist, strahlte dieser Akt eine faszinierende, träumerische Atmosphäre aus, in der sich die duftige Musik von Gabriel Fauré und die leichten, anmutigen Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer zu einer perfekten Symbiose zusammenfügten. Die dynamischen, spritzigen, rasanten „Rubies“ zur Musik von Igor Strawinsky wurden zu einem Höhepunkt des Abends, nicht zuletzt wegen des fulminanten Auftritts von Prisca Zeisel als Solistin. In dieser Partie kann sie ihre ganze technische Klasse, ihren eleganten Stil und ihr großes tänzerisches Selbstbewusstsein voll ausspielen und man kann ihr nur voller Bewunderung zusehen. Einen reizvollen Gegensatz zur großen, langgliedrigen Prisca Zeisel bot die kleine, quirlige, ebenfalls virtuos tanzende Sofia Ivanova-Skoblikova, die zusammen mit dem wie immer hoch souveränen Osiel Gouneo das Solo-Paar tanzte. Auch „Diamonds“, der opulente Schlussteil des Abends zur Ersten Sinfonie von Peter Tschaikowski, begeisterte das Publikum. Madison Young debütierte an der Seite des noblen Jinhao Zhang als Solistin und zeigte eine lyrische, den sehnsuchtsvollen Charakter der Partie betonende Interpretation. Das Finale von „Diamonds“ führt einem ein ums andere Mal die ganze Pracht und Schönheit des klassischen Balletts vor Augen und erfüllt einen mit großer Bewunderung für diese wunderbare Kunst und ihre Interpreten. So inspiriert, spendete das Publikum begeisterten und langanhaltenden Applaus für einen mitreißenden Ballettabend.

Gisela Schmöger

 

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