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MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett: „À JOUR“. Neuproduktion

29.06.2019 | Ballett/Tanz


„Der Tod und das Mädchen: Prisca Zeisel, Henry Gray. Foto: S. Gherciu

München: Bayerisches Staatsballett: Ballettabend „À JOUR“, 28.06.2018

Einen Tag nach der Festspielpremiere der Bayerischen Staatsoper gab es auch beim Bayerischen Staatsballett eine Neuproduktion zu sehen, genau genommen sogar drei. Für den  Ballettabend „À Jour“ hatten zwei in der internationalen Tanzszene sehr gefragte Choreographen je ein Stück für das Bayerische Staatsballett kreiert. Dazu kam noch eine 2018 geschaffene Version von „Le Sacre du Printemps“ mit Startänzer Sergei Polunin. Grund genug für viele Ballettfans, diesen Sommerabend im Münchner Prinzregententheater zu verbringen und Direktor Igor Zelensky erneut ein ausverkauftes Haus zu bescheren, wie schon so oft seit Beginn seiner Amtszeit. Den Anfang machte „Der Tod und das Mädchen“ des ehemaligen New York City Ballet und Nederlands Dans Theater-Solisten Edwaard Liang. Zur Musik von Franz Schubert tanzten ein Solist (Henry Grey), zwei Ballerinen (Kristina Lind, Prisca Zeisel) und sieben Tänzer in einer klassisch basierten, teils akrobatischen, aber immer von einem durchgehenden Bewegungsfluss geprägten Choreographie. Die in einem dunklen, warmen Licht ausgeleuchtete Bühne schuf eine eher in sich gekehrte, fast mystische Atmosphäre.


„Sacre“: Sergei Polunin. Foto: S. Gherciu

Ein sehenswerter Auftakt für das zweite Stück des Abends, weswegen wohl ein Großteil der Zuschauer gekommen war: „Sacré“ zur Musik „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky in der Choreographie von Yuka Oishi mit einem einzigen Tänzer: Sergei Polunin. Es war eine ungeheure Energieleistung von Sergei Polunin, dieses über eine halbe Stunde dauernde Stück allein zu bestreiten. In einem großen, aus Blättern bestehenden Kreis auf der in verschiedenen dunklen Farben ausgeleuchteter Bühne zeigte er zum Teil virtuose Sprünge und aberwitzige Schrittkombinationen. Dazwischen lagen extrem langsame Passagen, auch zu sehr schnellen und lebhaften Teilen der Musik, was einen interessanten Kontrast darstellte. Hie und da waren einige Zitate aus der Originalchoreographie Vaslaw Nijinskis enthalten. Teilweise war das faszinierend und mitreißend, insgesamt war die Bürde, eine so intensive und lange Musik allein interpretieren zu müssen, für Polunin doch zu schwer, so dass er die Spannung nicht während des ganzen Stückes aufrechterhalten konnte.

Den Abschluss des Abends bildete „Cecil Hotel“ von Andrey Kaydanovskiy. Dieses real existierende Hotel in Los Angeles machte in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch teils mysteriöse Morde Schlagzeilen. Von diesen Kriminalfällen inspiriert schuf Kaydanovskiy ein makaber-witziges, abgründiges Stück, in dem die Tänzer sich vor allem als ausdrucksstarke Schauspieler präsentieren konnten. Wunderbar insbesondereKseniaRyzhkova als heruntergekommene Prostituierte, Jinhao Zhang als Mörder Richard, Robin Strona als Selbstmörder, Séverine Ferrolier als Mordopfer Elisa, und Dustin Klein als Lobby-Boy. Die Aufzählung der Rollen zeigt schon, mit was für einem gruseligen Stück man es zu tun hatte, das aber auch mit viel schwarzem Humor erzählt wurde. Das Publikum zeigte sich nicht verschreckt, sondern spendete begeisterten Applaus, so wie davor auch den beiden anderen Stücken.

Gisela Schmöger

 

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